CASTLE PARTY 2004: SUICIDE COMMANDO   DEINE LAKAIEN   CLAN OF XYMOX   AGRESSIVA 69   PROJECT PITCHFORK  
31.07.2004 @ Bolków, Polen

Am Wochenende vom 30. Juli bis 1. August fand auch heuer wieder das Dark Independent-Festival in Bolków in Südpolen statt.

Zu Beginn des Festivals fand am Freitag ein Warm-Up mit einigen bekannten DJs statt. Nach Leszek Rakowski (FADING COLOURS) folgte Ronny Morings (Sänger von CLAN OF XYMOX) am DJ-Pult. Leider erschien Bruno Kramm (DAS ICH), der anschließend auflegen sollte, nicht. Doch Ronny war bereit, für Bruno einzuspringen und heizte dem Publikum weiterhin mit Tanzkrachern wie von DAS ICH bis Mitternacht ein. Nach dem DJ-Line-Up folgte schließlich noch die Band ARCANA, die in Polen Kultstatus besitzt. Dominiert hat die Band vor allem die Sängerin, die mit ihrer engelsgleichen Stimme das Publikum verzauberte (obwohl wir den Hype nicht wirklich nachvollziehen konnten).

Nach den Konzerten ging jeden Abend die Party in den beiden lokalen Clubs „Hacjenda“ und „Blue Ice“ weiter. Dort konnte zu Musik wie EBM, Gothic, Dark Wave, Drill`n Bass, Dark Deathrock, Horror-Punk, und vielem mehr abgetanzt werden – oder man konnte auch einfach nur polnisches Bier (0,4 l knapp ein Euro) und polnischen Wodka genießen (in Polen trinkt man scheinbar hauptsächlich Bier oder Wodka oder Bier mit Wodka). Ausgezeichnet hat die Partys neben der guten Musik vor allem die ausgelassene Stimmung, die immer bis zur Sperrstunde um 6 Uhr früh anhielt.

Am nächsten Tag begannen die polnischen Bands DAEMONICIUM, NAAMAH und GOD´S BOW. Danach folgte die Gothic-Formation MOONLIGHT und anschließend die Band COOL KIDS OF DEATH, die zwar sehr feinen Gitarrenrock von sich gab, jedoch nicht ganz ins „schwarze“ Line-Up passte. Nun sollte die erste große Band folgen: die Gruppe um Multi-Talent Chris Pohl BLUTENGEL aus Berlin. Während des langatmigen Aufbaus war der Bereich vor der Bühne zum ersten Mal zum Bersten voll. BLUTENGEL sind ja für ihre aufwändigen und blutigen Bühnenshows bekannt, daher wurde der Auftritt mit Spannung erwartet. Doch plötzlich trat ein Ansager vor und erklärte, dass BLUTENGEL nicht spielen würden, was natürlich zu heftigen Reaktionen im Publikum führte. Später erfuhr man, dass Chris Pohl auf sein Funkmikrofon bestanden hatte, um seine Bühnenshow durchführen zu können. Da er trotz Vertrages keines erhalten hatte, cancelte er einfach kurzfristig die Show. Auf alle Fälle darf man wohl gespannt sein, wie (und ob) die Show am 28. September im Planet Music stattfinden wird.

Die Castle Party-Veranstalter versuchten, die angespannte Situation zu bewältigen, indem sie den nächsten Act ankündigten: die belgische Band SUICIDE COMMANDO. Diese „Band“ besteht eigentlich nur aus einem Mann, dem charismatischen Johan Van Roy. Für das Konzert hatte er jedoch einen Keyboarder und einen Schlagzeuger mitgebracht. Die Show bestach neben der guten Sound- und Lichtqualität durch das energische Auftreten Johan Van Roys auch durch die an die Songs angelehnten (und teilweise beängstigenden) Visuals. SUICIDE COMMANDO spielten fast sämtliche ihrer Club-Hits, insbesondere von der letzten CD „Axis Of Evil“.

Hauptact am Samstag waren DEINE LAKAIEN, die ein akustisches Konzert ankündigten und es tatsächlich schafften, das Publikum nur mittels Klavier und Alexanders Stimme zu fesseln. Die neuen Versionen von „Dark Star“ und „Generators“ haben sowohl Ernst Horn als auch dem halb-offenem Klavier einiges abverlangt. Mit dem Song „Sometimes“ haben die LAKAIEN schließlich ihre Fans (nach drei Zugabeetappen) in die Nacht entlassen.


Am Sonntag wurde das Festival wiederum von einigen heimischen Acts eröffnet: THE UNHOLY GUESTS, EVA, DESDEMONA und SUI GENERIS UMBRA. Letztere wurden uns von mehreren Seiten empfohlen und konnten die hochgesteckten Erwartungen locker erfüllen. AGRESSIVA 69 waren schnell, elektronisch und irgendwie NINE INCH NAILS-mäßig und zählten zu unserem Festivalhighlight. Danach folgte die christlich orientierte Band ARMIA, die in Polen ebenfalls sehr bekannt ist, wobei jedoch die Meinungen über die „Armee“ stark schwanken. ARMIA spielte teilweise sehr punkig und wurde von einem Horn begleitet. Danach folgte die holländische Band CLAN OF XYMOX, welche bereits 1984 gegründet wurde und zu den Urgesteinen in der Gothic-Szene zurechenbar ist und in den vergangenen Jahren schon des Öfteren auf der Castle-Party auftrat. Diese unkonventionelle Band brachte ein gelungenes Konzert. Abgeschlossen wurde das Festival durch die bekannte deutsche Band PROJECT PITCHFORK. Nach etwas schleppendem Beginn konnte die Band schließlich durch älteres und härteres Material und dem dynamischen Keyboarder das Publikum mitreißen. Somit fand die Castle-Party einen würdigen Abschluss.

Das Festival war eigentlich sehr gut organisiert. Es gab ausreichend zu essen und trinken, faire Preise bei den Underground Markets im Burginnenhof und genügend saubere Toilettenanlagen für die rund 6000 Besucher. Sehr positiv ist weiters anzumerken, dass das Line-Up bereits seit Anfang des Jahres feststand und sich danach nichts mehr änderte – bis auf die bereits erwähnten BLUTENGEL.

Von Wien liegt Bolków ungefähr 400 Kilometer entfernt. Unterkunftsmöglichkeiten gibt es entweder in Hotels, in Privathäusern oder auf dem Campingplatz. Dieser ist für polnische Verhältnisse zwar relativ teuer (etwa 25 Euro für zwei Personen + Auto + Zelt für drei Tage), besitzt jedoch einen eigenen riesigen Swimmingpool, in dem man sich auf die Konzerte einstimmen kann.

Wir waren von diesem polnischen Gothic-Festival sehr begeistert und warten schon gespannt auf das Line-Up für 2005.


FOTOS + E-CARDS
www.castleparty.com

Tomitsch

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Beitrag vom 08.09.2004
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