EMPYRE    DIABOLICA    HAGELSTURM   LURID LISHAPED   
12.09.2004 @ Planet Music

„Es wollen auch noch andere Bands spielen, wahrscheinlich bessere als wir.“ Mit diesen Worten verabschieden sich LURID LISHAPED und irgendwie kauf’ ich ihnen dieses Understatement nicht ab. Die sechs Wiener hatten nämlich in der guten halben Stunde davor mit einem für ihr Alter (im Schnitt 17) überdurchschnittlich hohen Selbstvertrauen auf der Bühne gewütet, wie man es sich von anderen Bands jeglichen Alters nur wünschen kann.
Sollten an diesem Abend andere Musiker noch eindrucksvoll vor Augen führen, wie sehr man drauf vergessen kann, dass man beim Live-Spielen dem Publikum auch optisch was bieten soll, waren LURID LISHAPED schon fast hyperaktiv und besonders Gitarrist Montrovant und Percussionist Coso taten sich als Poser vor dem Herrn hervor. Mit dem Einsatz von Obst (anwesende Onion Terroristen verzogen angesichts dieser Light-Variante ihrer Lieblingssportart etwas das Gesicht) und einer Gastsängerin bewies das Sextett dann, dass sie sich einfach nix scheißen und was sie machen, nicht machen um anderen zu gefallen, sondern weil sie es für gut halten. Eine Einstellung, die gerade bei Newcomern zu bewundern ist. Dass dennoch die Kritik seitens des Publikums zu einem großen Teil negativ ausgefallen ist, liegt bei der Kundschaft, die die nächsten drei Schwermetallanbieter angezogen haben, auf der Hand und es lässt sich auch nicht leugnen, dass man was Sound und Komposition betrifft, noch das eine oder andere aufzuholen hat.

HAGELSTURM war dann eher ein Aneinanderreihung von Wassertropfen, sprich chinesische Folter. Vier Leute, eineinhalb Riffs, eine halbe Stunde Spielzeit, keine Bewegung, da kann schon leicht Langeweile aufkommen. Als der erste Song – und ich übertreibe jetzt mit den „ein und halb Riffs“ wirklich nicht! – aus war, dachte ich mir, dass es ja nur noch besser werden kann und dann kam der zweite – genau wie der erste langsam kriechend und monoton – und ich ging.
Um es auf eine Formel zu bringen „Wie langsame DARKTHRONE nur dass die mir bessser gefallen weil man eine CD abschalten kann, einen Liveauftritt eher schwer“. Nuff said.

Als nächstes DIABOLICA, die ich am Wochenende davor schon am Total Eclipse Festival in Windischgarsten erlebt hatte, wo sie nicht gerade ihren besten Tag erwischt hatten. Auf der großen Bühne des Planet Music fühlten sie sich aber schon sichtlich wohler, der Sound war um einiges besser und so konnten sich auch die dargebotenen Songs besser entfalten. Thrash Metal mit Keyboards spielt das Wiener Quintett und auch wenn man notorischer Keyboardhasser wie meiner einer ist, muss man zugestehen, dass die oft songtragenden Melodien, die über die Riffteppiche ausgebreitet werden einen oft lange nicht mehr verlassen und somit die Tasten neben den Saiten durchaus eine Berechtigung finden. Bestes Beispiel ist wahrscheinlich „die ungarische Nummer“, deren Titel ich mir sowieso nie merken werde.
Das Publikum ging erstaunlich mit der Band mit und nicht einmal wurde bei einem der Stampfparts ordentlich mitgeklatscht, was auch daran lag, dass Fronter Peter binnen einer Woche vom orientierungslosen (weil verkaterten? ;) zum fest entschlossenen Frontmann mutiert ist.
Melodic Thrash Metal mit bleibendem Eindruck, mit Sicherheit die ohrwurmlastigste Band des Abends.

Dass EMPYRE die Headliner des Abends sein mussten war klar. Immerhin gibt es die Band nicht erst seit gestern und in der inzwischen fünfjährigen History hat man Gigs mit unter anderem BELPHEGOR, BEHEMOTH, GOREROTTED sowie auf allen bedeutenden österreichischen Metal Festivals der letzten Jahre hingelegt. Dass EMPYRE dann auch am beeindruckendsten waren, war auch von vornherein klar. Technisch fit wie Trey Azagthoths weiße Turnschuhe, brutal wie sämtliche aus Florida stammende Kapellen und dorthin ziehende Hurrikans zusammen, ließen sie dem Publikum keinen Wunsch unerfüllt. Nach einjähriger Live-Abstinenz konnte das Quintett seinen Status als österreichischer Top Act somit bestätigen.


Kronos
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Beitrag vom 18.09.2004
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