CREMATORY   BLOODFLOWERZ   SUICIDE   
24.09.2004 @ Hafen

Ein verregneter, düsterer Freitagabend war es, an welchem die Hallen des Innsbrucker Hafens wieder mit bösen, schwarz gekleideten Menschen gefüllt werden sollten. Dafür bestand das Programm auch aus keinen Geringeren als die wieder vereinten deutschen Vorzeige-Gothic-Metaller CREMATORY, die als Vorgruppe ihre Landsleute von BLOODFLOWERZ mit an Bord hatten.

Um ungefähr 20 Uhr begann SUICIDE, eine recht viel versprechende und gar nicht mehr so unbekannte Underground Band aus dem heimischen Lande. Aufgrunddessen war ich dann doch eher enttäuscht, als ich das sehr karg ausgefallene Publikum betrachtete. Wahrscheinlich waren anfänglich keine 100 Leute im Club des Hafens, was an sich ja nicht so schlimm gewesen wäre, hätten sich wenigstens diese etwas mitreißen lassen. Dem war aber nicht so. Vielmehr schienen die meisten SUICIDE eher einfach hinzunehmen und ungeduldig auf die Hauptacts zu warten. Davon ließen sich die Jungs auf der Bühne jedoch nicht abhalten eine Hammershow zu bieten. Allein das Intro versetzte mich schon perfekt in Stimmung für das nachfolgende Konzert und ließ mich meine Müdigkeit total vergessen. Es folgte eine knappe dreiviertel Stunde vollgefüllt mit sehr guten, atmosphärischen und anspruchsvollen Stücken. Zusätzlich war die Bühnenpräsenz SUICIDEs als einwandfrei zu bezeichnen und rundete damit einen hervorragenden Auftritt passend ab. Besonders positiv aufgefallen ist auch, dass der Sound schon bei eben dieser ersten Gruppe beinahe ohne Makel war und man alles gut mitbekommen hat, ohne erdrückt zu werden.

Nach einer in etwa viertelstündigen Umbaupause war es für BLOODFLOWERZ an der Zeit, die Bühne zu entern. Da ich die Band bisher nur von wenigen Stücken kannte (und auch das nicht wirklich gut, wohlgemerkt) war ich umso gespannter darauf, womit uns diese zu überraschen vorhatten. Nun, überrascht wurde ich tatsächlich, vielleicht aber nicht auf die positivste Art, die man sich vorstellen könnte. Aber beginnen will ich mal mit den guten Seiten dieses Auftritts. Die Band hatte recht viel Platz, sich zu bewegen, was sie auch die meiste Zeit gut ausnützten und so eine relativ gute Show abzogen. Sogar musikalisch gab es einen guten Aspekt: die Musik war nicht anstrengend.
Aber dann hört es auch schon wieder auf mit dem Guten. Die Songs waren nicht nur unheimlich einfach aufgebaut und frei von jedwedem technischen als auch musikalischem Anspruch, sondern klangen zusätzlich monoton und mehr langweilend als aufregend. OK, die Sängerin hatte eine relativ brauchbare Stimme und sieht dann auch noch gut aus (im passenden Outfit natürlich), was aber Bassist und Gitarrist betrifft, hält sich die Schwierigkeit ihres Gespielten im Bereich von ein paar Wochen Übung auf und klingt dann eben genauso. Also nix von wegen einfachen Mitteln und gutes Ergebnis. Seichter, neumodischer Gothic Rock ohne viel Überzeugung.
Ich würde den BLOODFLOWERZ-Auftritt zwar nicht als unangenehm oder störend bezeichnen, muss aber sagen, dass ich sicherlich nicht traurig war, als sie die Bühne wieder freigaben.

Knapp nach 22 Uhr war es, als sich dann endlich die Hauptband vor dem übrigens verhältnismäßigen jungen und mittlerweile etwas zahlreicher gewordenem Publikum breit machte. Zum ersten Mal an diesem Abend wurde gebangt, zum ersten Mal mitgesungen und überhaupt kam zum ersten Mal wirklich etwas Stimmung in der Menge auf, das aber wahrlich zu Recht. Ich muss selber sagen, dass ich mir von CREMATORY jetzt nicht mehr was weiß ich erwartet hätte, da mir die neue Scheibe "Revolution" nicht sonderlich zusagt, aber trotzdem erwies sich die deutsche Band als großartiger Live-Act. Beide Sänger zeigten Entertainerfähigkeiten und gingen sehr gut mit dem erwachten Publikum um. Neben diversen neuen Songs wurden natürlich auch Klassiker wie mein Lieblingssong "The Fallen" oder auch "Tears Of Time" dargeboten. Weitere Highligts waren "Tic Toc" und der Titelsong des neuen Albums, der live tatsächlich um einiges besser als auf CD kommt. Besonders beeindruckt war ich dann noch von der wundervollen Stimme des zweiten Sängers und Gitarristen Matthias.
Nach knappen eineinhalb Stunden war es auch für CREMATORY genug und hinterließ ein allen Anschein nach recht zufriedenes Publikum.

Insgesamt war auch ich sehr zufrieden. SUICIDE haben sich, wie nicht zum ersten Mal, als Geheimtipp erwiesen und einen perfekten Opener abgaben. BLOODFLOWERZ waren dann zwar eher enttäuschend, wurden aber von CREMATORY wieder ausgemerzt. Also alles in allem ein gelungener Abend.
www.buehne-innsbruck.com

shark
Weitere Beiträge von shark

6 bereits abgegebene Kommentare


Zurück

Beitrag vom 30.09.2004
War dieser Bericht
interessant?

344 Stimme(n)
Durchschnitt: 5.35
Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: