NEGATIVE ACTION GROUP - KICK OFF PARTY: OLEMUS   JACK FROST   THIRDMOON    LEGACY OF HATE    SHOTGUN WEDDING    ANISH   ESCHATON    EYE OF BETRAYER      
12.09.2004 @ Posthof

Nachdem in der oberösterreichischen Landesmetropole Linz sowie in den umliegenden Regionen in den letzten Jahren eine geradezu gewaltige Anzahl an Metal/Rockbands heranwuchs, die ihr Musikschaffen nicht nur als privates Freizeitvergnügen verstehen, sondern durchaus auch professionelle Ansprüche hegen sowie mittlerweile durchaus auch internationalen Qualitätsmaßstäben gerecht werden, lag es nahe, dass früher oder später ein Gutteil dieser Formationen zu einem Schulterschluss bewegt werden können, um quasi (wie es so schön heißt) das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen.

Die daraus resultierende Vereinigung wurde auf den Namen „Negative Action Group“ getauft, und definiert sich nur als Dachorganisation, die sich aufopferungsvoll für aufstrebende Undergroundbands der Sparte Metal/Rock engagiert, sondern ist auch auf dem Konzertsektor höchst aktiv: Im Vorjahr wurde die Konzertserie „Metal Overdose“ im Linzer Posthof initiiert, und somit wurde für heimischen Bands, aber auch für Formationen aus dem angrenzenden Ausland eine zusätzliche Option geschaffen, sich und ihre Soundkreationen in der Landeshauptstadt dem oberösterreichischen Publikum näher vorstellen zu können.

An diesem Sonntagnachmittag durfte ein Großteil jener Bands, die sich unter dem Banner NEGATIVE ACTION GROUP zusammengeschlossen haben, im mittleren Saal des Posthofes ein kurzes Stelldichein geben, um den letzten Zweifler davon in Kenntnis zu setzen, dass auch in hiesigen Breitengraden durchaus nenenswerte Bands existieren.
[Hutti]

Die erste Band des Abends waren die Welser EYE OF BETRAYER, die vor bereits gut besuchtem Posthofspublikum ihre Instrumente anstimmten. Wie immer wurden Songs des aktuellen Albums "Reflections Of Despair" zum Besten gegeben und die Coverversion der EAV namens "Liebe, Tod und Teufel". Durch die vermehrte Livepräsenz der Gothic/Black/Dark-Metalformation werden die vor der Bühne sich versammelnden Fans immer zahlreicher. Besonders toll an diesem Auftritt war die Tatsache, dass der Sound optimal war und man die Gitarre gut und druckvoll hörte, was bei vorigen Gigs nicht immer der Fall war. Jedenfalls eine wie immer überzeugende Darbietung, auch wenn sie für meinen Geschmack zu kurz war, aber auf diesem Event hatten ja alle Bands weniger Spielzeit als auf einem regulären Gig zur Verfügung.
[Leander]

Im Anschluss wurde der Härte- und Geschwindigkeitsgrad nach oben geschraubt, es war Zeit für die Linzer von ESCHATON. Ein musikalisches Black Metalinferno wurde entflammt, die neue CD "God Mode" im Gepäck, die aber auch genug Midtempopassagen beinhaltete, um für Abwechslung zu sorgen. Durch ihr klischeefreies Auftreten bewiesen ESCHATON zudem, dass Black Metal nicht unbedingt bitterböse und corpsegepainted sein muss. Die Linzer spielten ihren ersten Gig mit dem neuen Drummer, die Band schraubte die Bühnenshow leicht herunter und konzentrierte sich umso mehr aufs Spielen, aber Nervosität war nicht anzumerken. Der Auftritt wurde auch gekonnt gemeistert.
[Leander]

Danach betraten ANISH die Bühne: Eine Kombo aus dem Mühlviertel, die an diesem Sonntag wohl damit betraut wurde, für musikalische Kontraste zu sorgen. Schließlich bringen ANISH die Karte Alternative Rock zum Zug, während alle anderen auftretenden Gruppen eher auf metallischere Sound schwören. Dennoch harrten ausreichend Fans aus, um sich mit dem Sound der Mühlviertler näher vertraut zu machen. Dieser ist wohl (ganz grob) am ehesten als gnadenlos groovender sowie absolut anspruchsvoller, melodischer Alternative Rock darzustellen. ANISH verstehen eindeutig ihr Handwerk und sorgen insofern für zusätzliche Abwechslung, indem sich Sängerin Sieglinde und Gitarrist Christoph die Gesangsparts teilen, wobei zu keiner Zeit (wie bei so vielen Kollegen) ein Wechselgesang forciert wird, sondern die Stücke jeweils ausschließlich von dem Sänger oder eben der Sängerin vorgetragen werden. Die live vorgestellten Nummern vom aktuellen Album „Come Inside“ („Anyone“ usw.) erwiesen sie jedenfalls als regelrechter Ohrenschmaus, da gekonnt arrangiert und mit großer Leidenschaft vorgetragen. Auch diese Band wird mit absoluter Sicherheit ihren Weg machen, daran besteht aus meiner Sicht keinerlei Zweifel!
[Hutti]

Danach scherte die Härteskala allerdings wieder mehr nach oben aus: Das Quartett SHOTGUN WEDDING aus der benachbarten Kleinstadt Traun durfte an dieser Stelle das Publikum schon für Topacts wie EMIL BULLS oder 4LYN einstimmen. Jedenfalls rockte man dermaßen energisch los, als gäbe es kein Morgen. Besonders Sänger Mario konnte sich mittlerweile als routinierter und stimmgewaltiger Frontmann mit jede Menge Charisma profilieren. Neben Stücken von der empfehlenswerten letzten Demoproduktion „Emotional Poverty“ (Titeltrack; “True Lies“ etc.) belegten taufrische Nummern wie „Time“, dass es die vier Herren definitiv noch immer wissen wollen, und permanent an ihrem musikalischen Erscheinungsbild feilen. Eine gelungene Darbietung allemal!
[Hutti]

Mit LEGACY OF HATE folgte meiner Meinung nach der Höhepunkt des Abends. War mir die Death Metal-Kombo auf ihrem Erstlingswerk "Death Trip" noch zu durchschnittlich, so zeigte die Band live, wie sie sich weiterentwickelt hat. Die Halle war zum Bersten voll, die Stimmung grandios, als die Geschoße des Death Metal-Knallers "Seeds Of A Future Bizarre" über die Köpfe der Menge hereinbrachen. Wunderbar Härte und Melodie kombinierend, erinnerte mich der Auftritt sogar stellenweise an meine Lieblinge KATAKLYSM. Druckvoller Sound, brachiales Drumming, Killerriffs - so konnte die Stimmung auf der Bühne und im Publikum nur gut sein. Beeindruckend auch die Vocalperformance von Sänger Simon. Die Gitarren krachten, der Bass wummerte - alles in allem ein Wahnsinnsgig.
[Leander]

THIRDMOON bedürften nach zehn Jahren Bandhistory, von der Fachpresse mit Lob nur so überschütteten Alben, Gigs in ganz Mitteleuropa (unter anderem "Wave-Gothic-Treffen" in Leipzig, "Metalcamp 2004" in Slowenien) wohl keiner näheren Beschreibung mehr. Aber die Band um Mastermind Wolfgang Rothbauer (auch bei IN SLUMBER tätig), die an diesem Tag ohne ihren Gitarristen Matias Larrede auskommen musste, verleugnet ihre Herkunft keineswegs, sondern ist sich nicht zu schade, die Fans in ihrer Heimatstadt mit einer hochprofessionellen Performance zu begeistern. Diverser Line-Up-Changes in den letzten Jahren zum Trotz, konnten die Linzer ihr musikalischen Level weiter beibehalten, und sogar noch bedeutend ausbauen. Der sowohl beinhart-brachiale als auch melodische Elemente in sich vereinende Dark Metal der Stahlstädter lies jedenfalls für Genrefans keinerlei Wünsche offen.
[Hutti]

Auch JACK FROST sollten an diesem Abend nach langer Abstinenz direkt von einer Show in Deutschland kommend ein lautstarkes Lebenszeichen von sich geben: Zählflüssiger Doom Metal/Rock-Sound der furiosen Art a la „Your Are The Cancer“ quoll jedenfalls aus den Boxen, und schuf eine schier schaurig-schöne Atmosphäre, die einem , ob man nun wollte oder nicht, förmlich mitriss, so dass man als Fazit durchaus von einem den hohen Erwartungen entsprechend wahrlich ausgezeichneten Gig sprechen darf.
[Hutti]

Als quasi Headliner, der sich selbst allerdings keinerlei Privilegien in Form von einer längeren Spielzeit einräumte, sondern über eine ebenso kurze Spielzeit (etwa 30 Minuten) wie die übrigen Bands verfügte, traten OLEMUS in Erscheinung. Und eines sei vorausgeschickt: Die Spannung war im Vorfeld nicht gerade gering, was bei einer Band, die bereits seit 1993 (!) die österreichische Metallandschaft äußerst erfolgreich aufmischt, nicht als Selbstverständlichkeit anzusehen ist, auch wenn man sich in den letzten Monaten was Livekonzerte betrifft hübsch rar gemacht hatte. Warum sollte also der Verdacht aufkeimen von einer alteingesessenen Band, die man obendrein schon unzählige Mal live gesehen hatte, noch mit Überraschungsmomenten beglückt zu werden?
Ganz einfach: Weil man auf der bandeigenen Homepage geradezu kryptisch verkündet hatte, man widme sich derzeit dem Erstellen eines völlig neuen Konzeptes, was die Liveperformance angeht. Nun, auf den ersten Blick erschien alles beim Alten, allerdings offenbarte sich dann relativ zügig, was die Jungs quasi im stillen Kämmerlein ausgeheckt hatten: Durch Videoprojektionen gelang eine treffende Visualisierung ihrer Musik, aber auch die Show selbst verdiente das Prädikat hochwertig: Wie immer im Mittelpunkt des Geschehens: Robert Bogner, Frontmann und Kopf der Band, der sich wieder mühte, sich quasi in die Stücke hineinzufühlen, und diese somit auch gestisch und mimisch passend zu untermalen. Außerdem wurde der Öffentlichkeit der neue Schlagzeuger Max Pointner (LEGACY OF HATE) vorgestellt. Neben je einer Nummer der letzten beiden Alben „E-God“ (Titelsong) sowie „PassionFall“ („Dead Heart Goddess“), wurde ganze vier Stücke des kommenden Werkes ("Hell Is Where My Mind Is" ; "Living Your Hell"; "Hateshed" und "This Time So Near" ) schon mal vorab präsentiert, die sowohl qualitativ als auch stilistisch in eine ähnliche Kerbe wie das „E-God“-Material schlagen.
[Hutti]

Fazit: Eine Veranstaltung, die einen wahren Massenansturm hervorrief (Lt. Veranstalter zwischen 450 und 500 Anwesende), und durchaus auch Musiker und Fans außerhalb der (Extreme-)Metal-Szene anzog, deren Erscheinen nicht unbedingt vorherzusehen war, da diese sonst kaum auf solch artigen Veranstaltungen gesichtet werden. Der kostenlose Eintritt trug wohl das Seinige dazu bei, und die Hoffnung, dass sich engstirniges Szenedenken auf längere Sicht nicht etabliert, wurde somit neues Leben eingehaucht. Noch ein Detail scheint es mir wert, lobend erwähnt zu werden: In den Umbaupausen projizierten die Verantwortlichen nähere Informationen zur Bandgeschichte und der stilistischen Ausrichtung der als nächstes auftretende Gruppe auf eine Leinwand, so dass man sich kinderleicht ein Bild darüber machen konnte, mit welcher Art von Musik man in wenigen Momenten konfrontiert werden sollte. Ein sicherlich fanfreundliches Service, das durchaus Schule machen könnte bzw. vielmehr sollte.
[Hutti]

Rückblickend ein lobenswerter und gelungener Versuch zu zeigen, dass Metal in Oberösterreich lebt. Gute Bands, gute Organisation, viele Leute, jede Menge Spaß und Musik. Dass das Freibier in Windeseile ausging, war zu erwarten und fällt auch nicht weiter negativ ins Gewicht. Jedenfalls hoffe ich, dass die Leute der NAG dort weitermachen, wohin sie sich mit dieser Veranstaltung hinkatapulierten, Daumen hoch!
[Leander]
www.negativeactiongroup.at

Hutti
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Beitrag vom 08.10.2004
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