FUNKALICIOUS    HYPNO TOAD      
18.09.2004 @ Fred Sega

Eigentlich waren die Hauptstädter FUNKALICIOUS bereits im Mai dieses Jahres für ein Gastspiel im Welser Musicpup Fred Sega gebucht worden, wenn nicht kurzfristige Castingverpflichtungen des Sängers den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten, und der Gig nur wenige Tage zuvor storniert werden mußte. Aber die engagierte Fred Sega-Crew lies nicht locker, und es gelang, die Wiener Kombo für eine Show im September zu verpflichten.

Als Local Support, sozusagen mit der Aufgabe betraut, das Publikum auf die Show der Wiener entsprechend einzustimmen, und ganz nebenbei natürlich auch, um selbst sein Schaffen in die Auslage zu stellen, waren HYPNO TOAD ausersehen worden. Ein Quintett aus dem Großraum Linz- bzw. Wels-Land, das ob des Fehlens ihres Rhythmusgitarristen für diesen Gig zu einem Quartett schrumpfte, was aber nicht weiter ins Gewicht fiel, weil dessen musikalische Agenden kurzerhand vom Sänger übernommen werden konnten. Da HYPNO TOAD bisher kaum Livepräsenz zeigten, stellen sie freilich noch ein unbeschriebenes Blatt dar, was aber nicht für die einzelnen Mitglieder gilt, denn diese durften schon zu einem überwiegenden Teil bei der kurzlebigen Kombo MASSIVE WEIGHT GAIN wichtige Erfahrungswerte sammeln. Deren musikalisches Vermächtnis führen HYPNO TOAD prinzipiell auch fort, wenngleich auch das Bemühen, jeglichen Weiterentwicklungsprozessen nach Möglichkeit den Weg zu ebnen, festgestellt werden kann. Einflüsse aus dem Stoner Rock-Lager sind weiterhin nicht zu überhören, aber damit ist es keineswegs getan: Zudem ist nämlich ein gewisser Hang zu schrägen Experimenten zu bemerken, aber auch Berührungsängste zu einer härteren, weniger eingängigen Marschrichtung (Noiserock, Hardcore) sind den Herren ganz offensichtlich fremd. Stücke wie "Whise Guy Whispers" offenbarten jedenfalls, dass die auf den ersten Blick gewagte Mischung nicht nur funktionieren kann, sondern gar zu munden vermag. Eine Feststellung, die jedenfalls durch die äußerst positiven Reaktionen der Audienz eindrucksvoll belegt wurde. Mit Sicherheit hat dies auch damit zu tun, dass HYPNO TOAD bewusst auch ihren Emotionen in den Stücken Platz bieten, und man sich beim Komponieren nicht zu sehr an gängigen Schemata orientierte, sondern vielmehr der Versuchung erlag, möglichst Eigenständiges zu kreieren. Quasi zum Drüberstreuen wurden auch NIRVANA mit dem Song "Floyd The Barber" gehuldigt.

FUNKALICIOUS können auf einen schier beeindruckenden Werdegang verweisen: Neben Airplay auf u.a. FM4, Gigs bei größeren Festivals (u.a. "Frequency 2004"), gelang es gar, das letzte Werk "Perfekta", das seinen Namen übrigens mit Fug und Recht trägt, in den Charts zu platzieren. Auch wenn Erfolg heutzutage nicht unbedingt als Qualitätsmaßstab interpretiert werden sollte, so trifft dies auf dieses Quartett doch zu, denn deren Erfolge sind nicht nur auf aufopferungsvolle Promotionarbeit und die unbedingt nötige Portion Glück zurückzuführen, sondern schlicht und einfach auf die Tatsache, dass diese Band ohne Übertreibung zum Besten zählt, was Österreich auf dem Gebiet zu bieten hat. Dementsprechend souverän und abgebrüht - aber nicht leidenschaftslos - agiete man on stage, und die rund 60 Fans bedankten sich auch mit angemessenem Feedback. Kein Wunder eigentlich, denn bärestarke Stücke wie "Bomb Your Targets", "Prophecy" oder "Face In the Crowd", die stilistisch im luftleeren Raum zwischen den Stilen Funk- bzw. New-Rock/Metal anzusiedeln sind, verfügen einfach über das gewisse Etwas, das großartige von durchschnittlichen Songs unterscheidet. Auch der Band selbst war die Freude an ihrem Tun an den Gesichtern abzulesen, und der Gig gind definitiv als einer der besten Shows der letzten Wochen in die Fred Sega-History ein. Trotzdem sei mir an dieser Stelle noch gestattet darauf hinzuweisen, dass die Bands mindestens die dreifache Menge an Fans verdient hätten, was aber auch der einzige Wehrmutstropfen dieses Abends bleiben sollte.


Hutti
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Beitrag vom 24.10.2004
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