MACHINE HEAD   GOD FORBID   CALIBAN  
29.10.2004 @ Posthof

In den Linzer Posthof kam ich an diesem Abend zum ersten Mal und musste gleich mal feststellten, dass es sich dabei um eine äußerst coole Location handelt. Nachdem sich auf Grund komplizierter Umstände mein Interview mit MACHINE HEAD immer mehr nach hinten verschob, versäumte ich einen Großteil der Show der deutschen Metalcoreler CALIBAN. Was ich jedoch noch zu sehen respektive hören bekam, war augen- und ohrenscheinlich mehr als ok und ein guter Opener für einen gelungenen Abend. Da ich nur mit dem Material des aktuellen Longplayers vertraut bin, kann ich über die Songauswahl im Ganzen nicht viel sagen. Was die Band vom aktuellen Album intonierte, kam allerdings gut rüber und wusste bereits zu Beginn des Abends, jedoch am Ende des Sets der Band einige Zuschauer dazu zu animieren, heftigst nach einer Zugabe zu verlangen. Nachdem bei einem Konzert der Größe (und ich möchte schon sagen, dass die Halle fast die doppelte Größe des Wiener Planet Musics hat und trotzdem ziemlich voll war) nichts dem Zufall überlassen wird, gibt es auch einen fixen Zeitplan, weswegen nach einer Zugabe vergeblich gebrüllt wurde.

Nachdem ich CALIBAN, von denen ich zumindest ein paar der neuen Songs gerne gehört hätte, nur kurz gesehen habe, kamen GOD FORBID, von denen ich leider bisher noch nichts kannte. Leider, denn das werde ich allerdings nach dem Ohrenschmaus, den diese Band präsentierte, raschest ändern. Die Band brachte ihr stellenweise hochmelodisches Material nämlich derart tight und wirksam rüber (entsprechender Sound inklusive), dass selbst Leute, die es nicht kannten, überzeugt werden konnten. Was ich live hörte, und was sich inzwischen in einem GOD FORBID-Videoclip, der mir kürzlich irgendwo unterkam, auch bestätigte, hat die Band nebst grooviger und coriger Momente eine gehörige Portion MAIDEN-Gitarrensoli und einen Schuss später DEATH in ihrem Sound. Wer jetzt aufhorcht, dem wird es genauso wie mir während der Show gehen. Um voll und ganz überzeugen zu können, ist neben der musikalischen Darbietung natürlich auch eine entsprechende Show notwendig - und indem die Band sichtlich einen derartigen Spaß bei der Sache hatte und eine ebensolche Spielfreude an den Tag (den Abend) legte, kann von einem mehr als gelungenen Set gesprochen werden. Wer die Band bisher nicht kennt, checkt die Burschen mal an.

Schlussendlich sollten nach einer garnicht allzu langen Umbaupause die Herrschaften Flynn und Co auf die Bühne. Nachdem mir im Zuge des Wartens auf mein Interview zu Ohren gekommen ist, dass die Band an dem Tag schlecht drauf sei, schwante mit Böses. Genau das wurde dann mit dem wohl meistverwendesten Intro - dem "Ave Satani"-Thema aus dem Horrorklassiker "Das Omen" - akustisch umgesetzt. Mit ghetto-tauglichem Tough Guy-Gepose enterte die Band zu den ersten Klängen von "Imperium" dann die Bühne. Aus dem Photograben war es mir möglich einiges näher zu beobachten und das, was ich an Worten von den Lippen des Frontman las, die dieser zum Monitortechniker brüllte, war kein - wie heißt es so schön - "Bemmerl". Langes Geschreibsel, kurzer Sinn: einer der beiden Monitorlautsprecher vor dem Sänger schien nicht zu funktionieren, weshalb der Gute, wenn er nicht gerade das Publikum anfeuerte, alles an unfletigen Gesten Mögliche in Richtung des Monitortechnikers warf. So sauer wie der Ami zu diesem Zeitpunkt wirkte, so stark war in mir bereits die Befürchtung, das Konzert würde jeden Moment abgebrochen. Während des dritten Songs war es dann schließlich so weit und - nein, das Konzert wurde nicht abgebrochen, sondern die gestresst herumlaufenden Techniker tauschten die Box gegen eine andere aus. Das Publikum schien von alledem nicht allzuviel mitzubekommen, da der Zorn mit ausreichender Professionalität kaschiert wurde.

Grund, gut drauf zu sein, hatten die Amis jedoch allemal. Wie in einer Ansage verlautbart wurde, wussten die vier Amis bis tags davor nicht "that there is a fuckin city called Linz, Austria". Indem MACHINE HEAD aber von "fucking Linz, Austria" nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurden, hatten sie auch allen Grund dazu. Es begann daher ein Spiel, das bis zum Ende des Sets mehrmals durchgezockt wurde - Rob Flynn hob seinen Becher mit den Worten "Prost, everybody, prost", um schließlich Drummer Dave aufzufordern die Death Metal-Version des "Prost-Songs" zu intonieren. Das ganze schaute in etwa folgendermaßen aus: Flynn zählte ein, Dave knüppelte einen Takt lang einen schlampigen Blastbeat und ersterer brüllte mit Unterstützung des Publikums "Proooooooooooost" ins Mikro. Nachdem die Menge ebenso ihren Spaß daran fand, wie Sänger und Drummer, wurde das ganze des öfteren beziehungsweise nach einigen Liedern wiederholt.

Wem bisher zu wenig über die Setlist gesagt wurde, der findet erstens im Photoalbum eine Aufnahme der Setlist, die an dem Abend zum Besten gegeben wurde. Zweitens kann alles in allem von einer mehr als überzeugenden Mischung aus harten und melodischen Songs gesprochen werden - und dass sich MACHINE HEAD über "Descend The Shades Of Night" vom aktuellen Kracher "Through The Ashes Of Empires" drübertrauen würden, hätte wohl niemand gedacht. Nichtsdestotrotz wurde der Song auch gesanglich, mehrstimmig wie auf dem Album 1A rübergebracht. Dass es von "Burn My Eyes" neben "Davidian" auch "Old" gab, war zu erwarten, als letzter Song wurde dann jedoch "Block" ausgegraben. Ein Song, mit dem wohl nicht soviele gerechnet hatten, womit aber schließlich noch weiter gepunktet werden konnte. Bevor aber besagter Song zum Besten gegeben wurde, wurde ein Block mit Coverversionen angesetzt, die die Band gerne spiele, wenn sie eine "fucking crazy crowd" hätten und die Stimmung genießen würden. So wurde der Saal schließlich vor die Wahl zwischen IRON MAIDENs "Number of the Beast", "Melissa" von MERCYFUL FATE, sowie SEPULTURAs "Territory" gestellt. Ein Brüllcontest sollte entscheiden. Ich hatte den Eindruck einer von sehr wenigen zu sein, die den MERCYFUL FATE-Klassiker kannten, der SEPULTURA-Evergreen machte schließlich das Rennen. Und weil´s so lustig war, setzte die Band in einem passenden Break mit dem Anfang von PANTERAs "A New Level" fort, um dann in "Walk" hineinzuwandern. Zum Schluss gab´s noch einige Takte "Roots" und dann waren wir schon beim erwähnten letzten Song, "Block", womit eine Vollbedienung der respektablen Länge von einer Stunde, vierzig zu Ende war. Die heftigst schwitzende Meute verließ dampfend das den Saal umfassende Moshpit und der Schreiber dieser Zeilen ließ sich noch das Linzer Nachtleben bei einigen Bieren zeigen. In diesem Sinn - "Prost, everybody, prost".


FOTOS + E-CARDS
www.machinehead1.com

Gore
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Beitrag vom 11.11.2004
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