PUNGENT STENCH   EISREGEN   COLLAPSE7  
13.11.2004 @ Planet Music

Pungent Stench, Eisregen, Collapse7 am 13.11.2004 im Planet Music

Es war ein kalter Samstagabend in Wien als ich gegen 18 Uhr im Planet Music eintraf. Etwas überrascht nahm ich die Wartezeit von über eineinhalb Stunden hin und amüsierte mich nichts desto trotz ganz gut und schmökerte in diversen CD Angeboten und trank mit meiner reizenden Begleitung das eine oder andere Bier, obwohl ich eigentlich zur Fraktion der Anti–Alkoholiker gehöre. Aber auf so einem Konzert-Highlight macht man schon mal die eine oder andere Ausnahme. Die Pforten sollten sich eigentlich bereits um 19 Uhr 30 öffnen. Tatsache war allerdings, dass dies mit etwas Verspätung geschah. Doch gegen 20 Uhr wurden schließlich die Tore geöffnet und es dauerte nicht lange, da stand auch schon die erste Band namens COLLAPSE7 auf den Brettern.

Hierbei handelt es sich um eine einheimische Combo, welche bereits im Jahre 1992 gegründet wurde. Nach etlichen Line–up Wechseln etablierte sich der Vierer als „Apocalyptic Death Metal“ Band (Eigendefinition) und nahm zwei Demos und ein Full–Length Album namens „In Deep Silence“ auf und man entschied sich nach etlichen Namensänderungen letztendlich auf COLLAPSE7. Doch nun zum Gig des Vierers. Fünf Minuten vor regulärem Beginn starteten die Österreicher nach kurzem Intro mit ihrer Death Metal Mucke. Der Sound ließ anfangs etwas zu wünschen übrig, wurde aber im Laufe der Zeit doch um einiges besser. COLLAPSE7 gaben acht Songs zum Besten und glänzten, neben ihren (mäßigen) musikalischen Fähigkeiten, durch die gelungene Light–Show. Die ersten drei Songs konnten zu Beginn durch gelungene Gitarrenriffs überzeugen, flachten jedoch mit zunehmender Spielzeit ein wenig ab. Obwohl die Band bemüht war das Publikum zu begeistern kam zumindest am Anfang der Show nie so richtig gute Stimmung auf. Der Sound viel vor allem durch einen gewissen schwedischen Death Metal Touch auf. Die Vocals von Sänger und Bassist Mario kamen leider auch nicht über das Durchschnittsniveau hinaus. Die Trademarks der Songs waren eindeutig die nicht gerade sperrlich eingesetzten Blastbeat Attacken. Doch ab Song Nummer fünf änderte sich die Stimmung schlagartig. Dank eines Midtempo Tracks stieg die Stimmung im Publikum erheblich an und auch der achte und zugleich letzte Song konnte durch sägende Gitarren und ziemlich hartes Riffing überzeugen. COLLAPSE7 überzogen lediglich fünf Minuten und bedankten sich artig beim Publikum.

Danach stand mit EISREGEN der eigentliche Headliner im Programm. Kein Wunder, denn ca. 50 Prozent der anwesenden Metalheads waren mit EISREGEN Shirts ausgestattet und so kam es, dass das Planet zu diesem Zeitpunkt ziemlich voll gefüllt war. Beim Soundcheck wurde mindestens drei Mal der Song „Blutgeil“ vom neuen Album „Wundwasser“ angespielt und somit die Stimmung ordentlich angeheizt. Gegen halb zehn ging es dann los: Mit „Mein Eichensarg“ legten die Thüringer auch gleich mit einem ihrer neuen Songs los. Doch spätestens nach dem zweiten Track „Krebskolonie“ (welcher in Deutschland auf dem Index steht) war die Meute nicht mehr zu halten. Es bildete sich ein Moshpit und die Stimmung war am Kochen. EISREGEN spielten in der guten Stunde all ihre großen Hits, angefangen von „Deutschland in Flammen“, welches kurzerhand zu „Österreich in Flammen“ umfunktioniert wurde, über „13“ bis hin zu „Nachtgeburt“. Beim letzten Song war es ein Genuss den Bassisten zuzusehen, da dieser durch sein geniales Stage–Acting auffiel und phasenweise nur noch auf seinen Tieftöner wie verrückt einhämmerte. Doch auch Bursche Lenz musste nach eben diesem Song seine Gitarre wechseln, da ihm eine Saite zu Bruch ging. Das nenne ich Einsatz pur! Der Sound selbst war stellenweise etwas zu übertrieben laut – weniger ist halt manchmal mehr. Was mir noch auffiel waren die enormen Effekte am Gitarrensound. Des Weiteren wurden auch einige Tracks von ihrem neuen Album „Wundwasser“ zum Besten gegeben: neben den bereits erwähnten Titel „Mein Eichensarg“ kam man noch in den Genuss von „Am Glockenseil“, „Hinein ins Tränenmeer“, „Blutgeil“ und „Wundwasser“. Doch auch vom Debüt Album „Zerfall“ wurde „In der Grube“ und als einer der Zugaben „Herzblut“ gespielt. Die weiteren Zugaben lesen sich wie folgt: „Meine tote russische Freundin“ und zu guter Letzt „Thüringen“. Neben M. Roth, dem Bassisten, Gitarristen, Drummer und Keyboarder war auch eine Dame an der Violine anwesend, welche ihren Job beachtlich gut machte. Somit waren EISREGEN die heimlichen Headliner dieses Abends, da die Stimmung nicht mehr überboten werden konnte.

Kurz vor 23 Uhr standen endlich PUNGENT STENCH auf den Brettern. Zu diesem Zeitpunkt traten zwar schon einige Metalheads den Heimweg an, doch die Wiener ließen sich dadurch nicht beirren und legten einen Wahnsinnsgig hin! Nachdem ein Intro vom Band kam und ziemlich eindrucksvoll durch Lichtblitze die Stimmung angeheizt wurde, folgte eine kurze Drum-Einlage und danach setzten die Gitarre und der Bass ein. Dann stand dem Beginn der Show nichts mehr im Wege. Obwohl das Planet nicht mehr ganz so voll war tat dies der Stimmung überhaupt nichts. Im Gegenteil: Ich hab selten ein derart wildes Moshpit zu Augen bekommen. Die Fans feierten ihre Lieblingsband derart derb ab, dass sogar EISREGEN von solch einer moshenden Meute nur träumen können. Unglaublich, wie es PUNGENT STENCH schafften die Zuseher nach dem Gig von EISREGEN nochmals so sehr zu begeistern. Unter den Zuschauern befand sich auch ein altbekanntes Gesicht: Stefan Weber von der Wiener Kult–Band DRAHDIWABERL lies sich diesen Abend nicht entgehen. Auf jeden Fall kam die Mischung aus harten Death Metal Klängen gepaart mit Rock `n Roll Einflüssen und wirklich derben Blastbeat Attacken beim Publikum sehr gut an. Mir blieb der Mund offen stehen, als ich den neuen Bassisten Fabio Testi und PUNGENT Urgestein Martin Schirenc bei ihrer Arbeit beobachtete. Was diese Jungs technisch drauf haben ist der absolute Wahnsinn! Ich habe selten solch virtuose Musiker live gesehen und muss zugeben, dass ihr Kultstatus absolut gerechtfertigt ist. Vor allem deswegen, weil die Combo einen Querschnitt ihrer besten Songs präsentierte.

Dieser Samstag war ein gelungener Metal Abend, welcher nicht nur mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Bleibt zu hoffen, dass wir in Zukunft noch einige Abende dieser Klasse erleben dürfen.




Gunther
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Beitrag vom 16.11.2004
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