ROCK IM SIXPACK - PEKARI   KRAUTSCHÄDL    RED   SIEGALL   DAYZERO   AKUSMA    MASONIC FUNERAL   VIPERA      
09.10.2004 @ Alter Schl8hof

Aufgrund des richtiggehend phänomenalen Erfolges bei der Erstauflage im Vorjahr sowie der Tatsache, dass sich immer mehr Bands in den im Kellertrakt des altehrwürdigen Schl8hof-Areals angesiedelten Proberäumen tummeln, die natürlich ihr Interesse an Gigs im Schl8hof bekundeten, wurde das kleine aber feine Festival von Werner Bauer und Co. etwa ein Jahr nach dem ersten Happening wieder ausgerichtet.

Aus persönlichen Gründen war es mir nicht vergönnt, die Shows der ersten drei Gruppen vor Ort mitzuverfolgen. Die folgenden Zeilen speisen sich also aus Informationen, die mir von Anwesenden dankenswerterweise übermittelt wurden.

Als Opener agierten VIPERA, die an diesem Abend ihre Livepremiere zelebrieren durften. Gänzlich ohne Liveerfahrung sind die Mitglieder dieser Welser Formation aber beileibe nicht, denn ein Großteil durfte schon bei der vor einigen Monaten aufgelösten Welser New Metal-Kombo SPIT erste musikalische Gehversuche unternehmen, die sich in ihrer Endphase eben in die Richtung entwickelten, die VIPERA jetzt weiterverfolgen. Die um den Sänger Roland aus St. Martin/Traun sowie den Welser Drummer Michael Schmollmüller komplettierte Band steht jedenfalls für kompromisslos rohen Thrash Metal, und Stücke wie "Lack Of Moral" oder "No Way" wurden von Publikum mit Wohlwollen aufgenommen.

Es folgten MASONIC FUNERAL, die sich aus ehemaligen Mitgliedern längst verblichener Welser Bands wie u.a. MISJUDGE (Gitarrist Max Mayr), PRISON 46 (Sänger Fatih Özköseoglu) zusammensetzen, aber auch DAYZERO-Basser Horny hat bei dieser Formation ein zweites Betätigungsfeld vorgefunden. Stilistisch präsentieren die Jungs ihre ureigene Auffassung von New School-Hardcore - und die lebhafte Darbietung wurde trotz anfänglicher Nervösität der Akteure vom Publikum bestens angenommen. Neben Eigenkompositionen wie "Day By Day" wurde auch alten Helden Tribut gezollt (Coverversion von DESPARIRs "Stoneface").

AKUSMA durften schon im Vorjahr für Kontraste sorgen und der "Elektro-Avantgarde-Rock" (Eigendefintion) sollte auch an diesem Tag stilistisch gesehen gehörig aus der Reihe tanzen, denn allzu viele Vergleichsmöglichkeiten mit dem Sound der übrigen Bands taten sich wahrlich nicht auf. Ein Faktum, das aber nicht weiter stören sollte, denn solch eine Veranstaltung muss auch Platz für in höchstem Maße anspruchsvolle, improvisationsreiche und vor allem unorthodoxe Sounds wie von dieser Formation bieten, auch wenn solchartige Musik sich naturgemäß nicht als massenkompatibel erweist.

Danach waren DAYZERO an der Reihe, deren Performance auch ich miterleben konnte. Nach über 25 Shows im Jahre 2003 war mit der Trennung von Frontmann Güga gehörig Sand ins Getriebe des Bandmotors geraten, denn die Suche nach einem gleichwertigen Ersatz gestaltete sich weitaus schwieriger als vermutlich vorher angenommen: Nach langem Hin und Her und zahlreichen Auditions entschied man sich für die Dienste der jungen Vokalistin Martina, und nach einigen Proben stand diese an jenem Abend erstmals mit DAYZERO auf der Bühne. Neben dem Neuzugang hinter dem Mikro stellte die "Bio Metal"-Gruppe der Meute auch so manches neue Stück vor und man durfte sich über durchaus postive Resonanzen seitens der Audienz erfreuen. Allerdings ist noch ein wenig Handlungsbedarf gegeben, was die Ansagen der Frontfrau angeht, die sich zum Teil zu sehr in die Länge zogen und auch stellenweise in dieser Form unpassend erschienen. Aber: Dies ist freilich damit zu erklären, dass die Dame an diesem Tag erstmals überhaupt auf einer Bühne agierte und ihr logischerweise für eine gelungende Show noch essentielle Erfahrungswerte fehlen. Doch diese Probleme werden mit Sicherheit aus dem Weg geräumt werden können und DAYZERO wohl in Bälde wieder zu alter Form zurückfinden.

Als nächste Kombo enterten SIEGALL, die Band von Siegfried Loidl (v/g), der sich schon Anfang der 80er bei diversen Bands seine ersten musikalischen Sporen verdiente - und sich später nicht unerfolgreich als Liedermacher betätigte - die Bühne. Damals wie heute versucht Loidl, politische Texte von Literaten wie Ingeborg Bachmann ("Der Krieg wird nicht begonnen, sondern fortgesetzt.") oder Peter Feichtinger musikalisch adäquat umzusetzen. Unterstützung bekommt er bei diesem Unterfangen von versierten Musikern wie Werner Bauer am Bass oder EYE OF BETRAYER-Keyboarder Budi, der sich insofern als Allroundtalent auswies, indem er bei dieser Show auch seine Fähigkeiten als Gitarrist eindrucksvoll unter Beweis stellte. SIEGALL sind jedenfalls im Sektor des anspruchsvollen Funkrock heimisch; die leidenschaftlichen Gesangsparts können meines Erachtens zumindest phasenweise mit jenen der ebenfalls aus OÖ kommenden Gruppe "4 EXP. 2" verglichen werden. Definitiv eine absolut gekonnte Show mit entsprechender Message.

Als nächster Programmpunkt war eine weitere Premiere vorgesehen. Sebastian (v/g), Tibi (g) und Drummer Viktor (DELLA STREET) machen unter dem Banner RED gemeinsame Sache. Wer jetzt vorschnell an eine blutjunge, dilettantisch agierende Garagenband denkt, könnte falscher kaum liegen. Der Name RED steht nämlich vielmehr für hochprofessionellen, eingängigen Alternative Rock/Pop der Sonderklasse, der qualitativ wie stilistisch in eine ähnliche Richtung weist wie das INCORPORATED-Debut oder das musikalische Erscheinungsbild von INTER.FAKE.. Den meisten Stücken kann man mit Sicherheit ohne jeglichen Zweifel attestieren über das nötige Rüstzeug in kommerzieller Hinsicht zu verfügen, um bei Plattenfirmen sowie Radiostationen Eindruck zu schinden. Jedenfalls ein erstklassiger Einstand einer Band mit Riesenpotential!

Als vorletzte Gruppe dieses Abends durfte das Trio KRAUTSCHÄDL das Publikum in seinen Bann ziehen: Beim "Rock im Sixpack" Part 1 im Vorjahr war man quasi als gänzlich unbeschriebenes Blatt erstmals öffentlich aufgetreten und durfte sich sogleich über überraschend euphorische Reaktionen erfreuen. Ein Jahr später hat sich die Band längst etabliert und dank so mancher Show in ihrer Heimatstadt auch eine treue Fangemeinde auf ihrer Seite. Der "Kraut-Rock" der Jungs, der als sagenhafte Mischung aus Funk- und Deutschrock-Zutaten mit Reggae-Anleihen kategorisiert werden könnte, entwickelt gerade bei Liveshows eine mitreißende Dynamik, die Anwesende, sofern solcher Musik überhaupt aufgeschlossen, rasch zu entsprechenden Feedback verleitet. So auch an diesem Tag, an dem die Band neben Songs ihrer empfehlenswerten Demo-CD (u.a. "Zeit Zum Denga"; "Sandlerstah") auch neuen Stoff ("Schneemann") sowie ihre ureigene Version des Pinocchio-Titelsongs (!) zum Besten gab. Eines steht jedenfalls fest: Wenn die Band ihren Weg in bewährter Manier weitergeht und ihren Stil Schritt für Schritt verfeinert, kann man ihr jedenfalls prognostizieren früher oder später durchschlagende Erfolge ernten zu können.

Als letzte Formation des Abends waren PEKARI engagiert worden. Das Flaggschiff des progressiven, brutalen Death Metals gehört zwar schon seit geraumer Zeit der Vergangenheit an, wird aber hin und wieder von den vier Bandmembers wieder flott gemacht, um den Fans ein gehöriges Death Metal-Inferno zu bescheren. Die Gruppe um die beiden EYE OF BETRAYER-Mitstreiter Oliver (v.) und Clemens (dr.) sowie Gitarrist Sux und Basser Werner Bauer konnte jedenfalls mit komplexen Härteorgien wie "The Mask" oder "Guts Pave My Way" beim headbangwilligen Volk voll punkten, auch wenn der Sound durchaus optimaler ausfallen hätte können.

Fazit: Auch die 2004er Version von "Rock im Sixpack" kann ob eines außerordentlich großen Fanaufkommens als voller Erfolg verbucht werden. Das Niveau, auf dem sich viele der Gruppen bewegen, sowie die Tatsache, dass die Stilgrenzen offenbar nicht (mehr) ganz so bierernst genommen werden, so dass eine Alternative Rock-Kombo wie RED gemeinsam mit einer dem ungestümen Todesmetall zugewandten Band wie PEKARI bei ein- und demselben Fest auftreten kann, stimmt einen zuversichtlich, was die Zukunft der heimischen Szene angeht.


Hutti
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Beitrag vom 19.11.2004
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