DISMEMBER   ANATA   PSYCROPTIC   SOUL DEMISE   GODDAMNED X   
14.11.2004 @ Viper Room

GODDAMNED X stellten beim Wien-Stopp dieser Tour den Local Support und mussten ob der frühen Stunde - der Beginn war für sieben Uhr abends angesetzt - vor einem relativ kleinen Publikum spielen. Die vier waren sichtlich vom Zechen am vergangenen Wochenende gezeichnet, nichtsdestotrotz prostete Frontman Helmut gleich mal allen zu, die nach dem vergangenen Samstagabend bereits wieder in der Lage waren, Alkohol zu konsumieren. Mit einem absolut brauchbaren Sound ausgestattet machte aber der Einstand an diesem Abend auch so Spaß, wenngleich sich die Halle erst füllen und so mancher trinktechnisch in die Gänge kommen musste. GODDAMNED X legten sich ordentlich ins Zeug und kamen schnell eben in die Gänge und spielten neben den Songs ihres Demos (Review hier) auch einen neuen Song, dessen Name mir leider nicht im Gedächtnis geblieben ist, sowie einen Song namens "Kashmere Boogie", der bereits vormals live vorgestellt worden war. Was rasch auffiel war, dass das Material, das recht old schoolig ist, durch eingängige Riffs und livetaugliche Strukturen wie für die Bühne geschaffen ist. Dass sich kaum jemand im Publikum, das immerhin stetig wuchs, fand der mitging, mag jetzt am katergeplagten Sonntagabend oder der Openerrolle liegen - ein guter Anfang war es auf jeden Fall. Bleibt zu hoffen, dass die Band nächsten Samstag, wenn man sich als Support von DISSECTION nochmals die Ehre gibt, nicht verkatert ist und ebenso das leider gecancelte W.A.S.P.-Cover nicht auslässt. (Gore)

SOUL DEMISE waren offenbar als Ersatz für SANATORIUM eingesprungen, statt Grunze-Death aus der Slowakei gab also melodischen Schwedentod aus Deutschland. Eigentlich nicht schlecht, was da geliefert wurde, nicht wahnsinnig originell vielleicht, doch durchaus stilvoll. Aber könnte dem Sänger jemand ein, zwei Valium geben? Der stolze Träger eines Karamalz-Shirts war jedenfalls nicht zu bremsen und verrenkte sich, bedenklich zuckend, auf die seltsamsten Weisen. Na ja, auch so kann man einer Band Charakter verleihen. SOUL DEMISE werden den meisten wohl als "die Band mit dem komischen Sänger" in Erinnerung bleiben. Davon abgesehen aber ein solider Auftritt. (Marian)
[Also ich hatte im Vofeld gehört, dass SOUL DEMISE eine 1:1-AT THE GATES-Kopie seien; der Vergleich bestätigte sich live. Der Sound war genauso wie zuvor recht brauchbar, dazu kam nur, dass die Deutschen scheinbar nicht unter den Nachwehen des Vorabends litten und nebst eben einem heftigen AT THE GATES-Brett, ordentliches Synchronbangen inklusive, sich mehr bewegen konnten, da man nicht den Wiederhall jedes Schritts auf der Bühne im dröhnenden Kopf spürte... :) Fazit: absolut nix Neues, aber das recht gut - Gore]

Dann hieß es Bühn(chen) frei für ANATA. Technisch sind diese Todesjünger absolut überzeugend: massig knackige Blast-Beats wurde geboten, "stupides Geknüppel" kann den Schweden aber keineswegs vorgeworfen werden, gab es doch auch genügend melodischere Passagen, bei denen sie einiges an Spielgefühl beweisen konnten. Ein Quäntchen mehr Einzigartigkeit wäre bei dieser ansonsten beachtenswerten Death-Kapelle aber vielleicht noch herauszuholen. Das Publikum zumindest blieb, trotz viel anerkennendem Applaus, ganz schön starr. Oder ob es eher an der sonntäglichen Müdigkeit nach einer Woche mit einem Übermaß an Konzerten lag (SAMAEL, PUNGENT STENCH, SATANIC SLAUGHTER, NASUM, uvm.)? Oder ob ANATA den wegen DISMEMBER anwesenden Leuten zu stark in Richtung Tech-Death gingen? Die Band hätte auf jeden Fall mehr Anerkennung verdient, obwohl sie selbst ebenfalls nicht übermäßig motiviert wirkte: langes, stummes Herumstehen zwischen den Stücken, und die Erklärung, wer sie überhaupt seien, kam auch erst nach der Hälfte der Show. (Marian)

Die Exoten des Packages, die Australier PSYCROPTIC, boten mit ihrem im Hare-Krishna-Look gestylten Sänger (soll laut Homepage nur ein Ersatzmann sein) wieder was für das verwunderte Auge. Das war aber schon alles an Show, wozu sie sich herabließen. ANATA an Steifheit noch überbietend, schauten PSYCROPTIC gar kaum einmal ins Publikum, insofern dürften sie es auch nur am Rande mitbekommen haben, dass die Anwesenden wieder ziemlich zurückhaltend waren. Was PSYCROPTIC in ihrer Introvertiertheit aber an den Instrumenten anstellten, das war wiederum sehr fein! Ordentlich technischer Ami-Death, teilweise mit ziemlich freakigen Melodien und Breaks versehen, die der Band ihren ganz eigenen Charme gaben. Zumindest mein Death Metal-Herz lachte da. Der Sound spielte schließlich auch mit, was bei solchen technischen Spielereien ziemlich essentiell ist. Nur die Stimmung, leider, leider... Was hatten die bloß am Samstag in Graz angestellt? (Marian)

Nach dem vorhergehenden Gefrickel und der stimmungsmäßigen Flaute war es also an der Zeit, es kräftig im Karton rappeln zu lassen. DISMEMBER fanden daher als ehrliche Vertreter unverfälschten old schooligen Death Metals ein dankbares Publikum. Die Songauswahl ließ das todmetallische Herz höher schlagen und bot alles, was auf der kürzlich veröffentlichten DVD fehlt. Von den Anfängen wie „Skin Her Alive“ oder „Override The Overture“, über Klassiker wie „Dreaming In Red“, „Skinfather“ und „Casket Garden“ bis zu neueren Krachern wie „Of Fire“, „Hate Campaign“ und „Tragedy Of The Faithful“ wurden keine Schaffensperiode und kein Hit ausgelassen. Die knapp 130 Anwesenden waren sichtlich zufrieden und so wurde gebangt was das Zeug hielt. Die Band strahlte eine Spielfreude aus, wie man sie normal nur bei verhältnismäßig jungen Bands sieht – und irgendwie fühlte ich mich echt in etwa ins Jahr 1995 zurück versetzt, als die Schweden gerade mit damals neuen Songs wie „Casket Garden“ im Gepäck in Wien halt machten. Die Stimmung war in etwa genauso nahe dem Siedepunkt so wie in „der guten alten Zeit“, als auf Death Metal-Konzerten noch ordentlich die Party abging und nicht nur die „Jazzpolizei“ mit verschränkten Armen dastehend kritisch das Bühnengeschehen beobachtete.
Lange Rede, kurzer Sinn: wer nicht dort war, hat definitiv eines der Konzerte des Jahres versäumt, denn DISMEMBER haben bewiesen, dass sie ihren Status in der Szene nicht umsonst haben, auch wenn vielleicht neuere Abspaltungen wie Brutal Death und Co momentan angesagter sind, als das was die fünf Schweden machen... Basta. (Gore)


Gore
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Beitrag vom 20.11.2004
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