ALL FREAKS TOUR 2004 - PINK AS A PANTHER   CENTAO   MISBEGOTTEN    KAMINARI      
31.10.2004 @ Posthof

Um jungen, mit dem nötigen Talent gesegneten Bands, die nach Höheren streben, möglichst erfolgreich und professionell unter die Arme zu greifen, hat die renommierte deutsche Promotion- und Artist Development-Agentur Brainstorm Music einen Sampler mit dem Titel "All Freaks" produziert, worauf sich unzählige, mit Sicherheit vielversprechend klingende Beiträge von derzeit (noch) tief im Underground verwurzelten Combos verschiedenster Stilrichtungen wiederfinden. Um dieses Projekt und somit auch die dafür auserkorenen Gruppen entsprechend zu promoten, wurde kurzerhand eine Tour zusammengestellt, und so durften an diesem Sonntagabend vier auf erwähnter Compilation vertretene Formationen im kleinen Saal des Linzer Posthofes um die Gunst der Audienz buhlen.

Die Musik des Openers, KAMINARI (=das japanische Wort für Gewitter) aus Süddeutschland, richtet sich jedenfalls vorwiegend an Liebhaber traditionsbewußter Metal-Kost, denn die Süddeutschen haben sich mit Haut und Haaren dem True Metal/Heavy Rock der alten Schule (NWOBHM-Epoche etc.) verschrieben. Als bisherige Konzerthighlights kann auf Gigs im Vorprogramm von Genregrößen wie BONFIRE oder CHINCHILLA verwiesen werden, lediglich in Österreich waren KAMINARI bisher noch nie zu bewundern gewesen.
Formiert hat sich die Band übrigens im Sommer 2001, und im Juli des heurigen Jahres konnte ein Plattenvertrag bei Prevision Music/Twilight unter Dach und Fach gebracht werden. Und: Bereits im darauffolgenden September erschien mit "Faraday's Daydream" auch schon das Einstandswerk dieser Combo. Durchaus positive Resonazen der Metaljournaille waren die Folge. Der ausführende Produzent des Debuts, Achim Köhler, saß bereits für Bands wie PRIMAL FEAR oder auch SINNER hinter den Reglern, und mit eben genannten Gruppen verbindet KAMINARI auf stilistischer Ebene so manches: Kräftiger, durchaus authentischer und bewusst klischeebeladenen True Metal/Heavy Rock. Diesen Slogan könnten sich die Deutschen auf die Flagge schreiben, und zu ihrem Motto erklären. Jedenfalls pendeln sich Stücke wie "Guardian Angel" durchaus auf einem ansprechenden Niveau ein, was auch auf die Performance selbst zutrifft, die sogar mit einem kurzen Mitsingspielchen aufgelockert wurde. Zwar läutet man mit solchgearteter Musik heutzutage sicherlich keine bahnbrechende Genrerevolution mehr ein, aber solch gut arrangierter sowie ehrlich zelebrierter, bodenständiger Heavy Metal/Rock in Reinkultur wird auch heute noch honoriert.
Leider war es nur einer Handvoll Auserwählter vergönnt, diese Show mitzuerleben, danach sollte sich der kleine Saal des Posthofs aber fast bis zur Gänze füllen.

Danach enterten MISBEGOTTEN die Bühne: Die Salzburger gehören in ihrer Heimat längst zu den Szene-Urgesteinen schlechthin, denn bereits seit Mai des Jahres 1993 beschallt die Band aus Bürmoos mehr oder minder erfolgreich heimische Venues mit rauen Hardcore-Klängen. Von der besonders bei Livegigs entfachten Energie sowie der ansteckenden Ungestümheit, welche die Band schon zu ihren Anfangstagen auszeichnete, haben sie auch anno 2004 nichts eingebüßt. Im Gegenteil: "Things I`m Living for" oder "Mr. Xenophobia" (Beide vom aktuellen Werk "Join The MBG" (2003), walzen gnadenlos über jedes Hindernis, weisen aber auch gefühlvolle, bewusst melodisch gehaltene Elemente auf, die der nötige Abwechslung beim Konsum natürlich dienlich sind. MISBEGOTTEN zählen augenscheinlich noch lange nicht zum alten Eisen, dementsprechend vital und mitreißend-leidenschaftlich fiel auch das Stageacting aus. Beim Stück "Drum Song" durften mehrere Bandmitglieder gleichzeitig auf Trommeln einschlagen, was freilich Erinnerungen an SEPULTURA zu "Roots"-Zeiten ("Ratamahatta")wachrief, ehe man sich mit dem (für MISBEGOTTEN-Verhältnisse) eher ruhig gehaltenen "I Want To Believe") verabschiedete.

Nach einem bewegten Jahr, in dem zwei Mitglieder der Band den Rücken gekehrt hatten, meldeten sich CENTAO Anfang Juli mittels einer ausgezeichneten Performance aufs Eindrucksvollste mit neuer Besetzung zurück. Und genau an diese Show gedachte man rund vier Monate später offenbar anzuknüpfen, was auch bestens gelang: Der "Motion Rock" (Eigendefinition) der Gruppe stieß bei einem Gutteil des Publikums jedenfalls auf absolutes Wohlgefallen. Das Quartett tischte den Fans eine gut ausgewogene Mixtur aus neueren Nummern ("I Want To Run"; "No One Knows" usw.)und altebekanntem Material ("Sorry"; "Defend" usw.)auf, und auch sonst konnte man mit allen wesentlichen Bausteinen aufwarten, die zum Aufbau einer "zünftigen" Rockshow vonnöten sind: Schließlich hat man in den vergangenen Jahren mehr als genügend Live-Erfahrungen sammeln dürfen, und das Engagement und die damit verbundene Ausbildung des Frontmanns Matthias Dietinger beim lokalen Radiosender LIFE RADIO wirkt(e) sich selbstverständlich denkbar positiv auf dessen Zwischenansagen aus.

Last but not least durfte mit PINK AS A PANTHER auch eine Combo aus der Stahlstand ihre musikalische Interpretation, wie Rock`n`Roll im neuen Jahrtausend zu klingen hat, wiedergeben: Mit dunklen Sonnenbrillen, und locker-legerer Sommerkleidung ausgestattet, gaben sich die Jungs dem hemmunglosen Posing hin, und ein ausrangierter Schisprungschi (?) wurde als Mikroständer zweckentfremdet. Der Name der bereits seit 1998 agierenden Band bürgt auf alle Fälle für treibend-leidenschaftichen, modernen Rock and Roll, gewürzt mit einer ordentlichen Brise Stoner Rock. Stücke wie "Roosterbooster" sorgen jedenfalls für das urtypische Rock`n`Roll-Feeling, ohne jedoch verstaubt oder aufgesetzt zu erscheinen. PINK AS A PANTHER können mittlerweile nicht ohne Stolz auf Gigs in Deutschland, Frankreich oder Italien zurückblicken, und auch hier gilt: Bei entsprechend konsequenter Weiterentwicklung ihres Sound sowie den hier nicht näher genannten weiteren Faktoren (Glück..) auch PINK AS A PANTHER auf der Karriereleiter ein gehöriger Sprung nach oben gelingen.


Hutti
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Beitrag vom 01.12.2004
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