RAGE   DEADSOUL TRIBE   MANIAC SAINT   
22.11.2004 @ Planet Music

Ebenso kurzfirstig wie dieses Konzert angesetzt wurde, fand ich mich als für Earshot Anwesender ein und bekam daher den Auftritt der Opener MANIAC SAINT nicht zur Gänze mit. Ich hatte die Band bisher einmal auf dem Donauinselfest, sowie bei einem anderen Konzert im Planet Music gesehen und hatte sie als eher weniger berauschende Rock/Soft Metal-Combo in Erinnerung. Umso überraschter war ich, als mein Eindruck durch das, was ich dann schlussendlich vom Auftritt der Wiener gesehen habe, Lügen gestraft wurde. Die Band wirkte durchaus agil und auch das Songmaterial wusste zu gefallen. Fragt sich, ob MANIAC SAINT einfach besser drauf waren, oder ob sich seit den letzten beiden Malen etwas getan hat und die Burschen besser geworden sind. Genug aber der leeren Worte. Da ich mit dem Songmaterial der Burschen nicht vertraut bin, kann ich über die Songauswahl leider nicht viel sagen. Was aber auch ohne die Songs zu kennen auffiel, war dass die Darbietung tight war und MANIAC SAINT genau die Art von Musik spielen, mit der es möglich ist, auch im Planet Music einen guten Sound zu haben. In eben diesem Soundgewand waren die Songs auch für Leute wie mich, die mit ihnen noch keine Bekanntschaft geschlossen hatten, zugänglich. Bejubelt wurde der Auftritt von einigen Fans, und ich muss sagen, nicht nur denen hat´s gefallen - thumbs up!

DEADSOUL TRIBE, die bekanntlich im Wiener Raum wohnhaft sind, hatten auf dieser Tour ein Gastspiel in der Heimat. Der Beginn der Show verzögerte sich jedoch um einige Minütchen, da der Gitarrenverstärker von Frontman Devon Graves partout nicht Laut geben wollte. Nach einigem Hin und Her und einem erstaunlich cool bleibenden Mr. Graves sollte der Gig doch noch einen Anfang finden. Mit „The Messenger“ stieg man mit einem Song vom Zweitwerk „A Murder Of Crows“ ins Set ein, um sich anschließend neuem Material zu widmnen, welches auf der CD-Präsentation im Wiener Chelsea bereits Livetauglichkeit bewiesen hatte. Gab es auf Tonträger noch den einen oder anderen Zweifel, so zeigten die neuen Songs live ihr wahres ich und nahmen nicht nur mich im musikalischen Wechselbad der Gefühle gefangen. Klingt schwülstig, war es nicht, nein – nur, wer die Band einmal live gesehen hat, vermag es nachzuvollziehen, von welcher hypnotischen Art die Stimmung ist, die die Musik von DEADSOUL TRIBE live erzeugt. So hatte mich die Band bei ihrem kurzfristig als Ersatz für ARCH ENEMY angesetzten Gig mit NEVERMORE vorigen Herbst überzeugen können, ohne dass ich mit dem Material vertraut gewesen wäre und ich muss sagen, dass das selten vorkommt.
Vom neuen Album gab es in der Folge den schweren, stellenweise an KYUSS erinnerden Opener „Spiders And Flies“, „The Love Of Hate“ und beispielsweise „The Coldest Days Of Winter“. Dem Jubel, der nach jedem Lied losbrach – und die vier hatten ihn echt verdient – kommentierte Meister Graves, der sich stets in verhaltenen Ansagen übt, die nicht im geringsten Rockstar-like sind, mit den Worten „Feels good to be home!“. Als die Doppelnummer „Stone By Stone“ und „The Awakening“, die getrost als Bandhymne bezeichnet werden kann, angestimmt wurde, dürften auch die letzten Zweifelnden im Saal restlos begeistert gewesen sein. Ob ein Song vom Debut zum Besten gegeben wurde, kann ich mich nicht mehr entsinnen, jedoch gab es als Draufgabe noch einen alten PSYCHOTIC WALTZ-Song. Bleibt nur mehr folgendes zu sagen: wer diese Band immer noch nicht live gesehen hat und auf emotionsgeladene, zeitgemäße und abwechslungsreiche Rockmusik steht, hat dies bei der nächsten Gelegenheit nachzuholen.

Die Deutschen RAGE sind nun echt schon zwanzig Jahre dabei. Diese Tatsache wurde nun mit diesem echt fetten Konzert ordentlich zelebriert. Denkt man an teutonischen Metal, so fallen in erster Linie Namen wie HELLOWEEN, GRAVE DIGGER und GAMMA RAY, wenn man an die Acts denkt, die es seit den 80ern gibt, den Thrash Bereich mal ausgeklammert. In den 90ern kamen wohl noch BLIND GUARDIAN und EDGUY dazu, RAGE könnte man übersehen, da sie sich im medialen Rummel nicht unbedingt nach vorne drängen und trotzdem laufend Qualitätsware abliefern. Der Lohn dafür zeigte sich in der Tatsache, dass obwohl das Konzert extrem kurzfristig und ich meine damit einen Zeitraum von etwa zwei Wochen angesetzt und dementsprechend minimal beworben worden war, sich meiner Information nach doch 350 Zahlende eingefunden hatten.
Mit einem Intro, das selbst MANOWAR gerecht geworden wäre, stürmten Peavy Wagner, Viktor Smolski und Mike Terrana die Bühne, um den Anwesenden zu zeigen wozu drei Musiker im Stande sind. Ich meine damit ganz einfach, dass viele Bands mit mehreren Gitarren und zusätzlichem Keyboarder weit weniger zusammenbringen. Quantität zählt eben nicht immer. Die Aufgabe, dem ansehnlichen Backkatalog der Band gerecht zu werden, wurde gut gemeistert und im Grund genommen war es vollkommen egal, welches Lied die Band anstimmte, denn es wurde aus zig Kehlen mitgesungen. Lediglich das angekündigte 20-minütige Akustik-Set wurde auf einen Song in Akustikversion beschränkt; wie auch immer... Von neuen Krachern wie „War Of Worlds“, „Soundchaser“ und „Unity“, welches zu den furiosest dargebotenen Stücken gehörte, gab es über „From The Cradle To The Grave“ bis zu „Black In Mind“, „Firestorm“ oder „Higher Than The Sky“, welches auch nach Ende des Songs noch minutenlang weitergesungen wurde, wohl kaum einen Hit, der ausgelassen wurde. Die Setlist entsprach im Großen und Ganzen der der neu erschienen Anniversary-DVD. Besondere Highlights stellten, wie zu erwarten, auch die Soli der Herren Terrana und Smolski dar. Das Showdrumming von Mike Terrana ist nicht nur vom unterhaltungstechnischen Aspekt her sehenswert, denn was der Gute aus seinem Kit herausholt, zeigt, dass er zu den großen Könnern seines Instruments gehört. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für Viktor Smolski, der wohl weniger auf Show unterwegs ist, dafür umso mehr als Personalunion von John Petrucci und Yngwie Malmsteen alle Register zu ziehen vermag. Die Sangesleistung von Fronter Peavy soll aber ebenso nicht außer Acht gelassen werden, da auch hier alles genau gepasst hat. Das gilt übrigens auch für Sound und Licht, die ebenso 1A waren. Erwähnenswert ist auch noch die Veränderung, die der gute Peavy in letzten Jahren optisch und zwar nicht nur in Sachen Haupthaar durchlaufen haben dürfte – ich erinnere mich da noch an Stirnband und Rüschenhemd, welches nun gegen ein Hockeyshirt getauscht wurde, welches die bullige Erscheinung des Fronters mehr einer ghettotauglichen Band aus Brooklyn nähergebracht hat, als … naja .. ihr wisst, worauf ich hinaus möchte und genau darum schließe ich an dieser Stelle.
Kurz und gut: ein geniales Konzert, bei dem jeder selbst Schuld ist, der es versäumt – der Meinung ist übrigens auch Herr Wagner, der auf der Bandhomepage alle Konzerte der Tour kommentiert…


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Gore
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Beitrag vom 11.12.2004
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