NIGHTWISH   OOMPH!   TIAMAT   APOPTYGMA BERZERK   ANGELZOOM   SECRET DISCOVERY  
29.12.2004 @ Friedrichshafen - Messehalle

Heavy Metal und Massentauglichkeit schlossen sich vor einem Jahrzehnt noch aus. Die Uhren in diesem Genre tickten noch anders. Je härter und böser, desto besser, war bei vielen Bands die Devise. Seit dem Einzug der klassischen Elemente hat diese Musik viele neue Freunde gefunden und zieht die Menschen in die Hallen. Aus dem einst ungeliebten Krach wurde geliebte Harmonie – wie sie NIGHTWISH in der Friedrichshafener Messehalle beim Festival „On A Dark Winter’s Night“ vor etwa 4000 Fans zelebrierte.
Die geliebte Harmonie ist aber ein zweischneidiges Schwert. Zu nah ist der Vergleich zur aufgedrängten, kommerzorientierten Musik. Diesen Vorwurf müssen sich einige Bands machen lassen. Egal ob BLIND GUARDIAN, DIMMU BORGIR, neuerdings WITHIN TEMPTATION oder PARADISE LOST. Wenn in ihren Schaffensperioden auch von „Weiterentwicklung“ die Rede ist, klingt es für viele eher als Aufweichung der musikalischen Wurzeln zugunsten einer breiteren Hörerschicht.

Auch bei NIGHTWISH lässt sich diese Tendenz erkennen, wenn auch schwach. Denn die Band war mit ihrer ausgebildeten Opernsängerin Tarja Turunen am Mikrofon von Anfang an auf die klassischen, also weichen Elemente ausgelegt. Wobei sich für das Debüt „Angels Fall First“ wenige Menschen interessierten, was an den noch härteren Klängen lag. Seit „Oceanborn“, also 1998, stieg das Interesse stetig. Dennoch: Auch NIGHTWISH hat sich quasi schleichend zugunsten der Verkaufszahlen harmonischeren, einfacheren und damit kommerzielleren Liedern hingegeben. Das belegen auch die Verkaufszahlen. In Friedrichshafen erhielten die Finnen Platin überreicht für 200000 verkaufte Alben von „Once“ des Albums, dessen Lieder live aber Lücken haben. Zu sehr sind sie auf die Melodiosität ausgelegt, auf das genaue Passspiel der Instrumentalisten. Die verstehen ihr Handwerk zwar weitgehend. Es fehlt aber der Druck, die düstere Atmosphäre, oder aber auch die schöne Tristesse, die noch Songs der älteren Scheiben versprühen. Diese Band ist geschaffen für die einfachen Riffs, für den simplen Liedaufbau. Denn NIGHTWISH lebt von der eigentlich grandiosen Stimme Tarja Turunens.
Es war nicht ganz ihr Tag, es war mit Sicherheit nicht der beste Auftritt von NIGHTWISH. Die Töne saßen oft daneben, die Gitarren kamen breiig aus den Boxen. Verzeihbar nach einer langen Zeit des Tourens.

Die Schweden von TIAMAT taten sich da schon leichter. Es war ein erstklassiger Gig dieser exzellenten Band, die in Friedrichshafen mit Sicherheit eine zu geringe Wertschätzung erhielt. TIAMAT gehören zum Urgestein einer Musikbewegung. Diese Truppe um Ausnahmemusiker Johan Edlund war seinerzeit Mit-Wegbereiter des Gothic Metal und verstand es, diese Zeit in die Messehalle zu transportieren. Seit „Summerian Cry“ hat TIAMAT eine Metamorphose vom eigentlichen Death
Metal zum heute tanzbaren Gothic Metal durchgemacht. Legendär bleibt
die Scheibe „Wildhoney“, auf deren Lieder das Publikum nur wartete.
Wenn nicht ganz so hart wie damals, aber auf den Punkt gespielt in einer
graziösen Leichtigkeit zelebrieren Edlund und seine Mannen diesen feinen
elegischen Stil.

Eher von der rauen Seite präsentierten sich OOMPH!. 15 Jahre musste die Band auf ihren Erfolg warten. Hören wollten die Fans vor der Bühne eigentlich nur „Augen Auf“. Sänger Dero, wie seine Kollegen in weißen Medizinergewänder gekleidet, spielte dahingehend mit dem Publikum, ließ es bis zum Ende zappeln. Diese Truppe überrascht durch Agilität und hinterließ einen äußert positiven Eindruck was das Musikalische und die Show betrifft. OOMPH! zeigten sich mehr als agil auf der Bühne und wussten zu gefallen.

Mühe hatten eher APOPTYGMA BERZERK, das Publikum gänzlich zu überzeugen. Was angesichts ihrer Techno-Gothic-Mischung nicht verwunderte. Ein Geheimtipp war AFTER FOREVER, die phasenweise an die alten THEATRE OF TRAGEDY erinnerten. Diese Band mit weiblich-zierlichem und männlich-grölendem Gesang wird noch viel von sich hören lassen. Zwar nicht auf breiter Ebene wie NIGHTWISH, dafür in ihrer Hörerschicht.


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Philipp
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Beitrag vom 10.01.2005
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