LIQUID PUS   INFESTIGATION    THE PLAGUE STUDY CONTINUUM   BLOODFEAST    REANIMA   
05.01.2005 @ Viper Room

Dass mit FLESHLESS gleich die Headliner abgesagt hatten war nicht das beste Omen für den zweiten Teil des VIENNA BLOODFEST. Trotzdem war das Monastery vom Einlass um halb acht an bestens gefüllt. Die Opener kämpften noch mit dem störrischen Sound, der zu diesem Zeitpunkt nicht eben vielversprechend klang, die Motivation im Publikum war trotzdem hoch.

Pünktlich gingen REANIMA dann ans offizielle Werk und beschickten die schon in ordentlicher Zahl versammelte Menge mit ihrem modernen Thrash, beziehungsweise Hardcore-Thrash. Die kurzhaarigen Jungs standen vor der Bühne, anfangs mit dem Rücken zum Publikum, dann erschreckten sie die noch kaum erwachten Zuschauer mit spontanen Rempelattacken. Dafür bekamen sie auch ein paar Headbanger in Schwung, worüber sich eine erste Band schon freuen darf… Und die Musik? Nicht besonders ausgereift, dafür aber sehr abwechslungsreich: Thrashig, hardcore-ig, gindcor-ig (besonders wegen der Kreisch- Grunz Wechsel). Die clean vorgetragenen Teile gingen mir aber dann doch etwas zu sehr in Richtung Nu-Metal.

Die Black-Deather BLOODFEAST standen an diesem Abend irgendwie ziemlich neben sich – möglich, dass ihnen Soundprobleme einen Strich durch die Rechnung machten. Auf jeden Fall passte es zumindest beim Schlagzeug schon überhaupt nicht, total übertriggert und im permanenten Widerstreit zur Gitarrenarbeit der restlichen zwei BLOODFEASTlern. Der Bassist war nämlich erst gar nicht da, sondern in Marokko, wie der Frontman verkündete. Dieser trug ein äußerst sexy Netztop und hüllte sich in einen Mantel aus Arroganz und „Ich-scheiß-eh-auf-alls“-Humor. Abgesehen von dessen geradezu bizarren Sprüchen, der ansehnlich aggressiven Stimme und einigen netten Gitarrenteilen war aber nicht viel Erbauliches zu finden, das Publikum jedenfalls war bald weg. Kein sehr guter Auftritt für BLOODFEAST, der ihnen eigene Humor dürfte sie aber darüber hinwegtrösten.

THE PLAGUE STUDY CONTINUUM fanden da schon wieder mehr Zuspruch. Als Death Metal bezeichnen sich die stolzen Träger eines kaum aussprechbaren Namens, und den spielten sie auch definitiv. Alles in allem fand ich das Dargebotene aber etwas Herz- und eierlos, ohne Nervenkitzel und wirkliche Höhepunkte. Der Sänger grunzte immerzu in derselben Tonlage vor sich hin, die Nummern klangen alle recht ähnlich… der Korrektheit halber muss ich sagen, dass ich nicht den ganzen Auftritt gesehen habe. Dass THE PLAGUE STUDY CONTINUUM noch – wie ich hörte – eine Zugabe spielen durften, spricht dafür, dass andere doch mehr damit anfangen konnten.

INFESTIGATION waren dafür eine spannende Angelegenheit: Recht technischer, brutaler Death, der trotz nach wie vor nicht optimalen Soundverhältnissen geballt und kräftig daher kam. Zwar waren die dargebotenen Nummern aufgrund ihrer eher überdurchschnittlichen Länge und technischen Ausrichtung nicht immer leicht verdaulich, aber INFESTIGATION haben definitiv das Zeug dazu, den Leuten mit schnellen, brutalen und auch originellen Riffs in die Fresse zu hauen. Die technischen Fähigkeiten der Band wussten ebenfalls zu beeindrucken, außerdem waren INFESTIGATION bei diesem Auftritt erstmals um einen fähigen zweiten Gitarristen verstärkt. Geil auch die Vocals, die mit ihrer schrillen Art zwar gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr brutal kamen – erinnerte irgendwie an Disavowed, kann damit zu tun haben, dass der Sänger ein Shirt dieser Gruppe trug. Von den Ankündigungen blieb mir „Mermaid in the Sewer“ in Erinnerung – INFESTIGATION scheinen auch textlich einen eigenen Weg zu beschreiten. Zugabe war nur eine zu haben, da die Band sonst nichts mehr auf Lager hatte – Zeit für neue Kompositionen, um die bemerkenswerten Stärken noch gezielter auszuspielen…

LIQUID PUS hatten nun die Ehre, als einzige verbliebene ausländische Band den Headliner zu geben. Wer Grind/Folk als Stilbezeichnung trägt, der darf sich zu Recht einige Neugier erhoffen, gerade dann, wenn auch noch ein Didgeridoo dabei ist. Wie in aller Welt soll das klingen?
Im Endeffekt war das Ganze dann nicht einmal so schräg wie erwartet. LIQUID PUS spielten auf jeden Fall gleichsam routiniert und professionell wie auch energiegeladen, was sich für eine Grindband ja auch nicht anders gehört. Kreischen und Grunzen, fette Blasts, das volle Programm eben – das, was die Bezeichnung „Folk“ rechtfertigen sollte, nahm nicht wirklich einen soo großen Teil ein. Ab und zu schoss mir aber ein unseliger Vergleich durch den Kopf: SOULFLY?! Doch, da war schon mehr als ein bisschen Max Cavalera dabei, abgesehen von Rastas, bunter Kleidung und den zugehörigen Posen.
Insofern verwunderte es nicht, dass LIQUID PUS das Publikum teilten: Einige gaben sich vor der Bühne den Rest, andere gingen schon langsam. Sicher keine schlechte Band, aber als Headliner für ein solches Konzert nicht unbedingt passend – aber das hätte ja auch nicht so sein sollen.

Insgesamt erstaunlich, wie viele sich den Spaß trotz Headliner-Absenz gaben. Aber das Interesse an der lokalen Szene war offenbar da, und so darf des BLOODFEST 2 trotz qualitativer Schwankungen mit einem ebenso verkaterten wie zufriedenen Lächeln gedacht werden.


marian
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Beitrag vom 12.01.2005
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