INTER.FAKE   LO PRO EDGE      
18.12.2004 @ Fred Sega

Dem Welser Musicpub Fred Sega eilt längst - und mit Fug und Recht - der Ruf voraus, eine gefragte Adresse für heimische Bands darzustellen, wenn es gilt Gigs an Land zu ziehen. Schließlich gewährt man hier in diesem urgemütlichen Kellerlokal in regelmäßigen Abständen, eher unerfahrenen ebenso wie längst etablierten Undergroundbands aus ganz Österreich quasi Bühnenasyl, damit diese ihre Songkreationen dem Welser Publikum akustisch vorstellen können.

Und diesem denkbar guten Ruf sollte man an diesem Dezembertag einmal mehr gerecht werden: Die beiden auftretenden Bands dieses Abends verband übrigens nicht nur die identische Herkunft, nämlich der Bezirk Grieskirchen (OÖ), sondern auch eine gemeinsame Vergangenheit: Die INTER.FAKE-Members Alex Zilinksi (v,g) und Roman Lugmayr (dr) und LO PRO EDGE-Gitarrist Florian Eschlböck gehörten nämlich einst der Band RAMPAGE an, die sich im Raum OÖ bereits einen Namen gemacht hatte, aber vor gut zwei Jahren das Zeitliche segnete. Außerdem fungierte der Multiinstrumentalist Zilinski einige Zeit sogar als LO PRO EDGE-Drummer.

LO PRO EDGE übernahmen auch die Rolle des Eröffnungsacts, die Gruppe formierte sich (vorerst als RAMPAGE-Sideproject gedacht) im Frühjahr 2002, und konnte zuletzt den Bandwettbewerb „Battle of Sounds“ in Eferding für sich entscheiden. Im Vorjahr wurde mit "Set Me Free" auch die erste Promo-CD veröffentlicht.

Was LO PRO EDGE von stilistisch ähnlich gearteten Gruppen unterscheidet, ist der Umstand, dass man über zwei Vokalisten verfügt, wobei Robert „Rob“ Wagner für den Sprechgesang („Spoken words“) verantwortlich zeichnet, und Florian „Flow“ Henethmayr (Ex-GULASCH EATING HAMSTERS) für die eigentliche Gesangsarbeit zuständig ist. Um Kritikern und Fans beim Versuch, deren Sound möglichst punktgenau zu kategorisieren, unter die Arme zu greifen, wurde eigens der Begriff „LO-CORE“ ins Leben gerufen, der für eine Kreuzung von Crossover-, Hardcore- und Hip Hop-Fragmenten steht. Ein Stilmix, der auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär bzw. weltbewegend innovativ erscheint, und genau diesen Eindruck vermittelte auch der Auftritt, aber LO PRO EDGE verstehen dennoch zweifelsohne ihr Handwerk. Ohne es anzustreben, versteht es die Band aber, das Publikum zu spalten: Meine Wenigkeit konnte beispielsweise ehrlich gesagt mit dem Gebotenen nicht sonderlich viel anfangen, andere wiederum zeigten sich von diesem heftigen Stilcocktail absolut begeistert, und sparten nicht mit entsprechenden Resonanzen sowie passenden Bewegungen. Des Sprechgesangs wegen ist es meines Erachtens durchaus angebracht, Vergleiche mit Bands der ersten (deutschen) Crossovergeneration wie SUCH A SURGE, TRIEB. etc. zu ziehen, andererseits sprechen Bestandteile wie krachenden Riffs sowie die szeneübliche Laut-Leise-Dynamik (Sanft bzw. eingängige und rohe Passagen wechseln einander häufig ab.) eher für Einflüsse aus der New Metal-Abteilung amerikanischer Prägung. Wie auch immer, LO PRO EDGE boten eine engagierte Show ab, und alles weitere ist eine Frage des Geschmackes.

Danach sollten INTER.FAKE ihre zweite Performance auf Welser Boden binnen (knapp) drei Monaten absolvieren: Schon damals bei ihrem Gig im Rahmen des „Rockstar 2004“-Happenings im Welser Schl8hof sorgte das Trio mittels einer überaus professionellen Darbietung für offene Münder. So auch dieses Mal: Nachdem die bei INTER.FAKE involvierten Musiker in den letzten fünf Jahren bei diversen Formationen ihren Erfahrungsschatz schrittweise ausbauen konnten, ist ihnen mit dieser Gruppe, die sich bewusst ausreichend Zeit nahm, um ihre Kompositionen reifen zu lassen, der vielzitierte große Wurf gelungen: Stücke wie „Persecuted“ oder auch „Close Enough“ entpuppten sich als geradezu meisterhafte Songperlen. Ebenso vielversprechend wie deren Musik, die sich auf einem schwindelerregend hohen Level bewegt, sollte auch deren Show im Allgemeinen ausfallen: Anstatt den Bewegungsfreiraum auf der kleinen Bühne vollends zu nutzen, und ordentlich zu posen, legte man lieber einen Augenmerk darauf, die Stücke möglich adäquat zu intonieren.

In dieser Form sollte es INTER.FAKE hoffentlich früher oder später auch gelingen, sich ins Rampenlicht zu spielen, und die Aufmerksamkeit potentieller Fans sowie natürlich Labels auf sich zu ziehen.


Hutti
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Beitrag vom 16.01.2005
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