MOSES AND THE BURNING LAMB   BLIND MAN`S FROG   APPENDIX   ROOM NR. 5   4 EXP. 2   FREAKAZOID  
18.05.2001 @ Alter Schl8hof

Konzerte von oberösterreichischen Rockbands sind leider seit einiger Zeit im Welser Schl8hof die Ausnahme, wenn man von Supportgigs einheimischer Gruppen für etablierte Acts absieht. So konnte man bei diesem Fest, das den Namen "Politik ohne Bart" trug und von der GAJ veranstaltet wurde, endlich wieder einmal die Gelegenheit nutzen, um Gigs einiger heimischer Formationen live mitzuverfolgen. Wobei ich hier unbedingt darauf aufmerksam machen möchte, dass es mir fern liegt an dieser Stelle parteipolitische Schleichwerbung zu betreiben. Denn in diesem Bericht steht selbstverständlich die Musik im Vordergrund, d.h. es ist in diesem Falle nicht sonderlich relevant, wer als Veranstalter fungierte.
Als Opener agierte die Band MOSES AND THE BURNING LAMB, die mir vorher eigentlich gänzlich unbekannt war, und aus Wels kommt. Musikalisch könnte man den Sound, den das Trio praktiziert, als Grunge bezeichnen, obwohl deren Musik sicherlich auch nicht vor anderen Einflüssen gefreit ist, so dass die oben genannten Stilbeschreibung vielleicht nicht als definitiv endgültig angesehen werden sollte. Jedenfalls machten sie ihre Sache ganz gut, auch wenn sie noch etwas unroutiniert wirkten, und fast komplett auf Ansagen verzichtet wurde. Dennoch: Der Gig ging in Ordnung.
Es folgten BLIND MAN`S FROG aus Kirchdorf, die ähnliche musikalische Wege wie gerade erwähnte Band beschreiten, wenn auch deren Sound teilweise auch mal etwas härter zu Geltung kommt. Auch diese Band, die ebenfalls als Trio (inkl. Bassistin) in Erscheinung trat, lieferte eine gelungene Show ab. Handwerklich scheinen die Drei voll auf der Höhe zu sein und durch zahlreiche Gigs konnte man auch schon jede Menge Erfahrung sammeln. Auch eine CD dieser Band ist mittlerweile erhältlich. Als 3. Band dieses Abends betraten APPENDIX aus Vorchdorf die Bühne. Diese zählte sicher zu den altgedientesten, aber auch heavisten Bands dieses Tages. Jedenfalls wurde den Fans eine ordentliche Portion wuterfüllter Hardcore um die Ohren geblasen. Die Vorchdorfer zeigten sich zudem on stage als sehr bewegungsfreudige & bestens motivierte Formation. Besonders der Vokalist sorgte für eine äußerst kraftvolle & gefühlsbetonte Performance, wobei mir besonders auffiel, dass die Band nicht nur die Herkunft mit den Kollegen von DESPERATE CRY gemeinsam hat, sondern dass auch die Musik, aber auch das Verhalten auf der Bühne mit erwähnter Band verglichen werden kann. Das soll allerdings nicht heißen, dass es sich bei APPENDIX um das dorfeigene DESPERATE CRY-Plagiat handelt. Nein, denn APPENDIX sind natürlich auch eingeständig & konnten mich durch ihre intensive, brachiale, und brutale Version von Hardcore überzeugen. Irgendwann soll auch wieder eine neue CD veröffentlicht werden.
Der nächsten Programmpunkt war der Auftritt der Linzer Band ROOM Nr. 5, die mir persönlich schon von einem Auftritt in ihrer Heimatstadt bekannt waren. Ihre Musik würde ich als Rock beschreiben, der sowohl von Einflüssen von Rock Bands der 60/70er-Jahre, als auch von aktuelleren Alternative Rock-Bands lebt. Sie haben sich also musikalisch irgendwo zwischen verschiednen Rockmusikepochen eingenistet, und konnten die Audienz mit einer sauberen Darbietung begeistern (inkl. dem scheinbar obligatorischen Drumsolo.), wobei die Melodien bzw. die Gitarrenarbeit zumindest mich eine wenig an die HEROES DEL SILENCIO erinnert. Auch für Abwechslung war gesorgt, denn sie lockerten ihr Programm einerseits mit (teils emotionalen) Balladen, andererseits auch mit Coverversionen (z.B. JIMI HENDRIX "Little Wing") zusätzlich auf.
4 EXP. 2, die als nächstes vor das Publikum traten, heißen ausgeschrieben eigentlich: 4 EXPERIMENTIELLE DIE NUR 2 SIND“ Mittlerweile haben sich die Eferdinger bereits auch schon einen respektablen Status in der heimischen Szene erarbeitet. Wie es der Name es bereits erahnen lässt, sitzen die Jungs musikalisch gesehen zwischen den Stühlen. Daher ist es extrem schwierig deren Sound in eine exakt zutreffende stilistische Schublade zu stecken. Irgendwo zwischen den Stilen Jazz/Rock/Klassik/Pop/Folk etc. dürften sie sich heimisch fühlen, wobei auch Keyboards, eine Klarinette und ein Geige zum Einsatz kamen. Auch die (in Deutsch verfassten) Texte, trug viel dazu bei, dass der Eintrug entstand, man habe es hier mit einer sehr eigenwilligen und äußerst innovativen Band zu tun. Teilweise fallen die Lyrics witzig, manchmal aber auch kritisch, aber vor allem nicht immer leicht verständlich aus, da auch mit Metaphern gearbeitet wurde, was Songtitel wie "Plattenspieler", "Gartengesellschaft" ,aber auch "Das Publikum" belegen. Auch Coverversionen wurde auf ihre Art und Weise dargeboten. (z.B.: U2 "Without you"). Alles in allem eine ziemliche abgefahrene Band, deren Musik nicht so einfach zu konsumieren ist.
Den Abschluss des Festes bestritten FREAKAZOID aus Eferding, die mit ihrem dynamischen New Metal, der auch mit zahlreichen Samples untermalt wurde, den Versuch antreten wollten zu später Stunde den Fans noch einmal gehörig einzuheizen. Die Band verfügt übrigens über 2 Sänger, die auch probierten das Publikum zu Bewegungen zu animieren, was teilweise auch glückte. Allerdings war ansonsten an diesem Tag kaum jede Art von Feedback beim gar nichts so spärlich erschienenen Publikum zu beobachten. Alles in allem machten die 7 Jungs von FREAKAZOID ihre Sache nicht schlecht, obwohl man schon sagen muss, dass OÖ mit stilistisch vergleichbaren Bands sehr übersättig ist, obwohl man der Band auch Eigenständigkeit zugestehen muss, denn von 08/15-Abkupferei kann hier überhaupt nicht die Rede sein. Schade nur, dass dieses Mal offenbar darauf verzichtet wurde, dem Publikum ihre nicht gerade alltägliche Version des LYNYRD SKYNYRD-Klassikers "Sweet Home Alabama" vorzustellen.


Hutti
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Beitrag vom 11.07.2001
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