SKYFORGER   SALACIOUS GODS   SEAR BLISS   EWIG FROST  
11.02.2005 @ Hafen

Vier Black Metal Bands an einem Abend? Wer würde denn ein stilistisch so „monotones“ Konzert besuchen? Der Hardcoreblackmetalfan natürlich, und für diesen öffnete Brutal Arts Tyrol wieder mal die Tore des Innsbrucker Hafens.

Das Ganze begann recht pünktlich um 20.00 Uhr. Nachdem ich die gemischten Meinungen einiger Mitmetaller über die Band entgegen genommen hatte, erwartete ich nicht viel und reihte mich in die vorderen Reihen ein. Der Anblick der sich mir bot, überraschte mich nicht: Pandas. EWIG FROST boten eine bodenständige Show, ohne jegliche Höhe- oder Tiefpunkte. Jedoch muss man ihnen einigen Respekt zusprechen, trotz mangelnder Probemöglichkeiten und mit einem Sessionmusiker eine fehlerfreie Performance zu bieten. Auch die Reaktionen der Zuschauer waren weitgehend positiv, so brachten EWIG FROST - Opener untypisch - viele Metaller zum Bangen.

Um 20:45, also nur eine Viertelstunde nach dem Verschwinden der Vorgänger, betraten die Holländer SALACIOUS GODS die Bühne und schafften es das Publikum durch Professionalität und überzeugender Selbstdarstellung für sich zu begeistern. Ich persönlich konnte mit diesem so genannten „Unholy Black Metal“ mangels Innovation wenig anfangen, jedoch wurden sie auch nach dem Auftritt von SEAR BLISS noch als beste Black Metal Band des Abends bezeichnet. Der einzige Ausbruch aus dem üblichen Schema war, als man in der Mitte des Spektakels einige Heavy Metal Riffs anspielte, was aber leider schnell wieder verworfen wurde. Eine Dreiviertelstunde dauerte die Genickprobe, danach war das Publikum zweigeteilt. Eine Gruppe lechzte nach Zugaben, die anderen rieben sich den Nacken.

Nach einer bemerkenswert kurzen Umbauzeit (kaum 10 Minuten!) vernahm man die ersten Klänge von SEAR BLISS und man machte sich auf den Weg zurück in den Saal. Natürlich habe ich mir vorher einige Songs der Ungarn angehört und dachte die epischen Klänge kamen aus einem Keyboard, oder werden im Hintergrund eingespielt. Umso überraschter waren meine Begleiter und ich, als wir einem Typen, mit einer Posaune auf das Mikrofon gerichtet, entgegenblickten. Obwohl SEAR BLISS mehr Melodie und Atmosphäre als SALACIOUS GODS einbrachten, reagierte die Menge unterkühlt. Nur vereinzelt sah man Haare schwingen, oder zustimmendes Nicken. Unverständlicherweise gab es auch bei diesem Konzert Typen, die glaubten es wäre der richtige Zeitpunkt zu Moshen. Warum gerade bei der langsamsten anwesenden Band, entzog sich dem allgemeinen Verständnis. So wurden diese freundlich dazu aufgefordert, dies zu unterlassen. Zugegeben, SEAR BLISS brachte die Menge nicht gerade zum Beben, trotzdem boten sie zugegebenermaßen eine interessante Show. Das Prinzip, klassischen Black Metal mit zwischenzeitlichem Posaunenspiel aufzulockern, zündete live zwar nicht so wie auf CD, nahm aber trotzdem einen Großteil der Eintönigkeit, die sich leider bei vielen BM Bands im Laufe des Auftritts breit machte.

Alsbald SEAR BLISS um 21:30 die Bühne verließ, strömten die Mannen von SKYFORGER wie emsige Bienen auf die Bühne und schafften es fast den Rekord mit der kürzesten Umbauzeit zu brechen. Das Charisma der Letten war fast greifbar, wenn Peter, der sympathische Frontmann, in schwachem Englisch zwischen jedem Song, den Sinn der Lyrics erklärte. Vor allem Kaspars, wusste zu begeistern, egal ob mit Flöte, lettischer Zitter, Dudelsack oder einfach als hampelmännischer Stimmungsmacher, der die Metallerherzen nicht nur auftaute, sondern auch zum Aufflammen brachte. Doch leider trieben die lettischen Götter scherze mit den Folk Metallern, denn das Micro am Dudelsack fiel teilweise aus, deswegen musste man „When Üsuns Rise“ teils ohne folkloristische Klänge genießen. Auch die Drums gaben für ca. zehn Minuten den Geist auf. Jedoch nutzten SKYFORGER die Chance, a capella einige lettische Folk Lieder zum Besten zu geben, die – wenn ich Lust hätte zu untertreiben, sozusagen – von der Masse sehr gut aufgenommen wurde. Danach ging es wieder schnell, aber melodiös weiter, um dem Ganzen wieder Schwung zu verleihen. Gespielt wurde ein gelungener Querschnitt, des bisherigen Schaffens, „Latvian Rifleman“ und „Thungerforge“ stellten den Großteil der Lieder, aber auch die restlichten Alben und das Demo „Semigals’ Warchant“ wurden berücksichtigt. Da SKYFORGER scheinbar weder einheitliche Performance noch Setlist besaßen, wurden auch Zuschauerwünsche entgegengenommen und verringerten so wieder mal gekonnt die Distanz zwischen Band und Fan. Die Goldene Regel „Der Zuschauer hat Spaß am Konzert, wenn die Band Spaß am Konzert hat“ bewahrheitete sich hier wie selten zuvor. Aus der phlegmatischen Zugabe wurde hier das große Finale: „Migla Migla“ strömte aus den Mündern der SKYFORGER Kenner. Ungeachtet des Wissens, wie es klingt, wenn man Lieder in einer Sprache singt, der man nicht mächtig ist, ließen sich viele Fans nicht nehmen das Stück mitzugröhlen, was die grandiose Stimmung zum Höhepunkt trieb.

Die originale SKYFORGER Setlist:

1. Kauja Pie Saules
2. Kalejs kala debesis
3. Pulkvedis Briedis
4. Üsins
5. Zu Ziemelu malu
6. Asinslauks/Svetais Ugunskrisd
7. Näves sala
8. Caur aizsaules värtiem
9. Kuri
10. Night of the winter solstice
11. Namejs
12. Ligo
13. Tumsä un salä
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14. Migla migla

Das Gespielte wich allerdings stark von der Setlist ab.

Obwohl der Headliner überhaupt nicht zu den restlichen Bands passte, kann man den Abend als mehr als gelungen abhacken.
Keine Verzögerungen, keine Schlägereien, kaum technische Probleme, oder sonstige negativen Ereignisse, deswegen zum Abschluss noch ein Lob auf den Veranstalter.
www.brutal-arts-tyrol.com

Lenny
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Beitrag vom 14.02.2005
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