THE 69 EYES   LACRIMAS PROFUNDERE   
23.02.2005 @ Planet Music

Als ich das erste mal von den finnischen Goth-Rockern rund um Frontman Jyrki69 hörte, konnte ich mich zwar des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand krampfhaft versucht, wie Pete Steele zu klingen (und es nicht schafft), trotzdem vermochte der rockige Sound mit melancholisch-gotischem Background irgendwo zu punkten.
Meine letzten und sehr wagen Erinnerungen an die Combo waren vom Sziget 2002, daher schien es, als es dann hieß, dass die Mannen nach Wien kämen, angebracht, diese etwas aufzufrischen und zu diesem Zweck die Lokalitäten des Planet Music aufzusuchen.
Als jemand, der bisher in selbigen Örtlichkeiten eher auf Metalkonzerten mit mehr oder weniger guter Stimmung im Publikum gewesen war, war ich neugierig, wie die Stimmung auf einem Konzert sein würde, von dem ich doch erwartete, dass ein beträchtlicher Teil des Publikums in der Gothic-Szene beheimatet wäre. Meinereiner war auf sowas noch nicht. ;)
Die Überraschung war jedoch groß, denn das anwesende Publikum bestand nur teilweise aus dem bei derlei Events erwarteten Jungvolk, das sich bevorzugt in den ersten 4 Reihen vor der Bühne aufhält, um Zeige- und kleinen Finger in die Höhe zu halten, sondern auch aus einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Leuten, die die 30 schon hinter sich hatten.

Unterstützt wurde der Hauptact von LACRIMAS PROFUNDERE, ebenfalls eine Goth-Rock Formation, die mir davor, bis auf den irgendwo schon einmal vernommenen Namen, bislang unbekannt gewesen war, jedoch gut zu den nachfolgenden 69 EYES passten, wie sich schon nach einigen Tönen herausstellte. Kaum brachen diese an, wurde mir schlagartig klar, worin sicherlich einer der gravierenderen Unterschiede zwischen einem Konzert, das verstärkt von der Metalgemeinde besucht wird, besteht, und einem wie diesem hier. Es dürfte ja kein Geheimnis sein, dass Vorgruppen die etwas undankbare Aufgabe haben, für Stimmung in einem Publikum zu sorgen, das sich zu dem Zeitpunkt des Geschehens absolut noch nicht in einer solchen befindet (eh klar, ist ja noch nicht jeder betrunken hehe), sondern meistens nur still und stumm dasteht und die Bühne anstarrt. Angesichts dieser Tatsache immer noch eine gute Show zu bieten hat bei mir immer schon eine gewisse Form von Respekt (zum Teil sogar Mitleid) ausgelöst, so gesehen haben es die Hauptacts nämlich, was die Stimmung anbelangt, sehr viel einfacher, wenn die Vorgruppe(n) ihren Teil des Abends, nämlich das Anheizen der Stimmung, gut bewältigt haben.
Oft ist dies eine undankbare Rolle, wenn die Vorbands ihre Sache wirklich gut machen, dafür aber scheinbar nicht das seitens des Publikums ernten, was sie sich durchaus verdienen würden.
LACRIMAS PROFUNDERE wirkten ziemlich solide und schienen sich in ihre Rolle als Vorband, trotz des darüber beschriebenen, gut zurechtzufinden. Dies wurde auch honoriert, denn im Laufe der Zeit kam dann doch allmählich eine Art von leichter Stimmung auf, die sich in Form von rythmischem Händeklatschen im Takt der Musik, die mich übrigens stark an PARADISE LOST erinnerte, zeigte. Viel mehr gabs allerdings nicht, daran sollte sich auch beim Auftritt des Hauptacts wenig ändern, von Metalkonzerten war ich jedenfalls anderes gewohnt.

Nachdem es nur eine Vorband gab, hätte man sich erwarten können, dass diese doch etwas länger spielt, doch dem war nicht so, nach etwa einer halben Stunde hieß es dann "Bühne frei" für die "Helsinki Vampires". Diese beschritten daraufhin auch gleich die bereits aufgebaute Bühne und legten kräftig los. Frontman Jyrki69, gekleidet in Lederkluft mit aufgedrucktem, weißen Skelett, demonstrierte eindrucksvoll, dass für die wirklich Coolen unter uns die Sonne scheinbar niemals untergeht. Irgendwann wars damit allerdings auch vorbei, denn dann entschloss sich der gute Mann, sich doch von seiner Sonnenbrille zu trennen und ein zu der Grabesstimme absolut nicht passendes Milchgesicht zu entblößen, das mich zu einem breiten Grinsen veranlasste. Das dürfte dann wohl erklären, warum von Jyrki69 kaum Fotos existieren, wo nicht irgendwelche Haare im Gesicht hängen und er bitterböse dreinschaut (wenn er mal keine Sonnenbrille auf hat). Aber was solls, man geht ja nicht auf ein Konzert, um schöne Menschen zu sehen, sondern um gute Musik zu hören. ;)

Von einigen Alben war mir ja bekannt, dass sich die meisten Lieder ziemlich gleich anhörten, Live wurde dieser Eindruck leider noch zusätzlich unterstrichen. Man verstehe mich nicht falsch, die Band kann schon rocken und tat dies auch... trotzdem wirkte es so, als würde da mehr ein Programm runtergespult als etwas anderes. Alles wirkte einstudiert, lieblos. Gänzlich neu war dies für mich jedoch nicht, hinterließen doch auch PARADISE LOST bei mir nach jedem Auftritt, den ich bisher gesehen habe, trotz guter Performance eben genau diesen Eindruck, nämlich den einer absolvierten Pflichtübung. Mag also durchaus sein, dass man sich da nicht mehr erwarten kann - ich kann mir das zwar nicht erklären, aber bitte.

Die bereits angesprochene Stimmung im Publikum steigerte sich zwar mit der Zeit leicht gegenüber dem, das die Vorband erreicht hatte, war aber trotzdem eher mäßig. Hin und wieder konnte die Band die Leute zum Händeklatschen animieren, vereinzelt war auch der eine oder andere Headbanger zu sehen (sicher nicht mehr als drei bis fünf Leute in Summe, über den Raum verteilt). So manches Gothic-Girl sah sich außerdem dazu ermuntert, zu der Musik mehr oder weniger anmutige Tanzbewegungen zu vollführen, die waren allerdings genauso stark vertreten wie Metaller. Ganz konnte ich das nicht nachvollziehen, da die Musik doch Potenzial gehabt hätte, stimmungsmäßig mehr aus dem Publikum herauszuholen, doch als Showmen würde ich Jyrki69 & Co. bestenfalls eine 3- geben.

Sehr negativ fiel auf, dass die Band sich nicht dazu herablassen wollte, eine Zugabe zu spielen. Ich war nun doch schon auf einigen Konzerten, doch sowas habe ich zum ersten Mal erlebt. Nach dem Abtreten der Band wollte das Publikum es zuerst nicht wahrhaben, dass es das gewesen sein soll. Als die Bühnenmusik des Planet Music wieder zu hören war und die Roadies mit dem Abbau der Bühne begannen, wurde zuerst ungläubiges Gemurmel laut, nach einigem, weiteren Verharren vor der Bühne wurde jedoch klar, dass da nichts mehr kommen würde, worauf sich die enttäuschte Menge langsam abwandte. Ist meiner Meinung nach schon ein ziemlich starkes Stück, da das irgendwo denke ich dazugehört, zumindest ein bis zwei Zugaben zu spielen, einen guten Eindruck von einer Band hinterlässt sowas natürlich nicht.

Mein Gesamteindruck von dem Konzert war, dass man bekommt, was man sich erwartet, wenn man die Alben von THE 69 EYES kennt, jedenfalls aber nicht mehr. Etwas enttäuschend wirkt das auf mich insofern, als ich persönlich auf ein Konzert gehe, um etwas anderes, neues zu sehen, etwas, das sich von dem, was ich daheim an meinen CD-Player füttere, sofern unterscheidet, dass ich danach das Gefühl habe, dass dies den Ticketpreis rechtfertigen würde. Doch das wurde in meinen Augen nicht geboten, das waren einfach nur THE 69 EYES, ganz nett zwar, aber nicht weltenbewegend.


Andy

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Beitrag vom 26.02.2005
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