ADARO  
18.02.2005 @ K9 Paulskirche

Sie fühlen sich wohl in Konstanz, in dieser alt-ehrwürdigen Stadt. ADARO kommen gerne an den Bodensee. Weit ist es für sie ja nicht, vom Schwäbischen ins Badische zu wechseln für wieder einmal einen guten Auftritt. Mittelalterliche Musik in einer noch mittelalterlich anmutenden Stadt. Immerhin war sie ab dem 6. Jahrhundert Bischofssitz, das Konstanzer Konzil beendete Anfang des 15. Jahrhunderts die Kirchenspaltung durch Absetzung der Gegenpäpste und der Verurteilung von Jan Hus. Doch weg von der Geschichte, hin zur Musik.
Es war der vierte Auftritt ADAROs in der Stadt, gerne im K9, oder als Paulskirche bekannt. Diese Band ist einfach ein Garant für gute Shows. Einfaches Rezept: Gute Musiker. Es ist die Leidenschaft, die jedem ADARO-Mitglied anzusehen ist. Die Leidenschaft, sich dem Mittelalter-Rock hinzugeben. Dabei haben ihre Konzerte auch einen sehr hohen Unterhaltungswert. In erster Linie ist es Sänger Christoph Pelgen. Er schickt vielen Titeln eine erläuternde Geschichte voraus – flapsig umbrochen mit modernen Elementen. Für den Hörer eine Art Service, um zu wissen, was hinter dem Text aus Federn einstiger Lyriker steckt. Witzig, was Pelgen von sich gibt. Für manchen Geschmack vielleicht in ein etwas zu satirisches Gewand gekleidet. Ganz im Gegenteil dazu, mit welcher Ernsthaftigkeit die Württemberger ihre Musik betreiben. Bei dieser Band passt alles zusammen. Die fünf Musiker spielen ihre Instrumente nahezu durchgehend passgenau aufeinander abgestimmt. Dass angesichts mancher schwerer Passagen auch mal ein Ton daneben gehen kann, ist verzeihlich.
Bands, die sich dem Mittelalter als roter Faden ihrer Musik verschrieben haben, gibt es ja einige. Was den Reiz an ADARO ausmacht, ist der originäre Rock als Basis. Darauf bauen Pelgen und Konstanze Kulinsky mit ihren mittelalterlichen Instrumenten wie Schalmei, Dudelsäcke, Krummhorn sowie Drehleier auf. Vor allem wenn sich Pelgen und Kulinsky im gesanglichen Zwischenspiel ergeben, erhält die Musik ADAROs eine weitere verzückende Note. Das engelsgleiche Organ der Frau an der Drehleier bringt jeden zum Erweichen. In dieser Hinsicht dürfen die nur von ihr gesungenen Balladen nicht fehlen. War es auf der Tour zuvor noch „Wigen Wagen“ von der Scheibe „Minnenspiel“, griffen die Schwaben diesmal logischerweise auf „Es ist ein Schnee gefallen“ des aktuellen Albums „Schlaraffenland“ zurück. Beide Balladen haben die gleich hohe Qualität und bringen in das sonst energiegeladene Konzert Ruhe rein. Noch energiegreicher waren aber die Auftritte, bei denen noch „Minnenspiel“ im Vordergrund stand. Warum? Es liegt am Material des neuen Silberlings. Das ist zwar gut, aber nicht mehr so versiert und eingängig, was sich eben auch auf die Live-Auftritte niederschlägt. Sie haben eine Spur Monotonie erhalten, was es früher nicht gab. Zum Glück schafft es die Band aber, den Zuhörer wieder aus dieser stimmlichen Lage zu befreien. Wenn ADARO den „Totentanz“ auspacken, gibt es ohnehin kein Halten mehr. Pelgen im Skelettgewand auf der Bühne und mit Krummhorn ausgestattet wirbt um Konstanze Kulinsky an der Drehleier. Beide verständigen sich über die Instrumente, peitschen sich in diesem Dialog zu Höchstleistungen auf. Es gibt selten ein so gutes Instrumental, das den Hörer in seiner steigenden Intensität mitzureisen vermag. Deshalb ist der „Totentanz“ ein Muss für jedes Konzert dieser Band und stand in der programmatischen Folge diesmal zum Glück weiter vorne in der Setlist der vorangegangenen Tour.
ADARO sind ein Garant für gute Konzerte. Man muss nicht unbedingt ein weitreichender Kenner dieser Band sein, um von ihr begeistert zu werden. Die fünf Musiker beweisen, dass mittelalterliche Musik nicht unbedingt auf Breitentauglichkeit ausgelegt sein muss. Das schränkt die potenzielle Fangemeinde ein. Demonstriert aber ein Maß an Idealismus. Der in Konstanz beim Publikum gut ankommt - in dieser altehrwürdigen Stadt am Bodensee.
www.adaro.de

Philipp
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Beitrag vom 06.03.2005
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