BELPHEGOR   ARKHON INFAUSTUS   IN AETERNUM   ASMODEUS   
22.04.2005 @ Planet Music

Endlich wieder ein richtig brutaler Freitag: Vier Bands von Black bis Black-Death und von schnell bis ganz, ganz schnell betourten unter dem Banner „Goatreich – Fleshcult“ Europa und baten diesmal im Planet Music zum Tanz: die gestandenen Schweden von IN AETERNUM, die verrückten Franzosen von ARKHON INFAUSTUS, der einheimische Nachwuchs ASMODEUS und natürlich die Ober-Blastmeister Österreichs und Namenspaten der Tour, BELPHEGOR.

ASMODEUS, die die Tour nur teilweise mitmachen, durften eröffnen: ihr schneller, atmosphärisch kalter Speed-Black Metal kam auch recht gut rüber, und mit dem Corpsepaint (übrigens die einzige angemalte Band des Abends) und ordentlich Nieten stimmte das Bild. Manch einer beschwert sich allerdings, dass es ASMODEUS noch ein wenig an Abwechslungsreichtum mangle. Und tatsächlich mischen sich unter gute und mitreißende Riffs auch immer wieder Teile, die doch etwas beliebig wirken. ASMODEUS haben in diesem Bezug aber sicher noch einiges an Potential, und auch ihr aktuelles Schaffen ist keineswegs zu verachten. Ein guter Einstand.

IN AETERNUM schauen aus, wie es sich für richtige Schweden gehört: Wie zottelige Wikinger, die guten Metal lieben. Und so klingen sie dann auch: Kraftvoller, melodischer Black Metal, der Anleihen an Death-, Thrash- und Heavy Metal durchscheinen lässt. IN AETERNUM waren für mich zuvor ein unbeschriebenes Blatt, was eine Bildungslücke ist, über deren Füllung ich froh bin. Eine feine Sache, die auch langsam etwas Stimmung aufkommen ließ. Das Planet Music füllte sich gemächlich auf eine gute, nicht allzu beengende Menschenmenge hin, die im weiteren Verlauf des Konzerts auch noch ziemlich begeistert mitmachen sollte. Kein Wunder, denn es wurde noch sehr gut!

Auf ARKHON INFAUSTUS war ich äußerst gespannt, und sie enttäuschten mich nicht: Kaum in Position gegangen (Inklusive stilechtem Shirt-Spruch „Smoke Crack and worship Satan“, hehe!), legte die Pariser Psychopathen-Kommune volles Rohr los und plättete mit Killer-Titeln wie „M33-Constellation“ oder „Words of Flesh“ das Haus. Die Atmosphäre, die ARKHON INFAUSTUS erschaffen, ist einzigartig, wahnsinnig, nihilistisch, dekadent und hörbar von bösen Drogenexzessen geprägt. Es gefällt ARKHON INFAUSTUS, für Promofotos am Koksertisch zu posen, und Sprüche wie „Jesus does exist: I saw him sucking Cocks in Hell while I and God were taking Drugs“ auf Shirts zu drucken, und das von ihnen erschaffene musikalische Inferno steht diesen Werbegags an Abgedrehtheit um nichts nach: Immer wieder bremsen ARKON INFAUSTUS gnadenlos und ergeben sich völlig entrückt den untersten Tempobereichen, um dann von einem Augenblick auf den anderen mit mörderischsten Blast-Attacken alles Lebende zu vernichten. Für mich die Band des Abends.

Aber BELPHEGOR waren deswegen keineswegs zu verachten! Die Salzburger Blastmaschine kannte keine Gnade und zeigte dem Planet Music, wo der Hammer hängt. Der Sound war übrigens sehr anhörbar – danke, es geht ja doch!, und BELPHEGOR ergingen sich in Dunkelheits-Orgien von mörderischer Präzision. Der neue Drummer ist hundertprozentig tight und verweist jeden Presslufthammer in seine Schranken. Dabei setzten BELPHEGOR für ihre Verhältnisse relativ stark auf Midtempo, ganz im Sinne der neuen CD „Goatreich-Fleshcult“, von der auch ein Großteil des Programms kam. Ruhiger wirken BELPHEGOR deswegen aber keineswegs, eher haben sie erkannt, dass ihnen ihre inzwischen fast schon beängstigende, geradezu maschinell wirkende Präzision auch in niederen Temporegionen erlaubt, bitterböse und konsequent zu klingen. Überhaupt zeigten sich die Jungs professionell, motiviert und ganz ohne die typschen Prolosprüche – fast ein bisschen schade. Aber auf jeden Fall eine stark gereifte Band und ein würdiger Abschluss. Definitiv eines der Konzerthighlights der Saison.


marian
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Beitrag vom 24.04.2005
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