FLESHGORE   LOST SOUL   SANATORIUM   PARENTAL ADVISORY    INFESTIGATION   
18.05.2005 @ Viper Room

Mit FLESHGORE, LOST SOUL und SANATORIUM an der Spitze und den lokalen PARENTAL ADVISORY und INFESTIGATION als Basis wälzte sich, KV Kaltenbach sei Dank, wieder einmal ein waschechtes Death / Grind-Konzert in den Wiener Underground. Was es dort zu erleben gab, könnt ihr hier nachlesen.

INFESTIGATION, Wiens wohl durchgeknallteste Tech-Death-Kapelle, mussten vor einem recht kläglichen Häufchen beginnen, und das, obwohl es immerhin 20:30 geworden war, bis sie anfangen konnten. War mir aber eher egal, und der Band allem Anschein nach auch, denn diese prügelte ihr knappes Programm tadellos und durchaus motiviert wirkend runter. Die krassen Breaks und die psychotischen Zwischenteile machen die Musik INFESTIGATIONS zwar nicht gerade leicht verdaulich, dafür geht es aber auch äußerst brutal zu, und mitunter atemberaubend schnell – auf hübsche Soli wird dennoch nicht verzichtet. Toller Einstand!

PARENTAL ADVISORY wirkten da im Vergleich richtig geradlinig, aber keineswegs zurückhaltender, schwingt doch auch hier König Blastbeat über Weite Teile sein gnadenloses Szepter. Dazu kommt, neben pflichtgemäß brutalem Gegrunze, eine gehörige Prise Rock n’ Roll, und zu Titeln wie „Wet and Horny“ darf gefeiert werden. Insofern war der Party-Faktor bei PARENTAL ADVISORY doch etwas höher, und die Leutchen wurden erfreulicherweise mehr und aktiver.

Offenbar war dies aber eben zu einem guten Teil auf PARENTAL ADVISORY zurückzuführen, denn bei den Nachfolgern, den slowenischen SANATORIUM, lichtete sich das Publikum geradezu drastisch. Schade, denn SANATORIUM machten Spaß: Herrlich ungezügeltes Grind-Geknüppel, ohne Rücksicht auf Lappalien wie Sinn und Verstand. Sehr nett, auch wenn die Kompositionen von SANATORIUM manchmal etwas unnachvollziehbar wirken. Aber was soll’s? Der nächste Blaststurm vernichtet eh wieder sämtliche Gehirnaktivität – und ist bei SANATORIUM zu jedem beliebigen Zeitpunkt maximal fünf Sekunden entfernt.

LOST SOUL aus Polen waren mir lediglich von einer Kritik her geläufig, in der sie ziemlich verächtlich als MORBID ANGEL-Klone abgetan wurden. Das konnte ich eigentlich nicht nachvollziehen, auch wenn besagte Ami-Legende als grober Rahmen geeignet ist, um den Sound von LOST SOUL zu beschreiben. Also durchaus prügelfreudig, aber zugleich etwas schleppend. Obwohl ich für lange Zeit fast der einzige vor der Bühne war, amüsierte ich mich ganz gut. Die äußerst lange Spielzeit ließ gegen Ende hin aber doch etwas Langweile aufkommen.

FLESHGORE aus der Ukraine waren da, späte Zeit hin oder her, wesentlich vitaler, und vom Sound her auch viel Grind-lastiger, sprich: lärmiger, womit sie irgendwie besser zum Anlass passten. Und so machten sich die letzten paar wackeren Konzertbesucher noch einmal, diesmal sogar recht geschlossen, ans Bangen. Somit hatt es ganz den Anschein, als hätten sich sowohl das Publikum als auch FLESHGORE noch sehr gut unterhalten. Ein feines Blastinferno als Betthupferl, sozusagen.

Als Wermutstropfen bleibt, dass einfach viel zu wenig Leute da waren, was zum Einen am Mittwoch gelegen haben mag, zum Anderen an den zwar nicht unbekannten, aber vermutlich auch nicht jedem geläufigen Bands – die aber wirklich mehr Zuspruch verdient gehabt hätten, denn im Großen und Ganzen waren sie doch sehr anständig.


marian
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Beitrag vom 21.05.2005
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