VOMIT REMNANTS   GODLESS TRUTH   FESTERING FLESH   
29.05.2005 @ Viper Room

“Return of the Hyper Groove Masters” – eine vollmundige Ankündigung, die an einem äußerst heißen 29. Mai ins Monastery zu locken wusste. Warum Death-Grind neuerdings auch „Hyper Groove“ genannt wird ist mir zwar etwas schleierhaft (obwohl es eh nicht so schlecht passt), aber das mit den „Masters“ kann ich nur bestätigen: Dass die japanischen VOMIT REMNANTS eine kleine Legende sind war mir schon zuvor klar, aber auch die mir bisher unbekannten GODLESS TRUTH erwiesen sich als herausragende Knüppelbrüder. Und dass sich das Wiener Publikum so richtig dem Moshpit ergibt ist auch kein allzu häufiger, dafür um so erfreulicherer Anblick.

Doch zuerst zum Anfang:

Dieser gehörte etwas nach 21:00 den einheimischen FESTERING FLESH, die nach jahrelangem Bestehen und Farewell-Gig auf dem letzten Kaltenbach-Openair vor kurzem ein untotes zweites Leben angetreten haben. Verstärkt mit Eugen und Georg an Gitarre und Drums (beide auch bei INFESTIGATION) zeigen sich FESTERING FLESH ausgereifter, melodischer und variabler, zwischen saftigem Geknüppel und hartem Groove fließen verstärkt ausgiebige, gefinkelte Soli ein. Trotz des kräftig angezogenen technischen Levels ist es aber nicht zuletzt die ureigene FESTERING-FLESH-Sickness, die der Band ihren Charakter verleiht – siehe ihre abschließend vorgetragene Hitballade „Cunt wide open“. Eher schlicht, aber eben auch sehr cool!

GODLESS TRUTH, tschechischer Herkunft und dem Grind verschrieben, brachten das zuvor schon sehr positiv gestimmte (und übrigens auch ziemlich zahlreiche) Publikum zum Durchdrehen. Meine Fresse, da flogen die Leute herum... Während ich bei den ersten Nummern nicht ganz sicher war, ob GODLESS TRUTH – obwohl sehr frickelig, abwechslungsreich und blastverliebt – wirklich aus der großen Masse vergleichbarer Grind-Kapellen hervorstechen können, überzeugten mich die folgenden Stücke um so mehr: GODLESS TRUTH spielen das alte Abrissbirnen-Spiel einfach so, wie es gemeint ist – exzessiv und wütend, publikumsnah und begeistert. Und zwei der VOMIT REMNANTS unterstützten brav den Pit.

Während die – ohne irgendwie rassistisch sein zu wollen – doch sehr klein gewachsenen Japaner im tobenden und auch zeitweise nicht wenig brutalen Publikumsgemenge einen eher schweren Stand hatten, regierten sie auf der Bühne souverän. Die VOMIT REMNANTS sind straighter, strukturierter, klarer als GODLESS TRUTH, aber nicht minder brutal, eher etwas mehr Death und weniger Grind. „Groovige Variante von SUFFOCATION“ meinte Eugen, und das trifft es ganz gut: Getrieben von einem auf Schreibmaschinen-Sound getriggerten Drumgewitter sägten einmal rasante, einmal quälend langsame Riffs tief in den blutgeilen Geist der Meute, die jetzt vermehrt dem Bangen frönte. Dass gegrunzt wurde wie im Schweinestall – an diesem Abend eh eine Selbstverständlichkeit. Obwohl sich manche Teile für meinen Geschmack etwas zogen, ist den VOMIT REMNANTS ein großes Lob für ihren doch sehr eigenständigen Charakter zuzusprechen. Und sie ließen sich zwar ein bisschen bitten, gaben auf kräftiges „Zugabe“-Gebrüll aber noch zwei Stücke drauf und schienen am Ende auch sehr zufrieden. Womit ein schönes und von erfreulich aktiven Leuten heimgesuchtes Sonntagkonzert zu Ende ging. Und der GODLESS TRUTH-Sänger gab uns weise Worte mit auf den Heimweg: „Tomorrow, at work: Fuck it!“


marian
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Beitrag vom 31.05.2005
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