BLACK SABBATH   VELVET REVOLVER   BLACK LABEL SOCIETY  
20.06.2005 @ Stadthalle Wien

Montag war’s, und dem Bericht des anwesenden Standard-Journalisten zufolge waren ausschließlich in die Jahre gekommene Motorrad-Rocker anwesend. Dem erlaube ich mir getrost zu widersprechen. Ein erstaunlich bunt gemischtes Publikum, das diversen Angaben entsprechend rund 6000 Köpfe zählte, fand seinen Weg in die Wiener Stadthalle, um sich ein schwerwiegendes Stück Rockgeschichte noch einmal live zu geben. Was allerdings erstaunlicherweise nicht aufkam war die Stimmung, die beim möglicherweise letzten Besuch einer alten Tante zu spüren ist – die Herren Osbourne, Iommi, Butler und Ward wirkten keinesfalls wie die „Children of the Grave“.

Zu Beginn erklomm der etatmäßige OZZY-Klampfer ZAKK WYLDE mit dessen BLACK LABEL SOCIETY die Bühne vor der bereits recht gut gefüllten Stadthalle. Unter dem Motto „Stoned And Drunk“ rockten sich die vier durch etwa vierzig Minuten Set und schafften das, was die darauffolgenden VELVET REVOLVER nicht zu bringen vermochten. Kurz: BLACK LABEL SOCIETY rockten das Haus!!! (Der Meinung war übrigens nicht nur ich, sondern auch Kollege Marian, das heißt die Meinung dürfte nicht ganz so subjektiv sein, zumal ich sie auch seitens einiger Leute aus dem Publikum vernahm…)
Jawohl! Der dreckige, schwere, bluesige Sound, die tiefer gestimmten Gitarren, Zakks rauchiges Organ, das Outfit, das jedem Biker im wüstesten Roadmovie zur Ehre gereichen würde, alles hat gestimmt. Eine fette Verstärkerwand sorgten für den optischen letzten Schliff, und Zakks göttliche Leads verliehen den Songs das berühmte I-Tüpfelchen. Nachdem das ganze mit einem ansprechenden Sound (und selbst zu Beginn schon verdammt laut) aus den Boxen tönte, war der Genuss mit einem kühlen Blonden in der Hand perfekt.

Was zu Beginn gelungen war, nämlich dass der Rock n' Roll das Haus nur so zum Wackeln brachte, sollte sich bei VELVET REVOLVER leider nicht fortsetzen. Ich gebe zu, dass ich dem Auftritt durchaus gespannt entgegen geblickt habe, obwohl mich die Musik der GUNS´N´ROSES -Neuauflage nicht wirklich zu begeistern vermag. Warum die negativen Worte? Nun, die Band betrat die Bühne, wirkte reichlich distanziert, und jegliche Professionalität wirkte gespielt und gelangweilt. Duff raste mit Siebenmeilenstiefeln über die Bühne, Slash poste gemütlich bis gelangweilt herum, wobei Frontman Scott Weiland sich in Verrenkungen Marke David Bowie meets Joe Cocker übte und über die Bühne stelzte – in diesem Fall Mick Jagger meets Flamingo (frisch aus Kenia eingeflogen). Lediglich die Leistung von Matt Sorum auf den Drums ließ mich stellenweise aufhorchen, zumal der zweite Gitarrero komplett unauffällig war ... Die von MTViva bekannten Songs „Slither“ oder „Sucker Train Blues“ waren ganz nett, aber das war schon alles. Ganz nett – das kann es doch nicht sein? Aber verdammt, warum hat das zu GUNS´N´ROSES -Zeiten viel mehr gerockt?! Genau das war das Problem, das die Sache hatte – wenn 50 Prozent dieser Band auf der Bühe stehen, dann ist ein Vergleich etwas Naheliegendes, und das kann dann eben auch in die Hose gehen. Daran hat leider auch der GUNS´N´ROSES-Song „It’s So Easy“ nichts geändert.

Alles anders bei BLACK SABBATH. Ich habe eingangs erwähnt, dass die Band ganz und gar nicht wie eine dem Sterbebett nahe Rocklegende gewirkt hat. Ich sagte auch, dass das Publikum gemischt war – ja, denn BLACK SABBATH waren als BLACK SABBATH & OZZY OSBOURNE angekündigt worden. Ganz klar, damit einige MTV-Kiddies mitbekommen, dass da der verrückte Typ von MTV in der Stadthalle spielt… Ok, genug geätzt.
Besagter verrückter Typ, oder besser gesagt sein Organ erschallte kurz nach 22:00 über die Anlage und zauberte mir und allen Umstehenden nur einen Grinser ins Gesicht, der teils Ausdruck einer gewissen Berührung und Freude, teils nur Ausdruck des Amusements war. Sollte der Ozzman besoffen sein? Animierte er doch in den darauffolgenden Sekunden die Menge über die Anlage, Fußballchöre zu singen, noch bevor er die Bühne erklommen hatte. In den folgenden Augeblicken sollte es Schlag auf Schlag gehen: als Intro raste Klassiker nach Klassiker in einem Medley vorbei, und schon war er da – OZZY himself, gefolgt von Satans liebstem Linkshändergitarristen und den zwei leicht gealterten Herren Geezer Butler und Bill Ward, die nachfolgten, um „NIB“ anzustimmen.
„I am satan – please take my hand…“ – was soll ich sagen? OZZY reichte dem Publikum die Hand, und dieses griff dankbar zu – egal, ob er sich mit Wasser übergoss, die vordersten Reihen mit eben diesem großzügig überschüttete, oder ob ein „wer brüllt am lautesten“ -Contest mit den Worten „I can’t fuckin’ hear you“ angeregt wurde. Mit einem Wort: Die vier legendären Engländer hatten leichtes Spiel.
Wirft man einen Blick auf die Setlist, dann fällt auf, dass diese ausschließlich Songs der ersten OZZY-Phase enthielt - genauer gesagt mit Ausnahme von „Symptom Of The Universe“ und „Sabbath Bloody Sabbath“, die beide nur angespielt wurden - nur Songs von den ersten drei Alben. Jetzt rechnet euch mal aus, was das bedeutet! Ganz genau – nichts wurde ausgelassen. Beispiel gefällig? „The Wizard“, „War Pigs“, „Children Of The Grave“, und ganz klar „Iron Man“, „Black Sabbath“ (mit dem wohl wichtigsten Riff der ganzen Metal-Geschichte) und „Paranoid“. Dass die DIO- bzw. MARTIN -Phasen ignoriert werden würden, war absehbar und sollte daher dem Genuss keinen Abbruch tun. Ach ja, Mr. Osbourne Wirkte fitter denn je und nicht ansatzweise so abgewrackt wie er über die Fernsehschirme kommt. Und die paar mal, die Mr. Iommi sich dazu hinreißen ließ, dem Publikum die „Horns“ entgegenzustrecken, hatten auch etwas besonderes… Ich frage mich jetzt noch, wie der Gute die fast 90 Minuten Set trotz des Scheinwerferlichts in einer Lederjacke ausgehalten hat. Geezer Butler hielt sich ähnlich wie Ian Hill von JUDAS PRIEST im Hintergrund und Bill Ward verdrosch sein Kit trotz der bekannten gesundheitlichen Problem wie einst.
Mir bleibt also nicht mehr zu sagen, als dass es ein unvergesslicher Abend war und OZZY angekündigt hat, binnen der nächsten fünfhundert Jahre wieder zu kommen. Da werden wir dann wohl wieder hin müssen, denn entgegen dem Eindruck vom letzten Wiener SABBATH-Gig 1998 gehören die vier nicht zum alten Eisen!


Gore
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Beitrag vom 29.06.2005
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