KALTENBACH OPEN AIR: DESTRUCTION   CARNAL FORGE   ENDSTILLE    LOST DREAMS    EVENRAIN   LORDS OF DECADENCE    OLEMUS    FLESHLESS  
16.07.2005 @ Spital am Semmering, Stmk

... und weiter im Text! Leider hatte das Wetter seit den tags davor vorletzten ILLDISPOSED auf Regen umgeschlagen (bei DISSECTION aber dankenswerter Weise halbwegs trocken) und eine Überschwemmung an den Zeltplätzen angerichtet, aber was kann uns das schon. EYETOLEGY und ROTTEN COLD machten den Anfang, um ab 12:00 Platz zu machen für fukkkkking VARGSRIKET, die wieder einmal bewiesen, dass sie eviler und truer als der ganze abschäumige Rest sind. „Vargsriket“, „Luciferian“, „Minions of Satan“: wirklich kultige Hymnen, dazu 100% stilechte Posen, und ein geiler Abschluss mit sehr gutem Gastsänger. Jawoi, so will ich jeden Tag aufgeweckt werden! Gibt’s VARGSRIKET auch als Wecker?

LOST DREAMS, EVENRAIN, LORDS OF DECADENCE, OLEMUS und SACROSANCTUM folgten, FLESHLESS gab ich mir wieder. Der DECAPITATED-Gitarrist hatte ja auch ein Leiberl von denen an, und mir war klar: Da wird wieder brutal gedeatht. Äußerst hart, aber auch sehr abwechslungsreich, ungewöhnlich und spleenig, teilweise ziemlich krass, etwa in Richtung INFESTIGATION. Spielerisches Talent war jedenfalls in beindruckender Menge da, und der Auftritt insgesamt sehr gut! THIRDMOON wurden nicht müde, sich in Selbstmitleid zu ergehen á la „Wir san besoffen, wir san so scheiße.“ Waren sie ja gar nicht, ein solider melodic Death. Aber in seinem Alkoholismus lässt man sich ja auch gern bestätigen.

AEBA blackten dann wieder, mit Corpsepaint, bösen Mienen und grantigem Hau-drauf-Sound. Ein bisschen zu wenig abwechslungsreich, aber doch recht geil. Dann kam Hausherr Spiwi mit seinen DARKFALL, die besten Zuspruch genießen durften und gleichsam kräftig wie routiniert zockten. Thrashiger Death, eine gute Dröhnung für den wieder aufkommenden Dusel. SOUL DEMISE sind sehr schwedisch deathende Partyköpp mit einem sehr exaltierten Frontman, interessierten mich jetzt aber weniger (obwohl auf jeden Fall solide), denn die nächsten waren bereits ENTSTILLE.

ENDSTILLE, das pechschwarze Terror-Moped, garantiert für tödlichen Dauerschrapnellbeschuss, wie man ihn in dieser Kompromiss- und Gnadenlosigkeit nicht oft findet. Das „Ortungssignal“ vom heiß ersehnten neuen Album „Navigator“ ertönte, und dann gab es Vollbedienung mit Krachern wie „Bastard“, „Dominanz“ oder „Frühlingserwachen“. Wie sagen die vier (zwei angemalt, zwei natürlich) so schön? „Voll das Moped, Alda!“. Und wie! Trotz eher dürftigem Sound (sonst war der eigentlich von hohem Niveau) rockte das Material saumäßig, und einen beinahe dauerblastenden Drummer, der sich voll dem Bangen hingibt, sieht man nicht alle Tage. Yeah, EEEENDSTILLEEE!

ABORTED zeigten uns dann ein amtliches Brett Brutal Death, das wirklich ordentlich abging – die bösen Belgier haben es definitiv drauf. Verzückt von technisch ausgefeilten und abwechslungsreichen Hits von der aktuellen Cd „The Archaic Abattoir“ und den älteren Schandtaten der Blutfreaks heizte das Publikum einen Pit an, um zu zerstörerischsten Moshteilen exaltiert abzugehen. Auch eine sehr gute Band! Die rauschebärtige Underground-Legende Paul „the man“ Speckman und seine MASTER boten dann old schooligen Rock n’ Roll pur, und obwohl der Meister des Bartbangens wie gewohnt über seine finanziellen Nöte und die zu lahmen Plattenverkäufe maulte, war die Stimmung sehr relaxt und ausgelassen. „Hope you’re having a good time… I do.“ Doch, hatten wir!

Bei CARNAL FORGE wurde es wieder moderner und aggressiver: Harter, treibender Death-Thrash und spaßige, gut gelaunte Typen: Der dicke Glatzkopf mit dem einen Zöpfchen sah sehr eigenwillig aus, und mit den Rastas des Vokalisten könnte man einen perfekten Türvorhang konstruieren. Könnte man, im Dauer-Bang-Einsatz sind sie aber wohl besser aufgehoben. Die Energie war definitiv mit CARNAL FORGE. Auch PRIMORDIAL, die Folk-Blacker aus dem metalmäßig zumindest meines Wissens wenig erschlossenen Irland, boten mit wilder Bemalung und eigenwilligen Titeln eine hübsche Show. Aber da war das Kaltenbach 05 auch schon fast wieder zu Ende ...

... Zeit für den Samstags-Headliner aus dem Triumvirat des deutschen Ur-Thrashs, und zwar die Legende DESTRUCTION. Und tatsächlich wurde neben neueren Kompositionen auch kräftig in der 80er Jahre-Kiste gewühlt, um Stücke wie „Mad Butcher“ oder „Total Desaster“ auszugraben. Da hieß es natürlich noch einmal kräftig abrocken. Schmier meinte zwar ganz bescheiden “Waren viele gute Bands hier auf Kaltenbach, Black, Death ... wir sind halt nicht so hart, nur Thrash ...“, aber so ist das nun auch wieder nicht – DESTRUCTION waren eigentlich genau richtig für die Zeit. Und diese war fortgeschritten: Fast halb drei wurde es bis zur letzten Thrash-Vollbedienung, und gegen Ende begann die Menge auch zu bröckeln, was ein bisschen schwach war... der Platz leerte sich jetzt ziemlich bald, einige Unermüdliche trieben dennoch konsequent auf die Spitze, was ohnehin schon ein Fest war, das man lange in ehrfürchtiger Erinnerung halten wird: das Kaltenbach 2005.


FOTOS + E-CARDS
www.kaltenbach-openair.at

marian
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Beitrag vom 24.07.2005
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