A TRIBUTE TO BAUER ANNI - RIEFENSTAHL   EYE OF BETRAYER    GALLERY OF SOUND   MIDGARD (NÖ)      
10.06.2005 @ Fred Sega

Während an diesem Wochenende erstmals das binnen weniger Monaten quasi aus dem Boden gestampfte NOVA ROCK-Festival im burgenländischen Pinkafeld seine Besucher mit Shows von einer illustren Runde ausgewählter Megastars zu verwöhnen verstand, und gleichzeitig das DEVIL DAYS-Underground-Happening in NÖ(EARSHOT berichtet) eher Stoff für Freunde der härteren Gangart anbot, wurde von den Mitgliedern der Band EYE OF BETRAYER einmal mehr ein eher intimes Konzerterlebnis im überschaubaren Rahmen kredenzt: Als Austragungsort kam natürlich nur das Musicpub Fred Sega in Frage, wo die Formation schon so manches triumphales Highlight erleben durfte: Ein echtes für die Betrayers Heimspiel eben.

Neben zwei namhafte heimische Gruppen, wurde das Billing gar mit einer international agierenden Gruppe aus Deutschland deutlich aufgewertet, die sich just zu diesem Zeitpunkt auf Tour befand, und auf der Fahrt zu ihrer Show im Wiener Monastery, einen Zwischenstopp in Wels einlegte. Bedingt durch die von den Verantwortlich bei Gott nicht angestrebte Terminkollision mit o.a. Events bzw. einer wohl etwas zu spät angelaufener Promotionphase im Vorfeld des Gigs, blieb der erhoffte Andrang mit insgesamt 62 Zahlenden zwar leider aus, aber der Verfasser hat schon wesentlich schlechter frequentierte Shows im Fred Sega miterlebt.

Den Reigen eröffnen durften MIDGARD UPGRATED aus Wiener Neustadt, derer Anfänge bis ins Jahr 1991 zurückreichen, wenngleich man sich zwischenzeitlich auch eine mehrjährige Verschnaufspause gönnte. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor Ort, aber Anwesende berichtet von einer durchaus gelungenen Darbietung der Veteranen, deren Stil im Schnittpunkte der Stile Death- und Black Metal anzusiedeln ist, wobei man ein Augenmerk darauf legt, nicht in ein ödes Knüppelmassaker abzugleiten, sondern auch ausreichendes Maß an Melodieanteilen sicherzustellen, um den Stücken ein Mehr an Atmosphäre zu verleihen.

Rechzeitig zur Performance von GALLERY OF SOUND traf ich auch endlich ein, die Besucherkulisse fiel jedoch noch immer äußerst spärlich aus. Egal, die vier Jungs samt Sängerin trugen es mit Fassung, und zogen ihre Show ohne jegliches Wehklagen über mangelhaftes Feedback bedingt durch das Fehlen einer größeren Audienz durch. Das Programm umfasste naturgemäß vorwiegend Songs von der aktuellen CD „Hegemony“, die sogar im letzten Metal Hammer lobend Erwähnung fand. Tja, und solche Metalexperten können freilich nicht so falsch liegen mit ihren Einschätzungen, der Name GALLERY OF SOUND bürgt jedenfalls für progressiv-melodischen Power Metal (inkl. massiver Keyboarduntermalung), und das auf einem erstaunlich hohen Niveau: Trotzdem wird meines Erachtens das Riesenpotential, das dank der spieltechnischen Fähigkeiten der Akteure in dieser noch jungen Band schlummert, bei den Kompositionen auf erwähnter CD noch nicht vollends ausgeschöpft, aber ich bin guter Dinge, dass es früher oder später gelingen wird, dieses auch abzurufen, und entsprechend umzusetzen. Nichtsdestotrotz ein grundsolider Gig!

Danach bestiegen die Lokalmatadore von EYE OF BETRAYER die kleine Fred Sega-Bühne: Vor ziemlich genau vier Jahren fand hier an dieser Stelle die erste öffentliche Darbietung der Welser überhaupt statt, und einige Besetzungswechsel sowie unzählige Shows später gehören EYE OF BETRAYER nicht nur zu den besonders gerne gebuchten Vertretern der metallischen Zunft in Oberösterreich, sondern genießen bereits auch osterreichweit einen ausgezeichneten Ruf, da man längst auch in Wien, Graz oder Salzburg danke mitreißender Gigs Fans rekrutierte. (Kürzlich stand gar ein Gastspiel in Bayern auf dem Spielplan.)

Dementsprechend versiert und nicht minder abgeklärt zeigte man sich der Menschenmenge, die in diesem Zeitraum wohl ihren Höchststand an diesem Abend erreicht hatte. Natürlich boten die Gothic/Dark Metaller ihren Fans so manche Kostprobe aus ihrem Debutalbum vom Vorjahr „Reflections of Despair“ (u.a. „Toad`s Tools, „Saviour Syndrom“, „The Warlocks brave bride” usw.) und natürlich durfte auch die altbewährte und längst schon als unumgänglich Fixpunkt der Setlist wahrgenommene EAV-Coverversion „Liebe, Tod, Teufel“ (Nachdem man sich bei Eberhartinger und Co. bereits die Rechte sicherte muss diese Nummer endlich auch einmal auf CD gepresst werden!!), aber auch neue Stücke wie „Xenopobia“ oder „Benedictus“ belegten, dass man die letzten Monate keineswegs auf der faulen Haut gelegt war, sondern eifrig im Proberaum neuem Material feilte. Mit „Autumn“ überraschte die Band gar mit einer fast schon balladesken Nummer. Als krönenden Abschluss wurde im Zugabenblock den Fans zu guter Letzer der Beitrag zur "BACK IN TIME- A TRIBUTE TO RAGE"-Compilation, nämlich das Medley "Fading Hours/Take Me To The Water" vorgestellt.

Mittlerweile war schon längst ein neuer Tag angebrochen, und viele BesucherInnen dementsprechend übermüdet bzw. gar heimgehwillig, als RIEFENSTAHL endlich ihre Show starteten. Wer mit den Namen RIEFENSTAHL verständlicherweise die bekannte gleichnamige Regisseurin Helene „Leni“ Riefenstahl assoziiert, die mit ihrem Propagandafilm „Triumph des Willens“ mithalf, die Begeisterung der Bevölkerung für das NS-Regime zu entfachten, dem sei erklärt, dass die im Sommer 2002 formierte Band aus Celle diesen Namen lediglich wählten, weil er aus ihrer Sicht die Musik am besten charakterisiert: Eben ein Sound hart wie Stahl, aber nicht zu glatt, sondern vergleich mit einem Stahl mit Riefen. (Riefen= Fuchen) Mit rechtem Gedankengut haben die Deutschen also nichts zu tun, und dieses Vorwurf wird ihnen auch niemand ernsthaft machen, der sich mit mit deren Konzept (Musik u. Texte) näher auseinander gesetzt hat.

RIEFENSTAHL zeigten sich von der Tatsache, dass sie in Wels vor allem bedingt durch die Uhrzeit quasi fast vor Ausschluss der Öffentlichkeit aufzutreten hatte, völlig unbeeindruckt, und rockten, als gäbe es kein Morgen. Gerade mal etwas mehr als Dutzend Fans verfolte das Treiben auf der Bühne, und höchtens ein Drittel der Audienz zeigte entsprechende Emotionen.

Die Formation aus der Nähe von Hannover vertraut auf einen Sound, der wohl am ehesten mit dem musikalischen Erscheinungsbild von Gruppen wie OOMPH!, MEGAHERZ (mit der die Band kürzlich auch tourte)oder zum Teil auch den ONKELZ zumindest eine gewisse Vergleichsbasis aufweist. Das bedeutet: Kraftvoller, aber auch hymnischer, und vor allen Dingen äußerst vielschichtig strukturierter Metal/Rock (Manche nennen diesen Sound auch "Neue, deutsche, Härte") mit deutschsprachigen Lyrics, der mit einem Höchstmaß an Leidenschaft vorgetragen wurde. Das Debutalbum „Seelenschmerz“ erschien bereits im Mai dieses Jahres, und enthält jedenfalls mit Tracks wie "1001 Nacht", "Ich will dich nicht mehr" oder "Erhöre Meine Worte " jede Menge hochwertigen Stoff für die Ohren, und ein Großteil der Nummern wurde freilich auch live vorgestellt. Als besonders hervorstechend erwies sich das Stageacting von Frontmann Jensch Esch, der sich wirklich jeden Song hineinfühlte, und diesen mit passender Mimik und Gestik unterlegte, und dabei ähnlich psychopatisch anmutende Grimmassen zu schneiden imstand war, wie sein Kollege Dero von OOMPH!. Aber auch sein breites Gesangsspektrum verhilft den Stücken zu mehr Klasse, weil er es eben auch versteht, sein Organ überaus variabel einzusetzten.

Obwohl sich das Feedback der wenigen Verblieben denkbar in Grenzen hielt, erwiesen sich RIEFENSTAHL als durchaus professionelle Band, die darauf verzichtete, das einstudierte Set auch nur um nur einen einzigen Song zu kürzen. Im Gegenteil: Man behielt bis zum Ende der Show den Fuss am Gaspedal, als ob sie eine riesigen Menschenmenge zu unterhalten galt, ehe man sich mit einigen Fans auf Tuchfühlung begab, wo sich besonders der auf der Bühne so grimmig wirkende Frontmann als überaus sympathischer Zeitgenosse entpuppte.

Nachsatz: Schade nur, dass viel zu viele Menschen noch immer dem alten Leitsatz „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ nachhängen, und lieber altbekannte, von Funk und Fernsehen gepushte Megaseller ihre Aufmerksamkeit schenken, anstatt sich mit qualitativ fast oder gar mindestens gleichwertigen , aber eben weniger bekannten Grupen zu beschäftigen, die sich bei Gott mehr Interesse verdient hätten. In diesem Sinne: Warum in der Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Support you local talents!


Hutti
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Beitrag vom 24.07.2005
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