WACKEN OPEN AIR 2005 - TAG1: MACHINE HEAD   APOCALYPTICA   GOREFEST   OBITUARY   SONATA ARCTICA   MORGANA LEFAY   NAFGLFAR   ILLDISPOSED  
05.08.2005 @ Festivalgelände Wacken

Freitag stellte eindeutig den wettermäßigen Tiefpunkt des heurigen Events dar. Nach einer nennen wir es durchaus kühlen Nacht ließ sich ein verregneter Tag an. Den Fans war das schlicht und ergreifend schnurz und die Bands, die von den trockenen Bühnenbrettern aus rockten, taten ihren Teil, den Fans ordentlich einzuheizen. Um das Ganze dem Erlebten etwas näher zu bringen, gibt´s in periodischen Abständen einen Wetterstatus ;-) [Gore]

NAGLFAR, Status: Regen.
NAGLFAR, die mit ihrem aktuellen Album "Pariah" ordentlich durchstarten dürften, mimten vor schwarzem Himmel bei leichtem Regen den Opener auf der Black Stage. Erstaunlich ausgeschlafen, aber mit einem dürftigen Sound ausgestattet (etwa unausgeschlafener Soundtechniker?) knallten die fünf Schweden den bereits zahlreich anwesenden Fans einen Querschnitt durch die bisherigen Veröffentlichungen vor den Latz. Highlights waren dabei zweifelsohne "A Swarm Of Plagues", der Opener des aktuellen Albums, und "I Am Vengeance" vom Vorgängeralbum "Sheol". [Gore]

MORGANA LEFAY, Status: drohende Wolken, kein Regen.
Eines meiner persönlichen Highlights stellten die Power Metaller von MORGANA LEFAY dar. Nach dem leider soundtechnisch schwachen Gig von NAGLFAR walzten die fünf jedes Ohrenpaar platt, das sich ihnen bereitwillig in den Weg stellte. Jeder Ton war an der richtigen Stelle. Eine tighte und energiereiche Performance tat ihren Teil dazu, die Show zum Inbegriff für deren Stilbezeichnung zu machen. Den Gipfel erreichte die Stimmung zweifelsohne beim lautstark geforderten "Maleficium", bei dem die Menge das erste Mal an diesem Wacken-Freitag zu einem beachtlichen Chor animiert werden konnte. Wer sich diese Band auf der kommenden Tour entgehen lässt, ist selber Schuld. [Gore]

Nachdem ich NAGLFAR dezent verpennt hatte, rückte ich für die schwulen Dänen von ILLDISPOSED an. Ja, was soll ich sagen? Immer wieder lustig! Die unvergleichlichen Kommentare Bos (der vor dem großen Publikum natürlich gleich noch mal so motiviert gebrochen-deutsch Blödsinn verzapfte), die groovige, melodische und abgehtaugliche, aber dennoch drückend schwere Musik – alles passte. Zwar auch gerade erst auf dem Kaltenbach gesehen, aber ILLDIPOSED geht immer wieder! [Marian]

SONATA ARCTICA, Status: ähm, Scheiße, es regnet (schon wieder)!
Das gleiche Problem wie mit NIGHTWISH hatte ich mit SONATA ARCTICA. Nach drei Hammeralben fuhr die Kommerzdampfwalze über die Songs der Band drüber. Das Ergebnis ist relativ gleichförmiges Material, das den Kick, den die Erstlingswerke hatten, nicht im Ansatz rüberbringt.
Auf Songs wie "Wolf & Raven" wartete nicht nur ich vergebens. Immerhin wurden zwei Songs vom letzten Album "Winterheart´s Guild" ausgepackt. Diese zeigten die trotzdem vorhandene Klasse der Band. Sound und spieltechnisch gab es überhaupt nichts zu bemängeln und die Fanreaktionen gaben den Finnen ebenso recht. So überirdisch gut die alten Songs rübergekommen, so schal war allerdings auch mein Gesamteindruck. Ich werde scheinbar alt - früher war alles besser, auch der SONATA ARCTICA-Gig am W:O:A 2003. [Gore]

Der Freitagnachmittag im Wet Stage-Zelt gehörte dem Metal-Battle-Contest: Vier Bands, namentlich SNAKE EYE, GORILLA MONSOON, HATEDRIVE und SINNERS BLEED, hatten sich in mehreren Vorausscheidungs-Runden aus der Masse hervorgearbeitet, und durften jetzt auf der Wackener Kultstätte den frühen Nachmittag beackern. Ich sah mir SINNERS BLEED an, ihres Zeichens technisch deathende Berliner, von denen gesagt wird, sie seien wohl die einzigen im Lande, die mit den allmächtigen NECROPHAGIST mithalten könnten. Musste also sein! Nun ja, so arg verfrickelt sind SINNERS BLEED dann doch nicht, aber auf jeden Fall mächtig gut drauf an den Instrumenten, und weit davon entfernt, irgendwelche Gefangenen zu nehmen! SUFFOCATION sind ein naheliegender Vergleich (und siehe da, Sänger Frank Mullen und Drummer Mike Smith von denselben waren auch da, um sich den Spaß anzusehen), dazu ein leicht thrashiger Einschlag – sollte man im Auge behalten, bei SINNERS BLEED ist einiges drin! Es soll allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass der Sound der Wet Stage dermaßen Gurke war, dass mein Urteil über die Band eher auf der Kenntnis ihrer Platte „From Womb To Tomb“ fußt, als auf diesem Auftritt, obwohl es den Jungs an Motivation nicht gefehlt hat – schade! [Marian]

BLOODBATH folgten, und die Stimmung wurde düsterer – Old School-Allstars aus Skandinavien wissen, wie Death Metal geht. Zwar ohne den auf der Platte mitmischenden Peter Tätgren, aber mit Dan Swanö (Gitarre, EDGE OF SANITY, NIGHTINGALE, uvm.) Jonas Renske (Gitarre, KATATONIA) und Martin Axenrot (Bass, unter anderem WITCHERY, NIFELHEIM), und mit Wumms und Zack, zum Bangen sehr motivierend. [Marian]
[Herr Kollege und was ist mit Chef-Grunzer Mikael Akerfeldt (OPETH)? Ach ja eins gehört meiner Meinung nach noch angemerkt: der Sound hat 1:1 so geklungen, als säße der gute Tomas Skogsberg (ENTOMBED, DISMEMBER, GRAVE, uvm.) hinter den Reglern. Sowohl der Gitarren- als auch der Drumsound klang vollkommen wie auf den von dem illustren Schweden aufgenommenen Genre-Klassikern. Prädikat: saugeil! - Anm. Gore]

OBITUARY – das ist wohl DIE Death Metal-Reunion des Jahres, und die Spannung auf die Old-School-Tiere aus Florida war dementsprechend groß. Aber die große Hingabe der Fans schien nicht so ganz mit der Band zu sein – schon klar, dass eine Band zu im Lowtempo walzendem Death nicht herumspringt wie die Blöden, aber eine derart statische, um nicht zu sagen: lethargische Bühnenpräsenz habe ich auch erst selten gesehen. Selbst John Tardys einzigartige Growls kamen zwar makellos, aber scheinbar nicht sonderlich motiviert daher – und ich musste immerzu an die letzten Interview-Aussagen OBITUARYS denken, sie seien heute keine Kiddies mehr, die für ein Butterbrot um des Spaßes willen zocken, sondern wollten mit ihrer Musik auch Geld verdienen. Pfuh, wo bleibt der Spirit? Aber, seltsamerweise und allem Gelästere zum Trotz: Irgendwie waren OBITUARY trotzdem geil .... [Marian]

MACHINE HEAD, Status: geschafft, Regen vorbei, endlich wolkenlos - das Festivalgelände ist eine einzige Gadschlandschaft.
Mit MACHINE HEAD zauberte das W:O:A-Team auf das bis zu dem Zeipunkt im Vergleich zu anderen Festivals etwas lahm wirkenden Line Up einen ordentlichen Headliner ins Billing. Rob Flynn und seinen Mannen hatten daher knappe eineinhalb Stunden Zeit der Menge ordentlich Gas zu geben. Hörbar bereits leicht angeheitert wurde er es auch müde x-fach zu betonen, dass die Band stets vom W:O:A gelesen habe, und es die größte Ehre sei, nun den live Einstand feiern zu dürfen. Das taten die vier mit "Imperium", auf das gleich "Take My Scars" folgte. Nebst "Davidian", "Old" und "Block", den drei Knallern von legendären Debutalbum, die nie fehlen dürfen, versuchte man sich auch auf gelungene Weise an der Ballade "Descend The Shades Of Night" vom aktuellen Album. Auf die übliche Session mit Coversongs musste auch diesmal niemand umsonst warten, wobei neben den fast obligatorisch angespielten Clubhits "Walk" bzw. "A New Level" von PANTERA sowie "Territory" von SEPULTURA auch MAIDENs "The Trooper" wieder mal ausgegraben wurde und mit "Creeping Death" von METALLICA ein zumindest für mich neues Cover im Hause MACHINE HEAD auf dem Plan stand. Indem sich das Wetter normalisiert hatte, die einsetzende Dunkelheit die Lichtshow besser zur Geltung kommen ließ und auch der Sound angemessen gut war, war Konzertspaß schon fast vorprogrammiert. [Gore]
[Wahrlich, die Neo-Thrasher MACHINE HEAD rockten das Haus, beziehungsweise das Matschfeld, wie es sich geziemt! Pure Freude am schweren Metall, zwar mit tendenziell moderneren Elementen (wie der cleane Gesang Robert Flynns, mit dem ich nicht so viel anzufangen weiß), aber zu 100 Prozent eierbehangen. Die Coverorgie von METALLICA über SEPULTURA bis zu den seligen PANTERA ließ mich fast schon sentimental werden – aber bei einer Band wie MACHINE HEAD wirkt das eben nicht wie billiges Geklaue oder eine Anbiederung an heilige Größen, sondern einfach als ein ehrliches Bekenntnis. - Anm. Marian]

Der rätselhafte Surprise-act entpuppte sich als STRATOVARIUS, zurückgekehrt und wieder eine Band, nachdem der einer schweren Depression anheim gefallene Timo Tolkki medizinisch wieder halbwegs instand gesetzt worden ist. Da war die Freude unter den True Metallern freilich groß, aber bei gerade einmal zwanzig Minuten Spielzeit kann man doch nur von einem Häppchen sprechen. [Marian]
[Genau gesagt waren es drei dürftige Songs - "Hunting High And Low", "Black Diamond" und ein Stück das mir ..ähm.. entfallen ist - Anm. Gore]

APOCALYPTICA präsentierten Bombast-Gegeige vom Feinsten: Wuchtig, mächtig, stimmungsvoll, und zum Glück ohne irgendwelche Gastsänger, die alles versauten, hehe … Die stimmlichen Aufwertungsversuche, zu denen sich APOKALYPTICA im Laufe ihrer Diskographie haben hinreißen lassen, mag ich nämlich fast durch die Bank gar nicht, ich finde sie reichlich unnötig und meist einfach unpassend. Aber so, als rein instrumentelle Faust - ein tolles Spektakel! Treibende, dezent schlicht gehaltene Schlagzeugarbeit, und dazu der unvergleichliche Klang vierer Celli – APOCALYPTICA sind längst um Welten mehr als ein spaßiger „spielen wir doch Metal auf klassisch“-Gag, sondern eine einzigartige Band, die live sehr gut funktioniert. [Marian]

GOREFEST, Status: kaum zu glauben, vor der Party Stage fand sich doch echt ein Fleckchen Wiese, welches noch wie eine solche aussah und (noch) nicht der allgemeinen Verschlammung erlegen ist...
Die Band, auf die ich auf dem diesjährigen W:O:A wohl mit der größten Spannung gewartet habe, waren auf jeden Fall die wiedervereinigten Holländer GOREFEST. Nach der Veröffentlichung des fünften Albums, "Chapter 13", war es ruhig um die Band geworden, bevor vor einem knappen Jahr in Form der Wiedervereinigungsnachricht die Sensation perfekt war. Alben wie "False" und "Erase" haben die Band zu einer der angesagtesten in der Death Metal-Welt der frühen 90er gemacht. Extrem spielfreudig, spieltechnisch topfit und mit einem Hammersound konnte das Comeback rundherum jeden begeistern. Eine unnötige Bierbecherweitwurfaktion, auf Grund der Leadgitarrist Boudewijn sein Spiel unterbrechen musste, um den Hals der Gitarre abzutrocknen, war das einzig negative an diesem Auftritt. Nachdem von "Confessions Of A Serial Killer" und "From Ignorance To Oblivion" über "Erase" bis "Chapter 13" alle Schaffensperioden abgedeckt wurden, (was ja damals auf der Tour mit JUDAS PRIEST Anno 97 ganz und garnicht Fall war) wurde den Kritikern von vorherein jede Grundlage für maulende Töne genommen. Ganz klar eines der drei Highlights des heurigen W:O:A. [Gore]

SAMAEL, Status: die Wolken haben Platz gemacht - Platz für die astralen Klänge und dazu gab es oberhalb der Bühne in etwa das Cover des vorletzten SAMAEL-Albums - kurz: Wacken sternenklar.
Nicht nur für mich als schon leicht mitgenommenen Rezensenten stellten SAMAEL einen angenehmen Ausklang dar. Im Vergleich zu einigen anderen Truppen legten die vier ihren Gig bereits vor einer etwas gelichteten Masse (nur mehr ein "paar" tausend Fans hehe) hin und begrüßten diese gleich der Uhrzeit (2:15) entsprechend mit "Guten Morgen!". Gut aufgelegt spielten sich die Schweizer durch eine dreiviertel Stunde. Sie zogen einen Schlussstrich unter dem regenreichen, anstrengenden Tag mit allem, was seit "Baphomets Throne" gut war. "The Cross" gab es daher ebenso wie "On Earth" vom aktuellen Album und den einen oder anderen Track vom "Passage"-Album. Übrigens in diesem Rahmen machte der Text von "On Earth" durchaus Sinn, da die Anzahl der Nationalitäten, die auf dem W:O:A zusammenfinden, ihresgleichen sucht. Ich hätte mir kein bessereres Ende vorstellen können, zumal sich beim letzten SAMAEL-Gig auf dem W:O:A 1997 gezeigt hatte, dass die elektronische Musik der Eidgenossen mit der passenden Lichtshow im Dunklen einmalig ist. Ein sphärisches Ende... [Gore]
www.wacken.com/

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Beitrag vom 29.08.2005
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