RUISROCK 2005 - SAMSTAG - MIT HIM   SENTENCED   SONATA ARCTICA   UVM.  
09.07.2005 @ Ruissalo - TURKU

Der zweite Tag startete mit wohl perfektem Wetter für solch’ eine Art von Festival. Sonnenschein und wolkenloser Himmel führten dazu, dass sich der Strand bei der Seebühne füllte und das kühle Nass zum Schwimmen genutzt wurde. Vielmehr hatte es meist den Anschein, dass für viele der Besucher die auftretenden Bands nur positiver Begleiteffekt war und sie in erster Linie zum Schwimmen, Essen, Abfeiern und Schlafen vor Ort waren. Ganz konnten wir das bei 80€ Eintritt für das Dreitagesticket und den doch sehr hohen Preisen für Nahrung und Alkohol nicht nachvollziehen. Doch nun wieder zur musikalischen Seite.
Den Anfang für unseren zweiten Tag machten SONATA ARCTICA, die mit ihrer Form des Heavy Metal wie immer voll überzeugen konnten. Auch die doch relativ frühe Spielzeit konnte die Besucher nicht davon abbringen dem Auftritt beizuwohnen und gehörig Stimmung zu machen. Die Band rund um Ausnahmesänger und Songschreiber Tony Kakko legte wiedermal einen Auftritt hin, der zeigte warum sie zu den ganz Großen ihres Genres gehören. Wer sich davon noch nicht überzeugen konnte, sollte das schleunigst auf ihrer anstehenden Headliner-Tour nachholen. Um 16:50 setzte dann Trauermusik ein und die Trauergemeinde zog ein, um eines der großen Aushängeschilder finnischen Metals zu Grabe zu tragen. Für mich boten SENTENCED an diesem Nachmittag wohl den besten Auftritt ihrer leider zu Ende gehenden Karriere und der Einmarsch inklusive Sarg machte den Anfang einer Show, welche dem letzten Aufbäumen eines Im-Sterben-liegenden vor seinem Tode glich. Besonderes Flair erhielt der Auftritt durch die zahlreichen, meist sarkastischen Statements von Ville Laihiala, was durch den hohen Bierkonsum des Frontmanns noch gefördert wurde. Musikalische Höhepunkte waren Songs wie „Nepenthe“, „Bleed“, „The Rain comes falling down“, „No one there“ und Tracks des neuen und letzten Geniestreichs wie „Ever-Frost“ und „Vengeance Is Mine“. Beendet wurde das Set mit „End Of The Road“ und dem Abzug der Mannen aus Oulu.
Mit KOTITEOLLISUUS war eine weitere interessante finnische Band am Start. Verstärkung am Keyboard fanden sie an diesem Nachmittag in Tuomas Holopainen (NIGHTWISH). Die Formation hat ein Gespür für eingängige Refrains, die sie geschickt in die metallisch harten bis rockigen Songs flechten. Die in ihrer Muttersprache vorgetragenen Vocals runden alles ab und bilden ein überzeugendes Bild. Mit sieben veröffentlichten Alben gehört man hierzulande auch schon lange nicht mehr zu den unbekannten!
Der Traum vieler, meist weiblicher Festivalbesucher wurde dann wahr als Jonne Aaron und Konsorten aka. NEGATIVE die Bühne betraten. Stellte ihr Erstling noch eine Mischung aus melancholischen und Rock’ n’ Roll Songs dar wurde beim Zweitwerk eine leichte Kurskorrektur vorgenommen. Anno 2005 tendiert man jetzt mehr zu melancholischem Rock, der oft schon fast poppig rüberkommt. Großes Vorbild der Jungs sind HANOI ROCKS und gleich ihren Vorbildern weiß man sich gekonnt, man möchte schon fast sagen in Boybandmanier, zu präsentieren. Für die harten Metaller war diese Ladung Glamrock wohl nicht mehr erträglich, umso mehr für die massenhaft schwelgenden Mädchen, die am Ende des Konzertes mit Rosen von der Band bedacht wurden. Wer dennoch Interesse hat sich die Mixtur aus GUNS’N’ROSES & „Boybandflair“ einmal live zu erleben kann das beim anstehenden Österreich-Gig in der Wiener Arena erledigen.
Der Tag neigte sich langsam aber doch dem Ende zu und CMX, die Band von der behauptet wird, jeder Finne kann zumindest einen Longplayer der Band sein Eigen nennen, läuteten das Abendprogramm ein. Die Band zu beschreiben oder zu charakterisieren ist kein leichtes Unterfangen, ist die Musik der Band doch vielschichtiger und variabler wie die kaum einer anderen Band. Während der letzten Alben und auch auf den einzelnen Scheiben wird von akustisch melancholische, über elektronische, rockige bis metallische Strukturen alles verarbeitet und mit finnischem Gesang versehen. Jeder, der sich einmal genauer mit finnischer Musik auseinandersetzen will kommt an der, seit mittlerweile 20 Jahren bestehenden Band nicht herum.
Die auch in unseren Breitengraden mittlerweile nicht mehr unbekannten THE 69 EYES waren als nächste an der Reihe und wurden während ihres Auftritts von keinem Geringeren als Bam Margera als Zuseher vom Bühnenrand beehrt. Der Auftritt der selbsternannten Vampire aus Helsinki war zumindest auf der Bühne nicht besonders aufregend. Hier wäre ein wenig Abwechslung auf der Bühne wünschenswert, denn mit der Dauer wird die Selbstdarstellung von Sänger Jyrki 69 auf der Bühne uninteressant. Abseits sorgte ein nackt tanzender Zuseher schon mehr für Aufsehen.
Unsere letzte Station vor dem Headlinerakt waren MOKOMA, die „finnischen SLAYER“. Wie auch schon auf ihren vergangenen Konzerten konnte mich die Band wieder umhauen. Sie schaffen es live immer wieder eine Energie zu entfesseln, dass es nur ein Spaß ist ihnen zuzusehen. Der zwischen hart und clean wechselnde Gesang von Sänger Marko passt sich den zwischen melodischen Gitarrenleads und Blast-Passagen variierenden Songs an, genau wie das Stageacting. Für mich gehören sie jedenfalls definitiv zu den besten Livebands, die ich bisher gesehen habe.
Als Headliner und Abschluss des zweiten Tages betrat His Infernal Majesty und seine Mitstreiter die Bühne. Mit kurzen Haaren und als frisch Verlobter, was man ihm auch den ganzen Auftritt lang ansah, da er mit seinem überglücklichen Lächeln einfach nicht aufhören konnte. Das gespielte Repertoire umfasste die Hits der bisherigen Alben und einem Song des kommenden Albums, welches mit den Worten: „Dieser Song ist für alle, die sich gestern verlobt haben“ angesagt wurde. Bühnentechnisch gesehen eine normale HIM-Show ohne besondere Vorkommnisse.
Bleibt abzuwarten, in welche Richtung das neue Album gehen wird…

In Zusammenarbeit mit Kristina


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www.ruisrock.fi

Harald
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Beitrag vom 10.09.2005
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