RUISROCK 2005 - SONNTAG - MIT PARADISE LOST   WITHIN TEMPTATION   HANOI ROCKS UVM.  
10.07.2005 @ Ruissalo - TURKU

Ein wenig von der vergangenen, doch recht langen Nacht angeschlagen, konnte mit APULANTA der letzte Tag beginnen. Im Gegensatz zu den normalen Auftritten der Band, wo während des Auftritts auch mal eine Geschichte in Form eines Rollenspiels, inklusive Verkleidungen natürlich, aufgeführt wird (Tammerfest 2003) wurde an diesem Tag „nur“ ein normaler Auftritt mit „normaler“ Bühnenshow abgeliefert. Nichtsdestotrotz machte der Auftritt gehörig Spaß und die Band mit dem Goldhändchen für Platinveröffentlichungen wurde mächtig abgefeiert. Auch textlich zeigten sich die Fans sattelfest und so wurde eifrig bei den Pop/Rock/Punk-Songs mitgesungen. Anschließend zeigten die finnischen Urgesteine von HANOI ROCKS, dass man auch in vorgeschrittenem Alter eine agile Bühnenshow an den Tag legen kann, an welcher sich Einige was abschauen könnten. Ganz zum Leid der Security legte Sänger Michael Monroe zwischen diversen Kleidungswechseln einige Sprünge in den Zuschauergraben und Klettereinlagen auf der Bühnenkonstruktion hin. Auch der Griff zum Saxophon wusste bei den Songs zu überzeugen. Ein Hingucker ist auch immer wieder Gitarrist Conny Bloom mit seiner verkehrter gespielten Gitarre.
THE HIVES läuteten dann den Schwedendoppelpack ein und legten einen souveräner Auftritt auf der Hauptbühne hin, der die Massen mitreißen konnte. Mir persönlich fehlte etwas die Abwechslung in den Stücken und auch in der Bühnenshow, doch Geschmäcker sind verschieden. Die Landsleute von den HELLACOPTERS konnten mich dann schon mehr überzeugen, wobei sie zu Zeiten ihres Debüts noch mehr abgingen. Aber alles in allem eine solide Angelegenheit und gute Unterhaltung.
Nach einer kleinen Pause am Meer kam dann langsam der Abschluss des Tages und WITHIN TEMPTATION enterten als letzte Band die Seebühne und überzeugten die Zuschauer mit Songs der letzten beiden Alben. Vom neuen Album „The Silent Force“ wurden unter anderem die Singleauskopplungen „Memories“ und „Angels“ gespielt. Ein Auftritt ohne Schwächen, jedoch auch ohne besondere Überraschungen. Dies ist vielleicht einer der Schwachpunkte der Band, der noch ausgemerzt gehört, die Konzerte der Niederländer bieten zu wenig Abwechslung, kennt man einen Auftritt, kennt man alle.
Headliner des dritten, und letzen Festivaltages waren die für VELVET REVOLVER eingesprungenen Engländer von PARADISE LOST. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, die zum einen an der Helligkeit und zum anderen an der immer mehr schwindenden Zuschauer Zahl lag, starteten die Briten um Mastermind Nick Holmes doch noch durch und boten eine ordentliche Show, welche eine Mischung aus älteren Stücken aus der „Icon“- Zeit, Songs des neuen Albums und den Hits „One Second“, „Erased“, „So much is lost“ u.a. bot. Alles in allem kann man von einem gelungenen Auftritt sprechen und die Band hat definitiv wieder zu alten Stärken zurückgefunden und hätte sich von seitens des Publikums durchaus mehr Resonanz verdient.

FAZIT: Wem es 80€ wert ist nur wenige der Bands zu sehen, oder diese nur von weit hinten über die Leinwände zu betrachten und dafür den Fun - Faktor den man durch Schwimmengehen, Bungee-Jumping und Karaokesingen mehr in den Vordergrund stellt, hat mit dem RUISROCK sicher eine gute Wahl getroffen. Wem es aber um die Bands geht, der wird sicher bald feststellen, dass die Infrastruktur nicht wirklich den Menschenmassen angemessen ist und es leider zumeist kein Durchkommen gibt und man nur angefressen ist, da man Auftritte verpasst oder kaum etwas sieht.
Negativ fiel besonders die Organisation auf, zumindest wenn man vorrangig möglichst viele Bands in nüchternem Zustand erleben wollte. Die Anreise zum Gelände betrug in etwa 1 Stunde (20 Minuten Busfahrt von der Stadt aus & gute 40 Minuten Fußmarsch in schnellem Tempo). Um es mit den Worten des TURMION KÄTILÖT-Sängers zu sagen: „Eine Stunde um Freunde zu treffen und sich anzusaufen“. Aus meiner Sicht ist es eher weniger lustig sich fast eine Stunde auf einem engen Pfad durch teils kaum noch des Gehens mächtige Leute zu schlagen, aber das ist auch wiederum Ansichtssache.
Als weiterer Kritikpunkt wäre der zeitliche Festivalablauf zu nennen. Die lange Anreise in Verbindung mit der langen Dauer der einzelnen Tage (von 12 Uhr bis zwei Uhr früh) war doch sehr ermüdend und so war man nicht gerade motiviert sich gleich am nächsten Morgen erneut in die Schlange vor dem Einlass zu stellen. Ganz nachvollziehbar war es uns auch nicht, warum es möglich war die kleineren Bands am Nachmittag schön gestaffelt spielen zu lassen und sich die Spielzeiten aller größeren Bands dann zeitlich überschnitten. Fragen über Fragen, die unterm Strich das RUISROCK wohl nicht nochmals eine Reise Wert machen werden.
Am unverständlichsten war uns, wie es den Veranstaltern möglich ist schon seit Jahren in einem NATURA 2000 Schutzgebiet (Anm.: NATURA 2000 – Gebiet: ökologisches Netz an Schutzgebieten mit Verschlechterungs- und Störungsverbot.) ein Festival abzuhalten ohne Vorkehrungen gegen die übermäßigen Verschmutzungen & Störung der Natur und den dort weidenden Pferden und Schafen zu treffen. So konnte man von Müll jeglicher Art über Weideflächen torkelnde Besucher bis hin zu In–Gräben-liegenden alles beobachten. Von den Ordnern wurde all dem keine Beachtung geschenkt, dementsprechend schaute der Weg zum Festivalgelände am dritten Tag dann auch aus und zum Teil machte sich auch noch kaum zu ertragender Gestank breit.
Viele werden sich jetzt sicher denken das klingt nach einem super Festival, doch alles hat irgendwo seine Grenzen…

In Zusammenarbeit mit Kristina


FOTOS + E-CARDS
www.ruisrock.fi

Harald
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Beitrag vom 10.09.2005
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