ARCHGOAT   BEHEXEN   HELL MILITIA   ESCHATON    GROHM   
26.10.2005 @ Viper Room

26.10.: Die TOUR OF THE BLACK MOON macht Station im Wiener Monastery und wartet mit den finnischen ARCHGOAT und BEHEXEN und den Franzosen HELL MILITIA auf, als lokaler Support ESCHATON und GROHM. Ein ungewöhnlich früh getimtes Stelldichein an diesem Nationalfeiertag, von 18:00 bis gerade einmal 22:30 - was aber der Güte des Events keinen Abbruch tat, gab es doch eine wütende Underground-Dröhnung im Zeichen des satanischen Old School Black Metal zu bewundern.

Die noch recht jungen Wiener Black-Fanatiker von GROHM hatten die Ehre, den Abend ins Rollen zu bringen: Ein heroisches Intro (Conan, der Barbar!) erklang, und GROHM legten los: Rauer Sound zwischen Black 'n' Roll und düsterer Stimmung; durch Blasteinlagen und ruhigere Passagen wurde dabei für eine gewisse Abwechslung gesorgt. Titel der aktuellen GROHM-Demo „Black n’ Roll Extravagant“ entfalteten bei diesem zweiten Auftritt der Band bereits einen gewissen Wiedererkennungswert, und Schreihals Gmorg gebärdete sich angepisst und sorgte mit exzessiver Bühnenshow für Unterhaltung. Dem gegenüber standen allerdings ein eher matschiger Sound und einige spielerische Schnitzer. GROHM konnten dennoch bereits jetzt einige Leute zum Bangen bringen.

Bei ESCHATON war ich mir kurz nicht sicher, ob es nicht immer noch gestern und ich am Tags zuvor veranstalteten BLOODFEST war – regelrecht Death-metallisch, was da geboten wurde – wenn auch die düstere Stimmung der Musik ESCHATONS nicht zu überhören war. Auch vom Optischen her wirkte das Dreigespann wenig nach Black Metal. Aber ESCHATON können ganz schön Gas geben: Sehr schnell und technisch ausgefeilt, mit guter Gitarrenarbeit versehen und von einem bemerkenswerten Fanatismus getrieben, der die Band vom ersten bis zum letzten Track beinahe pausenlos durchprügeln ließ. Ganz und gar nicht übel und für mich eine interessante Neuentdeckung!

Die nachfolgende HELL MILITIA bleibt vor allem als die Band mit den kranken Videos in Erinnerung: Die okkulte Truppe ließ sich optisch von schwarzweiß-Projektionen, die vorwiegend religiösen beziehungsweise religionsfeindlichen und brechreizerregenden Inhalts waren, untermalen. Dieser für die Musikrichtung nicht eben übliche Effekt wirkte auch sehr stimmungsvoll, dabei hätte die Meute solcher Zusätze nicht bedurft: HELL MILITIA sahen stimmungsvoll abgedreht und verrückt bis gemeingefährlich aus, allen voran der verbissen bis apathisch stierende Sänger, über dessen stimmliche Arbeit man streiten kann – über seine Hingabe an die schwarze Musik aber nicht. Musikalisch wurde rüpelhafter, brutaler Black Metal kredenzt, teilweise mit zerstört-rockiger Attitüde, abschnittweise sogar ein wenig psychedelisch-entrückt.

BEHEXEN läuteten dann den Finnen-Showdown ein: Der Sänger trug das wohl größte Petruskreuz aller Zeiten um den Hals (bis zur Hüfte!), doch durch diese vielleicht doch etwas übertriebene optische Maßnahme aufkeimende Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Truppe wurden durch stilvolle Musik zerstreut. BEHEXEN spielten eher getragen rumpelnd, aber gerade durch die gewisse Monotonie und Leblosigkeit, die BEHEXENS musikalischem Schaffen anhaftet, wirkte die Show irgendwie besonders mitreißend und pur, fast schon ein wenig unheimlich, ein bisschen wie eine archaische schwarze Messe. Ach ja: Ziemlich großes und gutes Publikum inzwischen, Respekt!

Obwohl noch nicht spät, wurde es Zeit für die Headliner von ARCHGOAT: Back to the Roots war angesagt, sehr, sehr old schooliger Thrash-Black von einer Band, deren Wurzeln in den frühen Neunzigern liegen, aber dem Klang ihrer Musik nach auch in den Achtzigern liegen könnten. Die Titel lauten bei ARCHGOAT beispielsweise „Angelcunt“ und „Penis Perversor“, was überdeutlich macht, welchem Geist hier gefrönt wird. ARCHGOAT waren vielleicht nicht sehr originell, ihre Musik aber sehr energisch geprügelt und dadurch doch sehr überzeugend, zu erwähnen ist vor allem der außergewöhnliche Schlagzeuger des Trios. Die thrashige Herangehensweise, das militante Gepose und überhaupt ihr Äußeres ließen ARCHGOAT kurioserweise eher nach Südländern als nach Finnen aussehen. Zwischen den Songs wirkten ARCHGOAT zwar etwas ratlos (hatten sie sich die Titelfolge nicht abgesprochen?), aber daran sollte es natürlich nicht scheitern – ein guter Rausschmeißer für einen weiteren Abend feinen Underground-Blacks!
www.blackmetal.at

marian
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Beitrag vom 01.11.2005
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