GORGOROTH   1349  
17.11.2005 @ Planet Music

Nach dem massiven Erfolg der letztjährigen GORGOROTH/1349-Tour wurde heuer gleich eine zweite Runde eingelegt. Letzten Endes müssen es die Herrschaften von GORGOROTH, die sich scheinbar einer nach dem anderen hinter norwegische Gardinen begeben ausnützen, dass Mainman Infernus noch mehr als zwei Jahre runterbiegen muss, bis er seine Haftstrafe antreten kann.

Da nur zwei Bands auf dem Billing standen, begann das Konzert erst um 21:00, wobei bis dahin das Planet Music mit geschätzten 250 bis 300 Anwesenden nicht mehr ganz leer wirkte. 1349 erklommen nach den infernalen Klängen des Intros, welches mit Feuerspucken zelebriert wurde, die Bühne, und der Sturm ging los. Das Material der Horde rund um SATYRICON-Fellverdrescher Frost ist bekannter Weise deutlich schneller als das ihrer Landsmänner GORGOROTH, jedoch gab´s tempomäßig nicht von Anfang an eins auf die Fresse. Stattdessen legte man mit einem an Monotonie kaum überbietbaren Song, der aus nervenaufreibendem höheren Midtempo nicht rauskam, los. Das Schlagzeug dominierte – wie sollte es auch anders sein – extrem den Sound. Es bestätigte sich zumindest für mich, dass das Material des aktuellen Albums „Hellfire“ nicht gerade große Glanztaten birgt und dass vor allem die Songs vom Debut „Liberation“ um Klassen besser sind. „I Breath Spears“ oder „Riders Of The Apocalypse“ animierten auch sichtbar die Meute besser. Alles in allem aber ein annehmbarer Gig mit ziemlich lautem und vom Schlagzeug dominiertem, aber durchaus brauchbarem Sound. [Gore]

Ja, der Anfang war in der Tat zäh... aber im Laufe ihres Auftritts offenbarten sich 1349 doch als absolut hochklassiger Black Metal-Act, und gewisse Titel von besagtem Debut "Liberation", aber auch vom Nachfolger "Beyond the Apocalypse" gingen mächtig ab (Meine Favoriten: "Chasing Dragons" und "Necronatalenheten"; leider, leider kein "Blood is the Mortar" - schade!). Ob die aktuelle "Hellfire" wirklich weniger kann, kann ich mangels Kenntnis der Cd noch nicht sagen; vielleicht hätte der eine oder andere Song ja gezündet, wenn ich ihn denn gekannt hätte... Egal, 1349 waren in meinen Augen (bzw. Ohren) sehr gut - konservativer, klassischer Black mit viel Uptempo-Passagen, der sich doch erfolgreich aus der Masse abhebt und mit äußerst granitgem Gesäge ins Blut zu fahren weiß. [marian]

Bei GORGOROTH sollte es mit der Songauswahl nicht anders sein – die alten Songs zeigten zumindest bei mir viel mehr Wirkung als das eher belanglose neue Material. Nichtsdestotrotz schaffte man etwas, das mittlerweile recht selten ist und das letzte Mal beim Auftritt von DISSECTION im Planet Music auf deren Tour letzten Herbst gelungen war – Atmosphäre. Auf der Bühne wurden zahlreichen Kerzen platziert und schlussendlich wurden zwei wohlweislich verkehrte Kreuze in Brand gesteckt, als die Mannen die eingenebelte Bühne bestiegen. Als nach einigen neuen Songs „Possessed By Satan“, „En Stram Lukt av kristent Blod“ und „Krig“ gespielt wurden, zündete die Sache auch bei mir. Der Sound war brauchbar und die Show stellte auf gewisse Weise alles dar, was Black Metal ausmacht – ohne Schnörkel und ungeniert rein. Pikantes Detail am Rande ist jedoch, dass wer genau diese Stimmung festhalten wollte, bereits am Eingang darauf hingewiesen wurde, dass selbst das photographieren mit Photohandys untersagt sei. Stellt sich bloß die Frage: Image, Show oder Spinnerei? [Gore]

Eine Aktion, die wohl eher als unnötig bezeichnet werden darf... aber optisch waren GORGOROTH an diesem Abend wirklich beeindruckend: Viel Feuer, massig Spikes, äußerst grimmige Blicke - gerade Gaahl ist ja ein Meister im eiskalten In-die-Menge-Starren. Bei der Escape-ASP zeigte sich der Herr, bei dem man sich laufend fragt, wann er denn jetzt völlig erstarren und von der Bühne kippen wird, aber als durchaus umgänglicher Mensch - obwohl ihm ja auch ein Weilchen Haft blüht. Aller Überzogenheit zum Trotz wirkten GORGOROTH nie peinlich, sondern einfach sehr ehrlich und stimmungsvoll; der Sound war dreckig, aber mitreißend, eine gute Synthese zwischen uriger Rauheit und der nötigen Präzision. Der Auftritt insgesamt - obwohl ich 1349 auch sehr gut fand - ein Volltreffer. [marian]

Unter dem Strich ein durchaus gelungenes Konzert, das vor allem zeigte, dass reiner Black Metal nicht unbedingt ultraholprig gespielt sein muss, um autentisch rüberzukommen und dass auch ohne und gerade da ohne Keyboards Atmosphäre erzeugt werden kann. Und ob jetzt älteres oder neues Songmaterial besser ist, obliegt ohnehin dem Ohr des Hörers… [Gore]


Gore
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Beitrag vom 28.11.2005
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