THE HAUNTED   GOD FORBID   GOD DETHRONED  
10.12.2005 @ Szene

Zeitgleich zum jährlichen Xmas-Festival gab sich ein erlesenes Package aus Thrash, Thrash-Core und Melodic Death in der Szene Wien ein Stelldichein: Die Niederländer von GOD DETHRONED, die Amis von GOD FORBID und natürlich die Schwedischen (Neo-)Thrash-Kings THE HAUNTED.
Obwohl das nach einer recht unglücklichen Konkurrenz klingt, waren beide Veranstaltungen sehr gut besucht, und so durfte sich auch die Szene über ein anständiges und motiviertes Publikumsaufkommen freuen. Was angesichts der Qualität der Show auch mehr als berechtigt war.

GOD DETHRONED taten mir den Gefallen, pünktlich wie eine Eieruhr bei meiner Ankunft loszurocken: Sogleich wusste der glasklare Sound positiv aufzufallen, der sich konsequent durch den Abend zog und den Wunsch aufkommen ließ, die Szene Wien möchte doch öfters dem Metal frönen. So erklang das verspielte, sololastige Werk von GOD DETHRONED in seiner schönsten Form, und Kompositionen der beiden letzten Werke „Into The Lungs Of Hell“ und „The Lair Of The White Worm“, aber auch Klassiker wie „Villa Vampiria“ wussten auf ganzer Linie zu verzücken.
Gerade für die Opener-Position waren die teilweise doch eher pathetischen und getragenen GOD DETHRONED an diesem thrash-dominierten Abend vielleicht doch etwas zu gemütlich; das soll aber nicht heißen, dass die Niederländer nicht auch äußerst gekonnt den musikalischen Vorschlaghammer einzusetzen wissen: Knackige Breaks, manisches Blasting, dazu die hohe Eingängigkeit der einzelnen Stücke – gerade für mich alten Bewunderer von GOD DETHRONED hinreißend. Dazu noch ein bisschen Holländer-Klischee-Gehabe „neuken in de keuken – we do it all the time, expecially on tour“, und der Einstieg war perfekt.

Mit GOD FORBID ging es dann in weit modernere Gefilde, wenn man das so ausdrücken will – jedenfalls ein paar gemessene Schritte in Richtung Metalcore, obwohl bei GOD FORBID ohne Frage auch viel klassischer Thrash mitschwingt. Metalcore-lastiges ist mein Ding nicht so, aber man muss dem dynamischen Ami-Fünfer, der unbeirrbar moshigen Stop'n'Go zelebrierte, auf jeden Fall große Begeisterung zugute halten. Gerade der Rasta-behangene Frontman (der irgendwie dem neuen CARNAL FORGE-Schreihals verdammt ähnlich sieht [also ich find’ mit der Wampen schaut der eher aus wie einer von INNER CIRCLE… remember: alalalalalong alalalalonglonglilong… - Anm. Kronos]) entpuppte sich als großer Showman, sprang und tanzte wie entfesselt und amüsierte mit Stand-Up-Comedy-Einlagen und Anti-Bush-Sagern. Auch die seligen PANTERA wurden (zumindest für wenige Sekunden) auf eine Art entweiht, die ihnen gefallen würde – in einem Fall hätte – rip! - , und so dominierte letzten Endes doch der hohe Spaßfaktor über die persönliche stilistische Inkompatibilität.


Kein Vergleich aber zu THE HAUNTED, die den Abend ganz klar dominierten: Ein Thrash-Exzess der Oberklasse, wütend, von unerhörtem Groove und komplett mit Vokalisten, der sich als Zwischending aus Affe, Zombie und Irrem gebärdete und auch mal gern von seiner Krätze naschte. Viel Show also, aber keineswegs auf Kosten der Musik... aber ich lasse jetzt den Herrn Kollegen ran! [marian]
Also das mit dem Affen stimmt schon und irgendwie erinnerte mich Peter Dolving mit seinen weit aufgerissenen Gesichtszügen und dem suchenden Blick zwischen den Gesangspassagen an irgendeinen Sänger, aber fragt mich nicht an wen. Wo ich allerdings mit Kollegen Marian nicht ganz d’accord bin, ist die Güte der Show. Es war ja eh toll, aber… na ja eben aber… einige Punkte gibt es doch. Zum Beispiel ist es ja fein, dass sich Peter Dolving gebärdet wie ein Wilder und dabei trotzdem noch hervorragend – wenn auch mit ein bisschen viel Hall auf der Stimme – singt, aber wieso war es den anderen in der Band nicht möglich, auch nur annähernd so agil zu wirken? Ist zwar nicht das Wichtigste, aber wär’ halt auch ganz nett. Musikalisch und soundtechnisch war eh alles mehr als gut, wenn auch etwas leise, aber genau das verhalf wahrscheinlich dem Sound dazu, in seiner ganzen Klarheit zu erstrahlen. Was die Auswahl der Songs angeht, habe ich einiges Gemotze von eingeschworenen HAUNTED-Fans vernommen und auch ich hätte mir ein bisschen mehr mir bekanntes Material gewünscht. Dass besagte Kenner gemeckert haben, soll jetzt einmal als Argument gegen den Einwand „vielleicht kennst du einfach nur das Falsche von THE HAUNTED“ hier stehen. Trotzdem war es alles in allem ein gelungener Abend, aber – und jetzt haben wir wohl das entscheidende „aber“ - wieso zur Hölle waren EXODUS wo anders und nicht hier!? [Kronos]


marian
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Beitrag vom 13.12.2005
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