ROCK IM SIXPACK PART II: EYE OF BETRAYER   F.B.I    INTER.FAKE   DIE:CUT    VIPERA    SAMHAIN    EXALTATION   
01.10.2005 @ Alter Schl8hof

Der 2. Tag des „Rock im Sixpack“-Happenings war vor allen Dingen sämtlichen LiebhaberInnen härterer Klängen gewidmet, und mit der Show der Deutschen EXALTATION begann der Abend bereits ausgesprochen zünftig-brachial. Das Quartett aus dem Raum Rosenberg knüppelte ohne jegliches Erbarmen drauflos: Ungeschliffen-harscher sowie unmelodiös und pfeilschneller Old School Death Metal eben, der einige Fans dazu verleiteten vermochte, sich dem Kollektiverlebnis Headbangen hinzugeben. Solide Performance!

Weiter ging es im Programm mit der Darbietung von SAMHAIN, einer alteingesessenen, ursprünglich aus Vorchdorf stammenden, aber mittlerweile in Linz/Wels beheimateten Kombo, die diesen Anlass nutzte, um nach längerer Pause mit neuer Besetzung und auch stilistischer Neuorientierung ihr Comeback gehörig zu zelebrieren. Mit dabei sind neuerdings u.a. Ex-SQUALOR-Gitarrist Morpheus, aber auch ein neuer Bassist namens Mordor (Beleibe nicht nur Insidern auch unter seinem zweiten „Künstlernamen" Willy ein Begriff.)
SAMHAIN definieren ihren Stil als Austrian Black Metal Art, also eine überaus variantenreiche, gleichermaßen melodische wie rohe Black/Dark Metal-Variante, und die Fans zögerten auch nicht, die Band mit entsprechenden Resonanzen zu belohnen, obwohl natürlich noch – nach einer lang gezogenen Schaffenspause inklusive Besetzungswechsel auch durchaus verständliche – Abstimmungsschwierigkeiten am Programm standen, die das Gesamtbild zwar ein wenig trübten, aber nichtsdestotrotz as alles andere als geringe Potential der Gruppe dennoch offen legte.

Ebenso schwermetallisch ging es danach weiter, denn als nächster Programmpunkt stand die Performance von VIPERA auf der "Running order": Eine ebenfalls aus Wels kommende Formation um den Ex-SPIT!-Gitarristen Patrick Schmuck, dem Drummer Michael Schmollmüller (u.a. ebenfalls früher kurz Ex-SPIT! engagiert) sowie dem Trauner Frontmann Roland Mayr. Während die drei Herren schon seit den Anfangstagen das Grundgerüst der Gruppe bilden, gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Bassisten weitaus schwieriger, was ständige Besetzungswechsel an dieser Position zur Folge hatte. Seit ein paar Monaten bedient allerdings eine junge Welserin namens Bettina den Bass, und man ist im VIPERA-Lager durchaus guter Dinge somit für längere Zeit von lästigen Personalrochaden verschont zu bleiben. Irgendwo im Graubereich Death/Thrash Metal haben sich die Vier stilistisch eingependelt, und obwohl keine spieltechnischen Meisterleistungen vollbracht werden, verfügt der eher primitiv-kompromißlos, räudige ausfallende Sound mit dezenten Hardcore-Anleihen über einen besonderen Charme, was auch die äußerst positiven Reaktionen des Publikums deutlich unterstrich.

Es folgten DIE:CUT, mittlerweile zu der Welser Hardcore-Formation schlechthin gereift, und auch an diesem Abend wurden die hoch geschraubten Erwartungen vollends erfüllt. DIE:CUT steigern sich von Mal und Mal, der melodiereiche, aber auch überaus kraftvoll-energische New School Hardcore verstand es binnen weniger Momente, die Fanschar in seinen Bann zu ziehen, die Menge zeigten sich jedenfalls ausgesprochen begeistert, und geizte freilich auch nicht mit entsprechenden Feedback sowie szenetypischen Bewegungen. Leider Gottes verließen kurze Zeit später der Frontmann und ein Gitarrist die Band, aber der weitere Fortbestand ist dank zweier Neuzugänge bereits gesichert. Man darf also gespannt sein, in welche Richtung DIE:CUT sich entwickeln werden!

INTER.FAKE, die als nächster Act die Bühne enterten, schufen mit ihrer Performance einen wohltuenden Kontrast zu den übrigen Bands, da bei dem Trio bekanntermaßen eher zarte Klänge den Ton angeben. Obwohl die Band aus Grieskirchen bzw. Wels von Soundschwierigkeiten leider nicht verschont blieb, gelang es dennoch, dem Publikum reichhaltige Einblicke in ihr wohl fast schon einzigartiges Soundspektrum zu gewähren. Dieses tendiert am ehesten in Richtung sanftmütigen, aber beleibe nicht seichten, sondern überaus anspruchsvollen Alternative Rock/Pop, wo der Schwerpunkt bei der Einfechtung besonders klangvollen Melodien liegt, die (wie der Gitarrensound generell) entfernt ein wenig an neuere U2-Stücke erinnern. Diese Band zählt dank Hits wie „Persecuted“ etc. mit Sicherheit zu den besten Vertretern ihrer Zunft in ganz Österreich, und natürlich war man in den letzten Monaten mitnichten untätig, denn die bewährte Klangschmiede zeigte sich wieder äußerst produktiv, und schuf weiteres Songmaterial von geradezu bestechender Qualität.

Als Co-Headliner waren F.B.I. angetreten, die ja nur wenige Wochen vorher im Fred Sega einen ansehlichen Gig aufs Parkette gezaubert hatten, und auch an diesem Tag besann sich die Gruppe um den nimmermüden Gitarristen Hans „The Godfather“ Bogl, der langsam aber sicher auf seinen 50er zusteuert, Sänger Konrad Wurm und Co. ihren alten Stärken, und heizten ihren an diesem Abend zahlreich erschienen Fans einmal mehr gehörig ein: Das Stimmungsbarometer reichte dabei von Wohlwollen bis zu absoluter Begeisterung, und neben zahllosen Tracks neueren Datums wie „King of Dreams“ oder „Just a little lie“, konnten man gerade bei den älteren Semestern mit den beiden ARMOURGEDDON-Kulthits „Brainsucker“ und „Mentally disturbed man“ natürlich außerordentlich punkten, die erstmals seit vielen, vielen Jahren wieder im Schl8hofsaal erklangen.

Die Headlinerposition wurde verständlicherweise EYE OF BETRAYER zugestanden, schließlich hat sich diese Band mittlerweile längst schon bundesweit sowie im angrenzenden Ausland einen ausgezeichneten Ruf erspielt, und somit sollte einem in allen Belangen gelungenen Heimspiel eigentlich nichts im Wege stehen: Doch weit gefehlt, denn aufgrund einer unumgänglichen, privaten Verpflichtung mussten die Betrayers an diesem Abend ohne ihren Frontmann Oliver Pfordte auskommen.

Anstatt diesen Gig einfach mir nichts, dir nichts zu canceln, entschied sich der Rest der Band dazu, ausnahmsweise einmal ohne ihr Sprachrohr aufzutreten. Eine überaus lobenswerte und weise Entscheidung, da das ROCK IM SIXPACK-Spektakel eben DAS Ereignis des Konzertjahres im Schl8hof darstellt, und welche Formation aus der Gegend will da schon fehlen, wo obendrein meist hunderte Fans das Geschehen verfolg(t)en?

Nun, die große Masse hatte sich zwar schon nach F.B.I. auf den Heimweg gemacht, aber ein harter Kern schwor den verbliebenen EYE OF BETRAYER-Members trotzdem die Treue, und somit konnte es losgehen: Auf der Setlist fanden sich sowohl aktuelle Nummern („Autumn“ etc.) als auch ältere Hadern aus der Feder der Band (inklusive der natürlich unvermeidlichen E.A.V.-Covernummer „Liebe, Tod und Teufel“). Ein gelungenes Programm allemal, Sängerin Viktoria übernahm nicht nur sämtliche Gesangsparts von Oliver, was natürlich denkbar ungewöhnlich klang, aber den Stücken natürlich einen gänzlich anderen Charakter verlieht, und mühte sich auch redlich, die für sie sicherlich ungewohnt Rolle einzunehmen, und die Zwischenansagen zu tätigen. Trotz teils verheerender Soundprobleme sowie dem Faktum, eben auf die male parts gänzlich verzichten zu müssen, ging die Show durchaus in Ordnung.


Hutti
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Beitrag vom 18.12.2005
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