OPETH   BURST  
17.12.2005 @ Szene

Wer hätte gedacht, dass dieser Auftritt so schnell ausverkauft sein würde? Jedenfalls war es schon Wochen zuvor unmöglich geworden, sich den Genuss von Schwedens Nummer Eins-Export in Sachen ungewöhnlichem Prog zu sichern. OPETH - Superstars? Wohl kaum, zeigten sich die Schweden doch als ein sehr sympathischer Haufen, der sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt – ihre Musik aber um so mehr.


Aber von vorne: BURST aus Gothenburg, Schweden durften den Opener geben. Für eine gewisse Irritation sorgte das Gerücht, dass BURST eine leichte Hardcore-Schlagseite haben sollten. Was sich auch bestätigte - die besondere Beschaffenheit ihrer Musik ließ sie aber durchaus zum Headliner passend wirken. Die sehr atmosphärische, passagenweise tief in ambient-artige Gefilde vordringende Musik ist zwar natürlich nicht direkt mit OPETH zu vergleichen, zeigt aber gerade im Einsatz ruhiger, psychedelischer Teile Parallelen zu den Meistern. Statt der Death-Einstreuungen wird bei BURST eben eher Core geboten, wobei ich hier aber nicht unbedingt von Metalcore sprechen würde, eher vielleicht von ein wenig Mathcore: BURST verwenden ungewöhnliche, vertrackte Rhythmen, und obwohl das Material durch die Bank in getragenem Tempo gehalten ist, ist seine Wirkung ziemlich komplex. Der Sound war drückend, wenn auch etwas arg basslastig.

BURST hatten mit schätzungsweise etwas mehr als einer halben Stunde ein kompaktes Opener-Set gespielt, und allein schon an der Differenz der Spielzeiten bestätigte sich, wer hier um wie viel größer ist: OPETH lieferten eine mit Zugaben über 2 Stunden lange Show, die aber zu keiner Sekunde langweilig wurde, im Gegenteil: Das Publikum war mit seinen Anfeuerungen kaum zu halten, zeitweise ließen diese auch während der Lieder nicht nach... man wähnte sich fast auf einem Boygroup-Auftritt. Jedenfalls offenbarte sich Frontman Mikael Åkerfeldt als meisterlicher Showman und unterhielt mit Umfragen über seinen Sexappeal und Black Sabbath sowie dem Geständnis, OPETH seien zwar teilweise Death Metal, über weite Teile aber halt „Cock Rock“.

Viele Blödeleien, viel Show, eine gesunde Dosis Selbstironie - aber die Musik von OPETH ist zu mächtig, um durch derartiges irgendwie in ihrer Qualität gemindert oder gar in den Hintergrund gedrängt werden zu können. Mächtig - soviel lässt sich jedenfalls mit Sicherheit sagen über das einzigartige musikalische Schaffen von OPETH. Ansonsten ist es schwierig, das Werk der Stockholmer angemessen in Worte zu fassen, ihre ganz eigene Form von Death-lastigem Progressive Metal ist ungemein facettenreich, reicht vom brachialen Riff bis zum sanftesten Ambient-Geräuschteppich und ausgefallener Melodie, von bestialischen Growls bis zum verträumten Gesäusel. Die Stimmung ist düster, ergreifend, aber zugleich ungemein entspannt und leicht; immer aber zeigen sich OPETH als unorthodoxe, experimentelle, ungewöhnliche Band, was nicht nur der eigenen Rhythmik zu verdanken ist.

Apropos Rhythmusfraktion: OPETH-Drummer Martin Lopez war krankheitshalber ausgefallen, dafür gab sich kein Geringerer als Martin Axenrot (BLOODBATH, SATANIC SLAUGHTER, WITCHERY) als Ersatzmann die Ehre – und machte seine Arbeit auch in tadelloser Tightness. Überhaupt durfte man sich den ganzen OPETH-Gig lang an einem jetzt glücklicherweise sehr guten Sound erfreuen, wodurch die Musik ihre mitreißend hypnotische Wirkung in voller Güte entfalten konnte. Auch auf die Anfangstage der Band wurde nicht vergessen, ob diese jetzt besser oder schlechter sind als die neueren OPETH-Klassiker ist streitbar.

Ein außergewöhnlicher Abend, der durch die Bank als gelungen bezeichnet werden darf. Der immense Andrang war gerechtfertigt: BURST waren gut, OPETH sehr, sehr gut.


marian
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Beitrag vom 25.12.2005
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