PUNCHLINE    F.O.B   ARS MORIENDI    BEHIND PERFECT BEAUTY  
03.02.2006 @ Spektrum

Undergroundmetalkonzerte in Kleinstädten bergen immer ein gewisses Besucherzahlenrisiko für den Veranstalter, da die Angebotsübersättigung an Veranstaltungen die Fans oft an ihre finanziellen Grenzen treibt. Leider wurde auch dieser Gig in Leoben Opfer dieses Umstandes, und so waren schlussendlich lediglich 40 Besucher gekommen, um sich den Abend im Spektrum musikalisch zu versüßen. Die kurzfristige Absage der Headlinder DEADLOCK wird zu dieser dürftigen Zahl wenig beigetragen haben, kommen die Jungs doch aus Deutschland (nicht mit unseren Wiener Landsleuten verwechseln!) und (das werfe ich jetzt einfach mal so keck in die Runde) werden in unserer Gegend wohl kaum über ein gewaltiges Fanpotential verfügen.

Sei’s drum. Den Anfang machten BEHIND PERFECT BEAUTY, die seit über einem guten Jahr tätig sind und sich dem momentan gängigen Hardcore/Metal-Gebräu verschrieben haben. All zu oft dürfte die Band noch nicht die Bühnen beehrt haben, denn man merkte allen Mitglieder eine gewisse Steife und Zurückhaltung an, mit der man das ohnehin schwer begeisterungsfähige Publikum nicht in Bewegung bringen mochte. Der Sound war wie leider so oft eher im unteren Bereich anzusiedeln und auch songtechnisch konnte man nicht wirklich überzeugen. In Erinnerung geblieben ist mir einzig die Ansage zu einem Song, der sich über Umweltschutz dreht und Sänger Daniel alle Anwesenden dazu aufgefordert hat keinen Müll in der Halle zurückzulassen… genutzt hat’s überraschenderweise nix.

Mit ARS MORIENDI machten sich dann die Lokalmatadore auf, um den Anwesenden ihre Version des „Fucking Thrashmetal“ näher zu bringen. Die Band, die momentan mit ihrer aktuellen EP „Your soul… …on our screen“ mächtig gute Rezensionen einheimst, zeigte sich aufgrund des spärlichen Besuchs wenig beeindruckt und lieferte einen astreinen Gig ab. Im Mittelpunkt standen jedoch nicht die letzten Ergüsse, sondern überraschenderweise viel neues Material, das die begabte Truppe in einem etwas technischer ausgerichteten Bild widerspiegelte. Der Mut zum Risiko wurde jedenfalls belohnt, denn es war nicht nur Shouter Michael, der wie ein Irrer seine Matte schwingen lies, sondern es fanden sich auch einige der sonst eher statischen Fans ein, um der guten Musik Tribut zu zollen. Da es ARS MORIENDI auch zustande gebracht haben einen amtlichen Sound zutage zu legen, bleibt unterm Strich ein gelungener Auftritt übrig. Well done – weiter so!

Richtig leid taten mir im Anschluss daran F.O.B., die den weiten Weg aus Tschechien angetreten waren. Denn das klassisch besetzte Trio musste seine Death/Thrash-Mischung vor lediglich zehn Leuten zum Besten geben. Dabei waren der Sound und die Songs alles andere als schlechte Kost. Zugegeben, einen Preis für Originalität haben sich die Jungs zwar nicht verdient, doch gab es durchwegs eingängige Songs, die zwar lustlos (wer kann’s ihnen verdenken) vorgetragen wurden, aber immer noch über dem Niveau vieler anderer Veröffentlichungen liegt. Nach gut 20 Minuten war der Spuk auch schon vorbei und F.O.B. konnten ihren ersten Leobenbesuch wohl nach dem Motto „Außer Spesen nichts gewesen“ abschreiben.

PUNCHLINE aus Tirol sollten den Schlusspunkt dieses Abends bilden. Entgegen allen Erwartungen fanden sich um Mitternacht immerhin immer noch gut 30 Leute vor der Bühne ein, um an der Energiegeladenen Show teilzuhaben. Die leicht ins Ohr gehenden Takte verfehlten ihre Wirkung auch nicht, und so wurde der restliche Abend mit Hüpfen und Bangen beendet. Angesichts der guten Publikumsreaktion steigerte sich auch die Band selbst in einen Spielrausch und man merkte ihnen die Freude am Musizieren richtiggehend an. Schön war auch zu sehen, dass spätestens ab diesem Zeitpunkt keine Genregrenzen mehr gezogen wurden und die eingefleischtesten Metalfans zu eben jenen Klängen ebenfalls ihre Haarpracht schwingen ließen.

Alles in allem ein schöner Abend, dem nur durch das geringe Faninteresse ein etwas bitterer Beigeschmack zuteil wird. Bleibt nur zu hoffen, dass sich solche Tage nicht öfters wiederholen und Leoben den Ruf einer Metalunwirtlichen Stadt bekommt.


Juergen
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Beitrag vom 08.02.2006
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