MARBATH   DEVILATE   SEEDS OF SORROW    MANGLED  
11.02.2006 @ Viper Room

Bereits die sechste Runde für die Wiener Underground Death Metal-Veranstaltung VIENNA BLOODFEST, und wohl gleichzeitig die vorerst erfolgreichste: Mit ganzen 240 zahlenden Besuchern platzte das Monastery an diesem Samstagabend beinahe aus den Nähten. Veranstalter Tom Zonyga durfte sich über einen vollen Erfolg freuen, und das nicht nur als Pate des akustischen Gemetzels, sondern auch als Drummer der SEEDS OF SORROW. Zum letzten Mal, denn dieser Abend stand ganz im Zeichen von Abschiedsstimmung von den SEEDS…


Aber der Reihe nach. Beginnen wir also mit MARBATH, die sich erstmals einem größeren Publikum präsentierten. „Größer“ war das Publikum tatsächlich auch schon zu Beginn der Veranstaltung, MARBATH hatten also keinen Grund zur Beschwerde und bedankten sich mit einem sauber gespielten Gig. Der Fünfer rund um Ex-CRUSADEler und –Earshotler Christoph lieferte Death Metal der brutalen Schule. Trotz der durchwegs soliden Leistung der ganzen Band stach besonders die Stimme des Sängers hervor. Wäre der gute nicht erst bei der letzten Nummer animationstechnisch aufgetaut, hätte er sich überhaupt das Prädikat „besonders wertvoll“ eingefangen… MARBATH haben sich auf jeden Fall bewährt, im Zusammenhang mit Ami-Death aus Wien wird man sich diesen Namen auf jeden Fall merken müssen.

Die für TOWARDS JUDGEMENT eingesprungenen DEVILATE gefielen mir persönlich zwar recht gut, allerdings weiß ich nicht, ob sie musikalisch so recht in den Rahmen des Abends gepasst haben. Zwischen zwei astreinen Death Metal Acts war der ziemlich melodische 80er Thrash Metal des Quartetts härtetechnisch ein ziemlicher Abfall und so mancher beschäftigte sich dann doch lieber mit Fachsimpeln über die vorangegangenen Newcomer bei einem Bier als mit konzentriertem Mitverfolgen von DEVILATE. Verständlich, aber schade, denn der Sound dieser Band kann sich wirklich hören lassen, auch wenn er mit Innovation so viel zu tun hat wie Knoblauchkäsekrainer-Bosna mit einem idealen Essen beim ersten Date. Riffs à la alte METALLICA und ein räudiger Gesang, der mich ein wenig an eine melodischere Version Tom Warrior (CELTIC FROST) erinnerte, motivierten zwar doch den einen oder anderen zu „Zugabe!“-Rufen, allerdings wäre das Wiener Quartett zumindest an diesem Abend vielleicht besser damit beraten gewesen, den Schwerpunkt ihrer Darbietung mehr auf die härtere Thrash-Gangart zu legen, die die Band auch nicht schlecht beherrscht – siehe das abschließende KREATOR-Cover von „Violent Revolution“.


Die Post abgegangen ist dann natürlich bei SEEDS OF SORROW, deren letzter Gig in dieser Formation wohl die meisten Leute ins Monastery gelockt hatte. Und „die meisten Leute“ das sind natürlich alle, die in Metal-Wien und Umgebung was auf sich halten. Man kann von diesem Abend auf jeden Fall als von einem einzigartigen Ereignis sprechen, immerhin handelte es sich hier um den vorläufig letzten Gig der langlebigsten Extrem-Metal-Truppe des Landes, deren Zukunft nach dem Weggang von drei Mitgliedern mehr als ungewiss ist. Aber der Aigner wird’s schon richten und falls nicht, dann war es ein würdiger Abschluss einer mehr als zehnjährigen Geschichte. Die Band machte alles richtig, was man bei Stampfern wie „Stupid White Men“ nur richtig machen kann und die Zuschauer gingen auch mit. Die SEEDS wurden auf jeden Fall abgefeiert und traten gleichzeitig auch noch den Beweis dafür an, dass sie es sich verdient haben. Angesichts der ausgelassenen Stimmung fällt es mir aber etwas schwer zu glauben, dass es nicht einmal als Zugabe den klassischen S.O.S.-Rausschmeißer „Symphony Of Destruction“ (MEGADETH-Cover) zu hören gab. Allerdings wurde mir mehrfach versichert, dass betreffende Nummer tatsächlich nicht gespielt wurde, also wird’s schon so sein…

MANGLED aus den Niederlanden schissen dann etwas sehr lang herum, bis sie ihren Soundcheck hinter sich gebracht hatten. Das zahlte sich zwar aus, da der Sound dafür letztendlich ziemlich mächtig rüber kam, sorgte aber wohl mit für gelichtete Publikumsränge – was angesichts des bisherigen Gedränges eh nicht ganz unangenehm war. Gebangt und gemosht wurde noch reichlich, und der Sound von MANGLED war wie geschaffen für diesen Zweck: Eher straight forward gerichteter Ami-Death, der trotzdem durch bravouröse Instrumentenbeherrschung der Musiker zu glänzen, und vor allem zu bluten wusste.

Halt immer fest draufgehauen, nach dem Motto: Brutalität ist Trumpf, aber das auf einem sehr hohem Niveau, das etwa den bei MANGLED immer wieder in den Sinn kommenden CANNIBAL CORPSE in nichts nachsteht. Und REBAELLIUN-Shirts sind mir immer sympathisch; in diesem Fall trug der Sänger eins. Dieser war nicht nur durch seine sonst etwas verquere Optik gewöhnungsbedürftig, auch sein nicht wirklich genretypisches Organ war nicht jedermanns Sache – ich fand seine Leistung aber eigentlich nicht unpassend. Obwohl MANGLED nicht sehr eigenständig klingen, darf man sie als fähige Liveband im Auge behalten.

Das war’s dann auch schon wieder mit dem 6. BLOODFEST – doch das nächste ist schon geplant. Man darf auf Teil 7 gespannt sein ...

[Marian/Kronos]


Kronos
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Beitrag vom 13.02.2006
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