CRYPTOPSY   GRAVE   DEW-SCENTED   ABORTED   VESANIA   HURTLOCKER  
19.02.2006 @ Abaton, Praha-Liben

Ein Line Up wie man es nur selten zu sehen bekommt - zählen insbesondere CRYPTOPSY nicht gerade zu den tourfreudigsten Bands dieses Planeten, als auch GRAVE und ABORTED generell eher auf Festivals zu finden sind, als auf dem Billing kleinerer Clubgigs. Beinahe als Schande würde ich es daher betrachten, dass sich kein heimischer Booker einen Platz im Rahmen der "Domination Tour 2006" sichern konnte oder wollte - insofern jedoch vorteilhaft für mich, da ich somit endlich die Chance ergreifen konnte, Prag unsicher zu machen.
Vorerst aber einige wenige Worte zum Veranstaltungsort, dem Abaton in Praha-Liben; Ein Gebäude mit den Ausmaßen der Arena am Stadtrand von Prag (dennoch hervorragend zu erreichen, auch mit den Nachtlinien), dank seiner Aufteilung in Merchandising- und Barbereich samt Relaxzone und Leinwand im unteren, Hallen- und Bühnenbereich inklusive einer zusätzlichen Bar im oberen Stock (welcher ungefähr die Ausmaße eines Planet Musics hatte) wirkte das Abaton gemütlich, versprühte quasi einen rauhen Charme. Trotz hervorragender Auslastung musste man sich weder beim Biernachfüllen, noch beim Bierentleeren anstellen - auch präsentierte sich das weitgehend tschechische (nona) Publikum agil, aber dennoch zivilisiert. Apropos Bier: Kostenpunkt waren heiße 26 CZK (ca. 80ct), und das bei einer Qualität, die das ausgekotzte Spülwasser im Planet wohl meilenweit hinter sich ließ.

HURTLOCKER aus den Staaten fingen pünktlichst um 18 Uhr an und machten ihre Sache als Opener durchaus gut; Ihr relativ einfach gestrickter Neo-Thrash, welcher an Bands wie THE HAUNTED oder auch ANGER erinnerte, vermochte ein wenig Stimmung ins Publikum zu bringen - quasi den Konzertbeginn einzuläuten. Doch sobald ein gewisses Stimmungslevel (das, was Kollege Kronos "Betriebstemperatur" nennt und von meinem Windoof nur selten angestrebt wird) erreicht war - spätestens mit dem zweiten Bier - wurde das monotone Geshoute und Geschrammel etwas zu eintönig, daher war man durchaus froh, dass nach einer halben Stunde die Bühne geräumt werden durfte. Dennoch: Ein Newcomer, der durchaus Potential in sich trägt und wenn noch an den Strukturen gefeilt, an Abwechlungsreichtum gearbeitet wird, so kann man in zwei, drei Jahren sicher schon etwas weiter oben am Billing zu finden sein - performancetechnisch war jedenfalls alles im Lot!

Nach einer sehr kurzen Umbaupause folgten die Warschauer VESANIA, welche mit ihrer aggressiv-melodischen Black Metal-Tinktur nicht wirklich ins Programm passten. Druckvoll war die Sache zwar - nicht zuletzt hierfür verantwortlich zeichnete sich auch Darey (u.a. VADER) am Schlagzeug - jedoch die Evilness wirkte aufgesetzt, etwas lächerlich. Für Anhänger von EMPEROR, MAYHEM und eventuell älteren DIMMU BORGIR könnten sich die bereits seit Ende der Neunziger existierenden Polen durchaus als Schmankerl entwickeln, wenn man die Professionalität noch etwas auszubauen vermag - und daran zweifele ich kaum, sind doch Orion und Darey immerhin genügend mit VADER und BEHEMOTH live unterwegs, was sich wohl zweifelsohne auch auf VESANIA auswirken wird.
Etwas überholungsbedürftig wirkte auch das Outfit - Pandakostüm und Hexenmantel -, aber wenigstens einer guten Handvoll der Anwesenden schienen VESANIA durchaus zu gefallen. Mir persönlich sagte ihre Musik jedoch nicht wirklich zu, sodass ich mich alsbald gen Merchandising und Bierbar im Untergeschoß verzog und das Ende ihrer Show abwartete.

Bei ABORTED hieß es jedoch wieder vorne dabei zu sein - unverständlich auch, wieso die Belgier derart früh am Start waren... Nichts desto trotz legte das beinahe vollständig umgekrempelte Quintett mit geballter Aggression los, dass es nur so eine Freude war. Ständig in Bewegung und spielfreudig bot man einen Querschnitt durch die komplette Diskographie, wobei der Schwerpunkt auf die letzten beiden Veröffentlichungen gelegt wurde. Fronter Sven präsentierte sich sehr publikumsnah, auch wenn seine Ansagen doch ab und an etwas ausführlicher ausfallen könnten - dafür wusste aber besonders die neue Dame am Bass (Olivia von ex-NO RETURN / BALROG) zu gefallen, bearbeitete sie ihren Fretless wie kaum ein anderer und wirbelte auf der Bühne umher. Brutale Genauigkeit, Perfektion und Spielfreude - untersetzt mit gutem Sound -, das Publikum dankte es auf seine Weise und zuckte während den schnellstens vorüberfliegenden vierzig Minuten zum ersten Mal an diesem Abend erfreut aus.

DEW-SCENTED sind ja mittlerweile auch schon alte Hasen im Business, konnten mich gerade ihre letzten beiden Veröffentlichungen durchaus überzeugen und halfen bereits oft über so manche SLAYER-Durststrecke hinweg. Jedoch merkte man dem nun wieder etwas verhaltener wirkendem Publikum an, dass doch eine Mehrzahl wegen ABORTED gekommen war. Dieser Zustand besserte sich jedoch im Laufe des Konzertes, wusste Fronter Leif die Tschechen gut zu animieren, sodass spätestens ab der Mitte des Sets doch einige Rüben geschüttelt wurden. Die Deutschen waren gut drauf, agierten zwar nicht so agil wie die Belgier, gaben dafür sehr solide ihr Set zum Besten, welches neben Altbekanntem auch zwei neue Stücke enthielt, die dem geneigten Thrasher durchaus das Wasser im Munde zusammenlaufen ließen.
Ein kleines Manko stellte nur die etwas zu sehr in den Hintergrund gemischte Stimme dar, was ein wenig Druck vom ansonsten überaus aggressiven Material nahm. Zugaben gabs auch hier keine - nach ebenfalls grob vierzig Minuten war Schluss mit lustig.

Nicht so schlimm jedoch, enterten hierauf die legendären GRAVE wieder einmal die Bühnenbretter. Wieder auf ein Trio geschrumpft, wirkten die Schweden etwas räudiger und roher als noch kurz nach der Reunion - dafür tight und spielfreudig wie nur selten. "Back to the roots" war anscheinend das Motto des Abends - nur einige wenige neue Stücke (unter anderem "Rise" von "Back From the Grave", sowie ein neues Stück, welches im Sommer auf Silberling erhältlich sein soll) wurden dargeboten, ansonsten setzte man auf die Durchschlagskraft der klassischen Stücke von "Into the Grave", "You'll Never See ... Heaven" und "Soulless", neben den Titeltracks fanden unter anderem auch "Brutally Deceased", "And Here I Die", "Turning Black", "Deformed", "Hating Life" und "Extremely Rotten Flesh" Einzug in die Setlist. Eine gute dreiviertel Stunde - unterstützt mit einem herrlich druckvollen, aber typisch schwedischen Sound - hatten GRAVE die Massen in ihren Händen, wenn sich auch die Publikumsnähe auf "You like the "Soulless"-Album, huh?" beschränkte und durchaus noch einige Stücke mehr zum Besten gegeben hätten werden können ("Morbid Way to Die", "Christinsanity", "In Love", und und und...). Besser als letztes Jahr, als haupsächlich neue Stücke gespielt wurden, war es dennoch allemal!

Nach einer diesmal etwas länger dauernden Umbaupause enterten bereits um 22 Uhr die Headliner die Bühne. CRYPTOPSY hatten das Publikum von Anfang an fest im Griff, was nicht zu guter letzt auch an der zwar im Vergleich zu den Anfangstagen gemäßigteren, aber immer noch kranken Performance von Lord Worm lag. Brutalst, mit technischen Raffinessen und hervorragendem Sound bewegte man sich zwischen uralt ("Defenstration", "Slit Your Guts") und nagelneu ("The Pestilence", "Adeste Infidelis"), wusste das Publikum zu unterhalten und war wohl für jeden anwesenden Musiker im Raum ein vernichtender Schlag in die Fresse.
Wenn auch Martin Lacroix sehr gut zu gefallen wusste (Mike diSalvo hingegen fand ich schlichtweg grottigst) - Lord Worm passt zu CRYPTOPSY einfach wie die Faust aufs Auge, und auch wenn manche seine Stimme (teilweise zu Recht) kritisieren, so kann ihm in Punkto Bühnenpräsenz kaum jemand das Wasser reichen. Auch finde ich, dass seine Stimme live um Längen besser wirkt als auf Platte - da ich aber ohnehin als Worm-Sympathisant durchgehen würde, bin ich hier wohl nicht sonderlich objektiv ;) Auch die restliche Band hatte offensichtlich Spaß an der Sache, bearbeitete wie gewohnt mit spielerischer Leichtigkeit ihre Instrumente - man merkte ihnen die (wieder?) erschaffene Einheit durchwegs an!
Nach einer guten Stunde brachte "Phobophile" den schlussendlichen Genickschuss - selten eine derart tighte, spielfreudige und agile Band wie CRYPTOPSY erlebt! Der Slot des Headliners war durchaus verdient - rar in unseren Breitengraden anwesend, aber wenn, dann heftig!

Ob jener Abend so schnell zu toppen sein wird? Wohl kaum, jedoch steht schon die nächste Tour aus dem Massive Management Hause in den Startlöchern, mit dabei: MONSTROSITY, DEEDS OF FLESH, VILE und IMPALED! Am 23.03. gibt es in Warschau den Auftakt, bevor ganz Europa in Angriff genommen wird - diesmal haben auch die Österreicher zugeschlagen, am 22. April ist es in Graz so weit!


FOTOS + E-CARDS
www.massive-music.pl

macabre
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Beitrag vom 09.03.2006
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