SOULFLY   ROHSTOFF   
05.03.2006 @ Orpheum

Am Sonntag dem 5. März dieses Jahres beehrten uns SOULFLY im Grazer Orpheum. Lang, lang ist es her, dass Max Cavalera das letzte Mal in Graz war. Damals noch mit seinen Kumpels von SEPULTURA im Rahmen der unvergesslichen „Roots“ Welttournee. Unglaublich, dass sich trotz des etwas „unpraktischen“ Termins (Montag müssen ja die Meisten arbeiten) irrsinnig viele Zuschauer aus allen möglichen Nationen und Gesellschaftsgruppen den Weg ins Orpheum fanden. Doch die Metalheads waren eindeutig in der Überzahl und so begann der Abend mit den Grazern von ROHSTOFF.

Durch den riesengroßen Andrang bei Garderobe, Toilette etc. und der Pünktlichkeit des Veranstalters und der Band sah ich nur einen Teil ihrer Show. Was soll ich dazu sagen? Deutschsprachiger Crossover im Anfangsstadium seiner Entwicklung. Die fünf Grazer waren sichtlich bemüht, Stimmung in die bereits ziemlich volle Halle zu bringen und ernteten auch mehr als nur einen Achtungsapplaus. Lustiges Detail am Rande: Als Gitarrist Peter Tödling im Vorbeigehen bei Bassisten Andreas Preininger stolperte und kurz von der Bildfläche verschwunden war - ob das Teil der Show war? Ich glaube eher nicht…
ROHSTOFF hatten auch ihren eigenen Fanclub mit, der die Jungs rund um Sänger Roland Almer auch ordentlich anfeuerte. Der Sound war zu diesem Zeitpunkt noch weitaus besser, als es später bei den Headlinern sein sollte. Da ich nur drei Songs ganz sah, möchte ich mich einer näheren Bewertung lieber enthalten.

Nach einer längeren Umbaupause stürmte das Publikum die ersten Reihen, der Saal füllte sich im Handumdrehen und sogar die Logen waren gut besetzt. Plötzlich wurde es etwas dunkler und die SOULFLY-Rufe der ungeduldigen Masse immer lauter. Als dann endlich Drummer Joe Nunez erstmals im düsteren Licht zu sehen war, enterten kurz darauf auch der durch seine Frisur unverkennbare Bassist Bobby Burns, Gitarrero Marc Rizzo und zum Schluss - der Liebling der Massen - Max Cavalera die Bühne. Sofort legte das Quartett mit „Babylon“, dem Opener der aktuellen Langrille „Dark Ages“, los. Max und Co. hatten vom ersten Moment an das Publikum auf ihrer Seite und warfen mit Klassikern der Marke „Prophecy“, „Seek and Strike" und dem eigentlichen SEPULTURA-Song „Roots Bloody Roots“ nur so um sich. Als Max dann auch noch nach T-Shirt Wechsel im Sturm-Dress auf die Bühne kam, avancierte er endgültig zum „Helden des Abends“. Die begeisterte Meute vor der Bühne dankte es den „Seelenfliegern“ mit einem Moshpit, heftigem Headbangen und zahlreichen Crowd-Surfern. Einziger Wehrmutstropfen war die nicht unbedingt perfekte Akustik. Da das Orpheum ohnehin nicht gerade für den besten Sound bekannt ist macht es sich natürlich doppelt bezahlt, wenn man den Lautstärkeregler zu weit nach rechts dreht. Ich hatte fast das Gefühl, dass der Sound anfangs besser war als gegen den Schluss hin. Doch nun wieder zurück zum eigentlichen Geschehen: Max war wie immer gut drauf, versorgte die ersten Reihen reichlich mit Wasser(-flaschen) und Gitarrist Marc Rizzo war ständig in Bewegung. Entweder er drehte sich wie ein Kreisel um die eigene Körperachse oder er versuchte sich mit seinen Karate-Tritten den schwarzen Gürtel zu holen. Als er plötzlich mit einer (Doppel-)Gitarre mit zwei Hälsen auftauchte, verwöhnte er uns nach einem metallischen Solo mit einem traumhaft schönen akustischen Solo, welches irgendwie einen spanischen Flamenco-Touch hatte. Auch die Showeinlage mit den Trommeln zählte zu einem der Höhepunkte des Gigs. Nachdem jeder der Bandmitglieder mit Trommeln oder Bongos ausgestattet war, holte sich Max einen Fan auf die Bühne um mit ihm zusammen eine Drumsession einzuläuten. Prädikat: sehr hörens-, beziehungsweise sehenswert. Nachdem SOULFLY noch Kracher wie zum Beispiel „Refuse/Resist“, „Eye For An Eye“, Execution Style“ und das große Finale „Back To The Primitive“ zum Besten gaben, war dann leider auch schon Schicht im Schacht.

Max und Co. waren sichtlich angetan von der kochenden Stimmung und warfen alle möglichen Dinge (Trinkflaschen, Drumsticks…) ins Publikum, um welche auch ordentlich gekämpft wurde. Nach gut zwei Stunden war die Metal-Party dann doch leider vorbei und es blieben nicht wenige Fans nicht wenige Minuten lang vor der Bühne stehen. Da bleibt einem nur noch die Hoffnung, dass SOULFLY noch so lange wie möglich auf diesem musikalischen Niveau weitermachen und es vielleicht doch noch irgendwann zu einer Reunion von SEPULTURA kommt.




www.soulfly.com

Gunther
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Beitrag vom 20.03.2006
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