KRISIUN   DEVIOUS   INFESTIGATION   
16.03.2006 @ ESCAPE Metalcorner

Drei Jahre ist es her, dass die brasilianische Knüppel-Legende KRISIUN Wien beehrt hat – damals noch in der kleinen Halle der Arena, diesmal im neuen Keller des Escape.
KRISIUN dürfen sich nicht nur rühmen, die Szene des südamerikanischen High-Speed-Geknüppels quasi im Alleingang aus dem Boden gestampft zu haben, sie sind auch als Live-Macht zu Recht anerkannt. Außerdem haben sie mit „AssassiNation“ ein neues Album draußen, welches die Tugenden der bisherigen Highspeed-Orgien mit einer etwas übersichtlicher strukturierten, auch manches Mal im Midtempo verharrenden Herangehensweise kombiniert. Das Interesse war jedenfalls deutlich spürbar, und es kam trotz des Wochentags ein ansehnliches Aufgebot zusammen, dessen Interesse wohl primär dem Headliner galt – die auch sehr attraktiven Co-Headliner SEVERE TORTURE und HATE waren ja nach der Reihe von der Tour abgesprungen, und mit DEVIOUS war ein zwar guter, aber nicht wirklich bekannter Ersatz gefunden worden. Die Pilgerfahrt zum Knüppelkult KRISIUN hat sich jedenfalls ausgezahlt!

Auch nicht zu verschmähen waren jedenfalls die lokalen Opener von INFESTIGATION: Nach einem Jahr Live-Pause meldete sich die Psycho-Highspeed-Death Metal-Partie mit Wucht zurück, und sie wirkte gar nicht eingerostet! Drummer Georg gab wie gewohnt ein bestialisches Tempo vor, das schnell Schwung in den Laden brachte und auch den KRISIUN-Leuten Anerkennung abverlangt haben dürfte. Gewürzt wurde die Raserei traditionell mit irren Breaks und abrupten Wechseln, wahnwitziger Solo-Fingerakrobatik und einer von Österreichs feinsten Grunz-bis Röchelstimmen. INFESTIGATION hatten zwar sehr früh beginnen müssen, im Laufe ihrer Darbietung füllten sich die Reihen aber ganz erheblich. Erfreulich absurde Ansagen zu im Klo runtergespülten Meerjungfrauen und Wirbeln, die alles (außer dem Papst) vernichten, fügten der surreal-brutalen Show das gewisse Etwas hinzu. Ach ja, einen neuen Bassisten habens, der macht seine Sache auch ganz vorzüglich. Bleibt zu hoffen, dass INFESTIGATION sich in Zukunft wieder öfter blicken lassen, und vielleicht auch einmal was aufnehmen!

Da ich anschließend dem KRISIUN-Interview von Kollege Macabre für das deutsche Brutal Views beiwohnte, sah ich nicht allzu viel von DEVIOUS. Diese holländische Death Metal-Kapelle war kurzfristig auf sieben Termine der KRISIUN-Tour aufgesprungen und bot thrashig angehauchten Death Metal, der im Vergleich zum Wahnwitz von INFESTIGATION geradezu konservativ wirkte, aber definitiv sehr gut gespielt war: Variable Geschwindigkeit und melodische Ausflüge machten DEVIOUS zu einem kurzweiligen Vergnügen, dazu arbeitete ein sechssaitiger bundloser Bass.

Trotzdem war niemand böse, als DEVIOUS Schluss machen mussten und endlich die Gebrüder KRISIUN zu den Äxten griffen: Und fürwahr, die irren Brasilianer entfachten eine Feuersbrunst infernalischen High-Speed Death Metals! Getragen vom guten Sound an diesem Abend, knallten uns KRISIUN Ehrfurcht gebietende Blast-Wände vor die Birne, und die Bude wackelte unter der entfesselten Urgewalt – besonders gegen Ende hin, als die „Conquerors of Armageddon“ einen Moshpit vom Zaun brachen, der sich gewaschen hatte, und der für Publikumsaktivität im Escape schon früh einen hohen Standard vorgab. Danke für die Ellebogen! – schön anzuschauen war’s trotzdem.

Programmtechnisch begannen KRISIUN mit älterem Material und fraßen sich erst ab der Mitte des Sets zu Titeln der aktuellen „AssassiNation“ durch: Tatsächlich erfreuten diese mit einem Hang zu einfacheren, aber gnadenlos gezielten und auch – no na – an Geschwindigkeit absolut nicht bemängelbaren Mosh-Attacken – sieht so aus, als würde den heißblütigen Herren doch noch so einiges einfallen. Weil es ja immer wieder heißt, Prügel-Death wäre gleich langweilig und nicht partyfähig – hier steppte der Metal-Bär, kochte die Menge, wurde brutaler Death Metal in Reinkultur zelebriert. Nicht zuletzt war der gute Alex Camargo ein sehr redefreudiger Geselle, der das Publikum prima in der Hand hatte und nicht müde wurde, uns einzubläuen: „This is underground Death Metal – no Rockstar Shit – I’m not kissing your Ass – without you, we’re nothing!“ Hehe... ein herausragender Abend, und schon jetzt eines der Highlights des Jahres!




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marian
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Beitrag vom 22.03.2006
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