FME // FINNISH METAL EXPO 2006  
17.02.2006 @ Kaapelitehdas // Helsinki

Nach dem Erfolg der FME im Vorjahr wiederholte sich das ganze Spektakel rund um Metal der finnischen Art in diesem Jahre wieder. Schauplatz war die alte Kabelfabrik (Kaapelitehdas). An den zwei Tagen (17. und 18.02.) gab es ein Programm, welches gleichermaßen für Fans, Presse, Musiker und Plattenfirmen etwas zu bieten hatte.

Für den Fan stand wahrscheinlich das Rahmenprogramm mit den Lifeauftritten und der Verleihung der Finnischen Metal Awards 2005 im Vordergrund. Und das Package konnte sich ohne weiteres sehen lassen und bot von Newcomern (SWALLOW THE SUN, VERJNUARMU, SINKING) bis zu altbekanntem (WALTARI, AMORPHIS) wohl für jeden etwas, der auf härtere finnische Musik steht.

Auf der anderen Seite gaben sich etliche finnische Labels (SPINEFARM, SAKARA Rec., DYNAMIC ARTS, POKO Rec., FIREBOX Rec., etc.) und auch Labels, die finnische Musik vertreiben (NUCLEAR BLAST, CENTURY MEDIA) die Ehre. Die vertreten Labels gaben vor allem Bands ohne Plattendeal die Möglichkeit mit den Labels persönlich in Kontakt zu treten und ihre Demos, Promos und dergleichen loszuwerden. Auf der anderen Seite warben die Labels mit ihren Bands und konnten so wiederum an die Fans herantreten.
Ansonsten bestand für die Fans an mehreren Merchandisingständen die Möglichkeit, ihr Geld in Shirts, CDs und was man sich sonst noch denken oder auch nicht unbedingt denken konnte (Gasmasken, alle Arten von Handschellen und Fesseln, etc.) anzulegen.

Auch verschiedenste Instrumentenhersteller (AMFISOUND) und Musikgeschäfte (MUSAMAAILMA) waren vertreten, wobei man diese wohl in zwei Kategorien unterteilen konnte. Auf der einen Seite boten einige Stände die Möglichkeit, ihre Instrumente gleich auszuprobieren, die anderen fuhren mit den einen- oder anderen Persönlichkeiten auf, die ihr Können zum Besten gaben und auch für Autogrammwünsche bereit standen. Nachdem, was einige junge Leute an den Gitarrenständen abspulten, verwundert es mich noch weniger, dass die Zahl hochkarätigen Bands in Finnland immer rasanter zunimmt.
Als weitere Gruppe reihten sich die diversen finnischen Festivalveranstalter in die Riege der Standbetreiber ein. Unter anderem waren hier das größte finnische Metalfestival, das TUSKA OPEN AIR, sowie diverse andere größere als auch kleinere Festivals wie das SAUNA OPEN AIR, NUMMIROCK, ILOSAARIROCK (vielen Dank für den Gratiskaffee!!!) vertreten.
Ebenso vertreten waren die diversen einheimischen Metalmagazine, um für ihre Magazine zu werben - und natürlich zwecks Berichterstattung. Hier eine kleine Aufzählung der vertretenen Mags: INFERNO, MIASMA, TUHMA, NOISE.FI, IMOERIUMI.NET und noch einige mehr.

Auch einige Bands nutzen die Gelegenheit und rührten mit eigenen Ständen die Werbetrommel für sich und ihre neuen Veröffentlichungen. So wurden unter anderem die neue Single und das kommende Album von PAIN CONFESSOR, der Zweitling von MISERY INC. und das Debüt von DEFUSE von den Bands persönlich und mit teils Unterstützung charmanter Damen angepriesen und an die Frau und den Mann gebracht.

Für den spaßigen, teils alkoholisierten Ausklang sorgte dann die schon von einigen finnischen Festivals bekannte Metal Karaoke. Als Neuerung wurde an einem der zwei Karaokestände nicht zur Musik aus der Konserve sondern zu Liveklängen von Gitarre und Bass gesungen, sofern sich willige und auch die Songs beherrschende Mitstreiter auftreiben ließen.

Also alles in allem hatte auch das Messegelände alleine etwas zu bieten, weshalb wohl einige, aufgrund des geringeren Eintrittspreises, auf die Bandperformances verzichteten und nur diesen Expoteil besuchten.

Im zweiten Teil der Halle befanden sich die Bühne, eine zweite Bar und der Aufgang zum Balkonbereich mit der zweiten Karaokebühne. Die halbstündigen Pausen zwischen den Auftritten konnte man sich bestens an den Ständen oder dem Alko-Areal vertreiben.
Den Start des ersten Tages übernahmen die Schwarzmetaller von AJATTARA, die wie schon am TUSKA voll überzeugen konnten und Material vom neuen sowie den älteren Alben spielten. Für mich persönlich kamen die Songs live viel besser zur Geltung und von der auf den Alben teils aufkommenden Monotonie war "On Stage" nichts zu spüren.
Mit VERNUJARMU enterte dann eine „ofenfrische“ Band die Bühne, welche erst Mitte Jänner in Finnland ihr Debüt veröffentlichte und eine schaurig schöne Mischung aus Dark und Heavy Metal sowie theatralischen Chören auf die Bühne brachte. Für Aufsehen sorgte sicher auch das Bühnenoutfit der Band, doch davon kann sich jeder in der Bildergalerie überzeugen. Hochkarätig ging es mit PAIN CONFESSOR weiter, denen - wenn alles mit rechten Dingen zugeht - ein baldiger internationaler Erfolg nicht verwehrt bleiben sollte. Kaum eine andere Band schafft es derart gut, Death/Thrashattacken mit melancholischen Parts zu kombinieren. An dieser Stelle sei hier der 01.03 angemerkt, denn dann erscheint ihr zweites Album „Fearrage“. Die Geschwindigkeit gedrosselt wurde anschließend bei der Performance von SWALLOW THE SUN. Wie stand es so schön in der Ankündigung „These Guys need more than 30 minutes to get to full speed. And that ain’t fast“. Alle Doomfans, die diese Jungs nicht kennen, sollten dies schleunigst ändern, denn sie sind die definitiven Nachfolger von MY DYING BRIDE. Geballte Trauer und Aggression par excellance.

Als Zwischenteil stand dann die Vergabe der Finnischen Metal Awards an der Reihe.
And the FMA goes to:
Beste Band: SENTENCED
Bestes Album: SENTENCED
Beste Veranstaltung: TUSKA OPEN AIR FESTIVAL
Bester Sänger: Antti Hyyrynen / STAM1NA
Bester Musiker: Alexi Laiho / CHILDREN OF BODOM
Bester Moderator: Teemu Suominen / Radio City
Bestes Coverartwork: SENTENCED
Beste Homepage: MOKOMA
Newcomer des Jahres: STAM1NA
Weitere Preise gingen noch ans SAUNA OPEN AIR METAL FESTIVAL und an NIGHTWISH für die Metaltat des Jahres, nämlich die Klärung des Streits innerhalb der Band.

Den Ausklang des Abends machten die Schweden von EVERGREY, welchen die Ehre zukam, eine von nur drei ausländischen Bands bei dieser Veranstaltung zu sein - gefolgt von den finnischen Metalheroen von TERÄSBETONI, die das Publikum einmal mehr mit ihrem Heavy Metal mit finnischen Vocals zu begeistern wussten.

Den zweiten Tag eröffneten WALTARI mit ihrer einzigartigen Mischung aus Rock, Pop und Metalgranaten. Ihre so frühe Spielzeit war wohl nur damit zu erklären, dass sie als Lockmittel fungierten, um die Halle schon zu dieser frühen Zeit zu füllen. Jeder der einmal die Möglichkeit hat sich diese, seit 1989 bestehende, Ausnahmeerscheinung anzusehen, sollte sich dies nicht entgehen lassen. Besonders das witzige Erscheinungsbild des Keyboarders und natürlich von Sänger Kärtsy machten den Gig zu einem spaßigen Einstieg in diesen Tag. In der Folge spielten einige mehr oder weniger bekannte Bands (WINTERBORN, BLOODPIT und NAILDOWN), von denen wohl besonders BLOODPIT (Glam’N’Roll) durch ihren Frontman und NAILDOWN durch ihren kompromisslosen Death/Thrash und ihren Bassspieler auffielen, der es nicht lassen konnte den Versuch zu starten, mit Zigarette im Mund zu bangen.
Die Gewinner des letztjährigen Bandcontests SINKING verwandelten dann die Zuschauermenge in ein Moshpit, erfreuten sie sich doch enormer Beliebtheit unter den Anwesenden.
Den absoluten Höhepunkt des Tages lieferten dann AMORPHIS ab. Zu deren Show konnte man eigentlich nur zwei Dinge sagen: Erstens, sie sind definitiv zurück und zweitens, der neue Mann am Mikro (Tomi Joutsen) ist nicht nur am Album, sondern auch live der absolute Hammer. Es brodelte förmlich, besonders dann als zum Höhepunkt ein Song des Debüts zum Besten gegeben wurde. Der Mann beherrschte einfach alle Stimmlagen und harmonierte bestens mit den neuen, als auch den alten Songs in denen er seinen Growls freien Lauf lassen konnte. Dazu bangte er unentwegt mit seinen endlos langen Dreads - schon allein ein Anblick für sich. Die kommende Tour ist also ein Pflichttermin!
Hochkarätig ging es mit ENSIFERUM weiter, die routiniert wie immer ihre Kampfeslieder runterspulten. Mit neuer MCD im Gepäck wurde die Bühne gerockt und zumindest live machte sich der Sängerwechsel in Bezug auf die cleanen Vocals nicht negativ bemerkbar. Leider hatten sie, als eine der wenigen Bands, unter einem nicht immer perfekten Sound zu leiden und besonders in den schnellen Passagen ging die Musik des öfteren in ein leichtes Dröhnen über, was jedoch die Qualität des Auftritts nicht beeinträchtigte.
Als Abschluss betrat U.D.O. als letzte Band die Bühne, wobei hier die Aufmerksamkeit der Anwesenden doch nur noch bedingt vorhanden war und eine Vielzahl die Alko-Area dem Stagebereich vorzog.

Als Fazit kann hier bemerkt werden, dass es sich um eine absolut gelungene Veranstaltung handelte und absolut weiterzuempfehlen ist. Besonders da Helsinki auch im Winter definitiv eine Reise wert ist und einiges zu bieten hat. Nächster großer Metal-Termin in Helsinki ist dann das diesjährige TUSKA Festival (OPETH, AMORPHIS, MOKOMA, NORTHER, uvm.), welches heuer etwas früher, nämlich vom 30.06 bis zum 02.07. stattfinden und wie immer auch einiges an Rahmenprogramm zu bieten haben wird.


FOTOS + E-CARDS
www.fme.fi

Harald
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Beitrag vom 26.03.2006
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