SOULFLY   MASTIC SCUM   
07.03.2006 @ Rockhouse

Am 7. März 2006 stehen im Salzburger Rockhouse SOULFLY und MASTIC SCUM auf dem Spielplan. Das Konzert – besser gesagt der Weg dahin – beginnt schon mal ganz gut: Zu spät die Wohnung verlassen, Stau auf dem Weg zum Rockhouse und dort angekommen das alte Leid mit der Parkplatzsuche. Schließlich kommen wir kurz vor 20:30 Uhr ins Rockhouse rein, in der Erwartung ausreichend Zeit zu haben, um ein gemütliches Bier zu schlürfen und mit anderen Fans über die mögliche Setlist zu philosophieren. Kaum eingetroffen war es wieder da: Das Wissen, dass nicht einmal das Metal-"Business" vor den Tücken und Unsitten unserer Leistungsgesellschaft verschont bleibt. Eine dieser Unsitten ist es, Konzerte tatsächlich zum angekündigten Zeitpunkt beginnen zu lassen! Wer will denn so etwas? Sind wir doch ehrlich: Metaller sind Gewohnheitstiere und darauf eingestimmt bei Konzerten mal eine halbe Stunde oder mehr zu warten bevor es wirklich losgeht. Das ist Rock n’ Roll, das ist Heavy Metal!!! Und das soll bitte, bitte, bitte auch so bleiben!

Um Punkt 20:30 Uhr beginnt also…

… der erste Teil des Spektakels: MASTIC SCUM betreten die Bühne. Nach einem kurzen Intro vom Band fetzen sie umhüllt von rotem Licht drauf los. Altbekanntes und altbewährtes Death-Metal-Grind-Geknüppel wird präsentiert von Sänger „Will“, der in all den Jahren nichts von seiner Rastlosigkeit und seinem finsteren Blick auf der Bühne verloren hat. Die Band brettert in gewohnter Manier neue und alte Songs herunter, der Sound kommt fett rüber. Kurz blitzt die Erinnerung auf, wie es war in den 90ern mit MASTIC SCUM in Originalbesetzung abzuhängen und sie auf Gigs zu begleiten: Schlafen in fremden Wohnwägen, auf die Bühne geworfene Koteletts, Nackenschmerzen, Groupies in Buffalos, viel Bier und die Träume der Burschen aus dem Oberpinzgau. Wer weiß, vielleicht hatten sie es damals schon im Urin, dass Max Cavalera auf sie wartet und verschwendeten keine Gelegenheit sich weiterzuentwickeln. Der Umzug nach Wien, der Bassistenwechsel, unzählige Touren und mittlerweile ein sattelfester Platz im internationalen Underground sind Zeichen dafür, dass MASTIC SCUM noch viel vor hat. Die Band liefert einen makellosen Gig ab und kommt bei der Meute recht gut an. Ein Blick in die Menge lässt jedoch auch ein wenig darauf schließen, dass sich etliche beim Headbangen und Moshen nicht zu sehr verausgaben und ihre Energiereserven für die Headliner aufsparen. Nach 40 min war der Auftritt dann vorbei.

In der Umbaupause bietet sich erstmals Gelegenheit sich im Rockhouse-Saal richtig umzusehen. Das Publikum ist auffallend jung und es hat den Anschein, dass an diesem Abend sogar der eine oder andere Konzert-Debütant unterwegs ist. Die Anspannung des Publikums ist bereits deutlich zu spüren. Schulter an Schulter drängeln sich die SOULFLY-Die-Hard-Fans vor der Bühne, auf der die Roadies bereits fleißig umbauen. Jedes noch so kleine Indiz, dass SOULFLY bald auf der Bühne erscheinen werden, erregt großes Aufsehen. Beim Hissen des SOULFLY-Stagebanners bricht das Publikum in Jubel aus. Eine ähnlich faszinierende Wirkung übt Max Cavaleras Mikrofonständer aus, an dem eine Gasmaske angebracht ist. Die Umbaupause dauert dann doch länger, als sie laut der überall an den Wänden angebrachten Running Order dauern sollte – danke, das war auch dringend notwendig, um den Debütanten im Saal zu zeigen was den Heavy Metal ausmacht!

Als SOULFLY endlich auf die Bühne kommen und noch keine drei Takte gespielt haben, formiert sich die während der Umbaupause aufgestaute Anspannung des Publikums schlagartig zu einem gewaltigen Moshpit, der gleich das halbe Rockhouse erfasst! Max Cavalera hat einfach das Zeug dazu, die Masse in Bewegung zu bringen: Mal abgesehen von den groovig-rythmischen und doch aggressiven Songs, die er zu schreiben imstande ist, ist er auf der Bühne auch ein agiler Frontmann, der es versteht, das Publikum zu begeistern und mitzureißen. Seine Headbang-Versuche auf der Bühne sind zwar etwas lustig anzuschauen, da seine Frisur – bestehend aus halblangen Haaren und zwischendrin ein paar verfilzten Strähnen, die wohl Dreadlocks darstellen sollen – nicht mehr unbedingt dafür geeignet ist. Aber das stört hier niemanden oder scheint der moshenden Meute zum Großteil nicht einmal aufzufallen. Neben mir fassen sich zwei Girlies ein Herz, nehmen einander an der Hand und stürzen sich zu zweit ins Getümmel (vermutlich Debütantinnen). Während einer Percussion-Session holt Max einen jungen Fan aus der ersten Reihe auf die Bühne und lässt ihn ein wenig mittrommeln! Und das ist es, was dieses Konzert so wunderbar macht: Auf der Bühne steht eine Band, die den direkten Kontakt zum Publikum sucht und so die Menge begeistern kann! SOULFLY bilden hier eine seltene und äußerst willkommene Ausnahme. Die Regel ist nämlich leider doch, dass Bands einfach nur versuchen ihr Set möglichst fehlerfrei und mit stoischer Miene runterzuspielen. Mit den Songs „Refuse/Resist“ und „Mass Hypnosis“ wird schließlich auch noch die SEPULTURA-Fraktion im Publikum bedient, von der vermutlich nicht allzu viele Vertreter anwesend sind – hin und wieder hört man aber doch verzweifelte „Roots, bloody Roots“-Rufe im Publikum. Dieser Wunsch bleibt aber unerfüllt. Nach den obligaten Zugaben und einem überdurchschnittlich langen Rückkopplungs-Wirrwarr – das auf weitere Zugaben hoffen lässt – verlassen SOULFLY die Bühne und wir machen uns endlich auf den Weg zur Bar.


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chrisgrun

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Beitrag vom 02.04.2006
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