TYLER   CORE  
09.02.2006 @ Posthof

Seit mehr als 15 Jahren steht der Kulturmonat Februar im Posthof ganz im Zeichen heimischer Tonkunst, denn im Rahmen der Heimspielabende wird hochtalentierten Gruppen aus hiesigen Breitengraden die Möglichkeit gewährt, unter denkbar professionellen Bedinungen zu performen, und der Fokus richtet sich dabei längst nicht mehr nur auf Musikschaffende, denn auch aufstrebende Kleinkünstler und dergleichen dürfen jedes Jahr ihr Können im Februar im Posthof-Saal um die Gunst des Publikums buhlen. Was ursprünglich lediglich eine Reaktion auf die Klagen vieler Linzer Musiker, wonach es zu wenige Auftrittsmöglichkeiten in der Stahlstadt gebe, darstellte, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer liebgewonnenen und daher längst unverzichtbaren Tradition.

An diesem Abend hatten sich eigentlich drei Formationen angesagt, aber da die Gruppe PLASTICUBE krankheitsbedingt ihren Gig stornieren mussten und wohl auf die Schnelle kein Ersatzact ausfindig gemacht werden konnte, reduzierte sich das Billing eben auf die beiden Wiener Bands CORE und TYLER.

Den Anfang machten CORE, die seit Bandgründung anno 2002 eine kontinuierliche Entwicklung durchlebten und ihren Bekanntheitsgrad in diesem Zeitraum sukzessive ausweiten konnten. Naive Frischlinge ohne jegliche Erfahrungswerte, die ihre ersten wackeligen Schritte im Musicbusiness unternehmen, waren die Herren aber schon damals nicht, denn das Trio von CORE bildete einst das musikalische Grundgerüst der in den 90ern allseits bekannten PARADISE NOW!, die mit Weltstars wie u.a. den ROLLING STONES die Bühne teilen, bei internationalen Großveranstaltungen mitwirken durfen, und auch von der damaligen Plattenfirma bzw. den heimischen Medien enorm gepusht wurden, aber schlssendlich im Jahre 2002 doch das Zeitliche segneten.

Trotz dieses beeindruckenden Werdegangs der vorherigen Band, schreckten die drei Ex-Members nicht davor zurück, mit CORE einen gänzlichen Neustart zu vollziehen: Und siehe da: Auch hier stellten sich nach und nach Achtungserfolge, wie beispielsweise Auftritte bei diversen größeren Festivals ein. Die musikalische Heimat von CORE liegt zweifeslohne in der weitläufigen Großfamilie des Alternative Rock: Die Kompostionen erweisen sich beim ersten Höreindruck zwar zum Teil noch relativ sperrig bzw. nicht allzuleicht zugänglich, was sich aber nach mehreren Durchläufen ändert, und bestechen durch großartige Melodien sowie vor allen Dingen authentischem Rock `n` Roll-Flair, der sich dank der Spielfreude der Protagonisten bei Liveshows besonders intensiv zu entfalten vermag. Die wenigen Anwesenden zollten jedenfalls der Band das verdiente Maß an Respekt ab.

Danach folgten TYLER, deren Show wohl die meisten Anwesenden zu einem Besuch der Veranstaltung bewog: Schließlich lief u.a. das Video zum Stück "Beautiful" bereits auf MTV bzw. GOTV, und selbst Ö3 setzte die Single "Hello" auf Heavy Rotation. Dementsprechend niedrig war der Altersdurchschnitt im Publikum, das sich in den Tiefen der TYLERschen Klangwelt verirrte. Die Wiener, die heuer auch beim Nova Rock-Happening zu sehen sein werden bzw. kürzlich auch mit den großen SIMPLE MINDS unterwegs waren, bieten der Zuhörerschaft wohlklingenden, manchmal aber auch phasenweise unkontrolliert dahinrockenden, aber vor allen Dingen angenehm eingängig gehaltenen Alternative Rock, der nicht umsonst auf so großen Zuspruch, und zwar bei ProgrammmacherInnen und Fans gleichermaßen stößt.

An diesem Abend setzte die Gruppe alles daran, ihren Fans einen guten Überblick über das auf ihrem Debutalbum "Don`t Play" (2005) befindliche Liedgute zu bieten. ("Separated"; "Beautiful" (inkl. Mitsingpart); "All My Weapons"). Und der engagierte Auftritt der zu einem überaus großen Maß an Leidenschaft zelebriert wurde, stieß durchaus auf positive bzw. euphorische Resonanzen. Lediglich der Besucherzustrom an diesem Donnerstagabend war zu bemängeln, aber Verpflichtungen wie Schul- oder Unibesuch bzw. ein früher Arbeitsbeginn am darauffolgenden Werktag hielten wohl viele Interessierte davon ab diesem Ereignis beizuwohnen.


Hutti
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Beitrag vom 24.04.2006
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