NECKBREAKERS BALL: HYPOCRISY   SOILWORK   AMORPHIS   SCAR SYMMETRY   ONE MAN ARMY & T.U.Q.  
21.04.2006 @ Planet Music

Mit gemischten Gefühlen zog es mich am 21. April ins Wiener Planet Musik zum doch wirklich nett betitelten Neckbreakersball. Gastgeber dieses Ereignisses waren SCAR SYMMETRY, die ONE MAN ARMY von Johan Lindstrand und Konsorten, den widererstarkten AMORPHIS, und dem Schwedendoppelpack von SOILWORK und HYPOCRISY.

Durch einen Interviewtermin verspätet blieb mir nur das Ende des Openingacts SCAR SYMMETRY, die ihrer Aufgabe scheinbar aber mehr als ordentlich machten und die ersten Zuschauer schon zum Bangen bewegten. Druckvoll kam der Sound aus den Boxen und bot so die besten Voraussetzungen für ihren Death Metal und dem gemischten Gesang aus Growls und cleanen Vocals. Da mir nicht viel von der Band bekannt ist, kann ich nicht unbedingt etwas um die Liveumsetzung der Stücke sagen, jedoch sei erwähnt, dass das was ich kannte, live noch um eine Ecke besser rüber kam als auf Scheibe. Mit im Rücken hatten sie zusätzlich noch ihr an diesem Tage erschienenes neues Album „Pitch Black Progress“, von dem es natürlich auch etwas zu hören gab.

Nach kurzer Pause war es dann Zeit für Johan Lindstrand und sein Untotenquartett, das mich schon wie auf ihrer CD nicht überzeugen konnte. Old school Death, teils interessant, meist jedoch nicht sehr, welcher durch einen meist recht undefinierten Sound noch weniger zu Gefallen wusste. Einigen gefiel es ja doch und so wurden auch diese Schweden und ihre Songs doch recht abgefeiert.

Als nächstes kam dann der Höhepunkt und finnische Keil in diesem Schwedenüberangebot des Tages – AMORPHIS. Nachdem mir Sänger Tomi bereits im Interview einen Song aus allen Alben, also auch vom Debüt, versprochen hat, war ich mehr als gespannt auf den Auftritt. Leider hatten auch die Jungs aus Helsinki nicht unbedingt viel Glück mit dem Sound und so wechselte dieser zwischen drucklosen, dröhnenden und doch druckvollen Teilen. Gestartet wurde das Set mit zwei Songs des letzten Outputs „Eclipse“ und zwar mit „Leaves Scar“ gefolgt von der Singleauskopplung „House of Sleep“. In der Folge ging es dann schrittweise zurück in der Zeit mit den Songs „Against Widows“, „In the Beginning“ und „Divinity“. Mit „Under A Soil And Black Stone“ gab’s anschließend wieder etwas vom neuen Album, bevor der von mir lang ersehnte Augenblick kam und mit „Sign From The North Side“ ein Song der „The Karelian Isthmus“ Scheibe durch die Boxen dröhnte, und dies sogar in passablen Sound. Neuzuwachs der Band - Tomi Joutsen - zeigte hier, dass er sich auch in den Death Metal-Stücken so richtig zuhause fühlt und stampfte und bangte sich durch den Song. Es war eine richtige Freude, die Truppe das alte Material spielen zu sehen. Es folgten „The Stone“ und der noch ausstehende Song von „Am Univesum“ und zwar „Alone“. Viel zu früh wurde es dann Zeit für den letzten Song der Finnen. Nach der frohen Botschaft, dass dieser vom „Tales…“ Album kommt, folgten einige enttäuschte Gesichter, als „The Castaway“ und nicht das erwartete „Black Winter Day“ angestimmt wurde. Auch aus einer erhofften Zugabe wurde nichts, aber alles in Allem ein wirklich guter Gig, der zu gefallen wusste.

Eine weitere Pause später war es Zeit für SOILWORK. Nachdem mich die Schweden schon vor Jahren mit einer freudlosen und selbstverherrlichenden Show vergrault hatten, konnten sie mich diesmal wieder ein wenig milder stimmen. Was mir allerdings diesmal ein Rätsel war, warum sich ein Schwede mit „Kiitos“ (Anm.: finnisch für Danke) beim Publikum bedankt – ja immer diese Geschichte mit den Schweden und Finnen.
Musikalisch spielte man sich quer durch die Laufbahn, wobei das Hauptaugenmerk auf dem letzen Output „Stabbing The Drama“ lag, von welchem die Songs „One With The Flies“, „Stabbing The Drama“, „Nerve“ und „Stalemate“ gespielt wurden. „Blind Eye Halo“ hätte es auch noch in die Setlist schaffen sollen, wurde aber aus welchem Grund auch immer nicht mehr gespielt. Dafür konnte man sich noch an Songs der älteren Alben erfreuen, nämlich „Follow The Hollow“, „Rejection Role“, „The Chainheart Machine“, „Bastard Chain“ und „As We Speak“, um nur einige zu nennen. Wie auch schon der Großteil der vorherigen Bands hatten auch SOILWORK nicht gerade einen berauschenden Sound, was sich bei ihnen vorrangig in den cleanen Vocals von Frontmann Bjorn Strid niederschlug, die kaum bzw. schlecht zur Geltung kamen. Ansonsten ein anständiger Gig ohne viel Emotionen oder Auffälligkeiten.

Tja, 22:40 war es dann soweit und die „Peter“ Rufe begannen. Eigentlich schon schade, dass die Band auf Herrn Tägtgren reduziert wird. Nach längerer HYPOCRISY-Abstinenz war ich gespannt, ob sie es schaffen würden, mich noch einmal auf ihre Seite zu ziehen, was ich jetzt mit einem schlichten NEIN beantworten kann, dem Rest der Anwesenden schien das Treiben von Peter, Andreas, Mikael und Horgh anscheinend zu gefallen.
Ihren Reigen begannen sie mit „Let The Knife Do The Talking” vom aktuellen Longplayer “Virus”, von welchem auch noch „Warpath“ und „Blooddrenched“ gespielt wurden. Dank mittlerweile zehn Scheiben war es wohl ein Ding der Unmöglichkeit, es jedem recht zu machen, aber im Großen und ganzen bot man einen guten Überblick über das bisherige Schaffen und mit „Impotent God“ wurde auch ins Jahr 1992 und „Penetralia“ zurückgegangen. Songs wie eben erwähnter und „Osculum Obscenum“, „4th Dimension”, „Killing Art“ oder „Fire In The Sky“ sorgten dennoch für recht gute Stimmung, obwohl auch hier mit dem Sound gekämpft wurde.
Wenn ich jedoch an frühere Konzerte zurückdenke, zeigte man sich an diesem Tage schon sehr verhalten auf der Bühne, ein wenig mehr Stageacting währe kein Fehler gewesen, vielmehr hatte es den Eindruck, als wäre es mittlerweile zu einem reinen Job, zu einem „same thing as usual“ geworden. Aber HYPOCRISY wären nicht die erste Band, die sich ihr Herzblut nicht erhalten konnte. Auch war es schade, dass mit einem abschließenden „Roswell 47“ und dem „Final Chapter“ bereits nach einer knappen Stunde das Ende erreicht war, schon eine etwas magere Darbietung für einen Headliner, wobei die Headlinerfrage bei diesem Neckbreakersball für mich sowieso etwas fraglich war. Alles in allem fand aber ein netter Konzertabend mit mäßigem Sound sein Ende und entließ uns in die Nacht…


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Harald
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Beitrag vom 04.05.2006
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