NILE   YYRKOON   PSYCROPTIC   DARK DECEPTION   
23.04.2006 @ Planet Music

Wenn man sich so die Reaktionen auf jenes Konzert im Wiener Planet Music in den diversen Foren so durchliest, so merkt man, dass die Wellen langsam aber stetig immer höher schwappen - es ist ja nun kein offenes Geheimnis mehr, dass jene Location weitläufig als Paradebeispiel für schlechten Sound herangezogen wird.
Fürwahr - gerade im (mehr oder weniger) direkten Vergleich zum Konzert im Grazer Orpheum am Vortag wusste das Planet erneut, seine Stellung klar und deutlich zu fixieren. Auch wenn in letzter Zeit der eine oder andere Lichtblick am Horizont kurz aufleuchtete (Stichwort: CANNIBAL CORPSE), so wurde man doch abrupt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Das Drama begann bereits mit den lokalen Openern DARK DECEPTION - abgesehen davon, dass die Bass wie gewohnt dominant über Gitarren und Stimme drohnte, auch war das Keyboard nur sehr spärlich (wenn überhaupt) zu vernehmen. Wenigstens bot sich aufgrund der spärlichen Füllung der Halle die Möglichkeit auszutesten, ob an der Theorie, der Sound wäre an manchen Stellen besser, als an anderen, etwas Wahres dran ist. Untersuchungsergebnis: Fehlanzeige. Nichts desto trotz gab das Quintett ungeachtet verhaltener Reaktionen im Publikum sein Bestes, agierte spielfreudig und annehmbar tight. Insgesamt gesehen waren die Wiener jedoch nicht mein Fall - nicht, dass sie als Gesamtobjekt unspektakulär gewesen wären, nein, allerdings passten sie mit ihrer melodischen Schlagseite, die dem knackigen Death-Thrash-Gemix verpasst wurde, nicht unbedingt ins Billing - auch als aufwärmender Opener hätten sich meiner Meinung nach treffendere Acts finden lassen können.

PSYCROPTIC hingegen präsentierten sich erneut - zwei Wochen nach ihrem fulminanten Auftritt am No Mercy - als hervorragender Liveact. Nicht nur technisch, wie gewohnt, auf höchstem Niveau, lieferte man auch eine energiegeladene Performance ab, die trotz brüchigem Sound bereits für erste Stimmung sorgen konnte. Erneut bewiesen die Australier, dass man auch als Quartett freakigen Sound zelebrieren kann - der aber auf der anderen Seite stets geradlinig genug blieb, um noch nachvollziehbar und livetauglich zu sein. Die Publikumsnähe vermisste ich aber dennoch etwas - so agil wie sich der Fronter im Hare-Krishna-Look gebärdete, wäre vielleicht das eine oder andere Wort mehr noch drinnen gewesen - dennoch: einen eigenen Charme, einen Reiz versprühen die vier durchaus, und die Reaktionen zeigten, dass nicht wenige zumindest auch wegen ihnen anwesend waren.

Der französische Export, der da auf den Namen YYRKOON hört, präsentierte sich weniger sperrig - und wenn auch nicht uninteressant, so auf Dauer dennoch etwas eintönig. Vom akzeptabel ausbalancierten Mix aus Geschwindigkeit und Groove geprägt war man für meinen Geschmack im Enddefekt doch zu thrashig unterwegs, um wirklich zu gefallen. Zwar fand Stefs Stimme durchaus Anklang bei mir, und auch die Publikumsnähe und Stimmung stimmte - insbesondere das fröhliche Gepose von Basser Victo ließ ab und an an IRON MAIDEN denken - aber das "gewisse Etwas" ließen sie dennoch missen.

Der krönende Abschluss sollte von NILE zelebriert werden - beim letzten Besuch in Wien litt das Trio/Quartett ja an einem Sound, der vor allem eines missen ließ: die Stimmen - bei NILE so gut wie das Todesurteil. Dieses Mal standen die Sterne jedoch - oh Wunder! - besser, allerdings: viel schlechter wäre es auch nicht mehr gegangen. Wenn auch der Sound alles andere als zufriedenstellend war - die Soli waren beispielsweise nur erahnbar, der Bass nach wie vor zu dominant, und auch die Stimmen abseits von Dallas zu leise -, so war doch eine konstante Verbesserung im Laufe des Konzertes merklich.
Insbesondere Fronter Dallas schien Spaß an der Sache zu haben, als auch Karl (ansonsten eher konzentriert im Hintergrund) diesmal mehr Nähe zum Publikum aufnahm; Aber auch Ersatz-/Session-/Dauer-Basser Joe zelebrierte in gewohnter Manier einen pfeilschnellen Heli nach dem anderen, während er gekonnt seine Finger über das Griffbrett manövrierte. Insgesamt wirkte man immens tight wie schon lange nicht mehr gesehen - gehört allerdings auch nicht wirklich.
Einziger, nicht erwarteter Wehrmutstropfen, stellte die Songauswahl dar - ein Song vom Debüt ("Serpent Headed Mask"), sehr wenig von "Black Seeds of Vengeance" und somit deutlicher Schwerpunkt auf "In Their Darkened Shrines" und "Annihilation Of The Wicked" wusste wohl nicht nur mich weniger zufrieden zu stellen. "Unas - Slayer Of The Gods" wurde trotz lautstarken Grölens einer kleinen Gruppe und lächelnder Zurkenntnisnahme seitens Dallas ebenso wenig gespielt wie beispielsweise "Opening The Mouth" und "Ramses, Bringer Of War". Schade eigentlich, aber ähnlich wie bei CANNIBAL CORPSE zuvor scheint es zur Zeit in Mode zu sein, mehr auf die aktuellen Veröffentlichungen zu setzen.

Abseits der gewohnten Soundprobleme ging der Abend jedoch völlig in Ordnung. Alex Wank bewies erneut, dass Konzerte selbst anno 2006 nicht jenseits der 20 Euro-Marke kosten müssen, um realisierbar zu sein - und das Bier beim Würschtelstand war kalt und preislich angemessen.
Schade allerdings (sowohl für die Verantwortlichen und die Bands), dass sich im Planet wohl kaum mehr als 200 Nasen einfanden, angenehm auf der anderen Seite dennoch.


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Beitrag vom 11.05.2006
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