ALKBOTTLE   J.B.O  
06.06.2006 @ Arena

Zum dreißigjährigen Bestehen ließ sich die Arena diese Tage nicht lumpen und orderte so den einen oder anderen sehens- und hörenswerten Gast in die heiligen Gemäuer - neben Auftritten von DOG EAT DOG, TITO & TARANTULA, ATTWENGER und HATEBREED war am 06.06.2006 Patriotismus für die Wiener angesagt: Dem dank der deutschen Blödelbarden von J.B.O (welche sich übrigens auch auf Wienerisch versuchten) bestens aufgewärmtem Publikum wurde das alkhaftige Böse präsentiert, sogar SLAYER verschoben den Veröffentlichungstermin ihrer kommenden Langrille "Christ Illusion", als der Alkochrist höchstpersönlich an ihrer Tür klingelte und ihnen ein charmant-derbes "Geh scheißn!" ins Gesicht rotzte.
Das Wetter meinte es jedenfalls gut mit den zahlreich Anwesenden, nicht zu penetrant brennend sorgte die fallweise von Wölkchen verdeckte Sonne für (hekto)literweise fließenden Gerstensaft und dementsprechend ausgelassene Stimmung - dass da ab und an ein Klogang als hinderlich angesehen wurde und man somit ungeniert mitten im Publikum urinierte, versteht sich quasi von selbst. Sogar der von der al-Qaida (welche sich spontan in Alk-Aida umbenannte) gestiftete Pausenfüller erntete für seine mit schier unglaublicher Überzeugung vorgetragenen Funk-Soul-Reggae-Crossover-Balladen zustimmenden Applaus und Sympathie, auch wenn nicht selten das Gefühl aufkam, dass sich jener auch mittels Bong-Spezialkonstruktion für die über die Bühne ziehenden Nebelschwaden verantwortlich zeichnete.

Die Marmeladinger von J.B.O als Anheizer zu engagieren zeugt von Hirn - falsch kann hierbei wenig laufen. Obwohl deutscher Humor bekanntlich für Österreicher weitgehend als merkwürdig gewertet wird, sind die Franken dennoch stets ein Garant für ausgelassene Stimmung. Blöd aber mit Hirn bewies das Quartett rund um Vito C. und dem Laber-Hannes bereits in der Vergangenheit mehrmals ein glückliches Händchen dafür, dass der richtige Ton immer noch die beste Musik macht - 30 Jahre Arena waren hierbei keine Ausnahme. Mit Elan, Spaß und Esprit blödelte man sich quer durchs Programm - die Meute war (wie die Ziegenrotzer von BELPHEGOR es formulieren würden) "fest in deutscher Hand", wenn auch in meinen Augen nicht selten der fahle Beigeschmack von einstudierten Gags und maschinellem Procedere der Sache anhaftete.

Ganz im Gegensatz dazu stand bei den gemeinsam mit der Dunkelheit über die Arena hereinbrechenden ALKBOTTLE die Spontaneität, die Herzlichkeit, der unverwechselbare proletuide Charme im Vordergrund. Seit gut anderthalb Dekaden sind die Wiener rund ums g'scherte (und net minder goscherte) Gfrast Gregory ein Garant für knackiges Geschepper, zahlreiche Klassiker - welche man auch noch im ärgsten Vollsuff problemlos in den Kanal lallen kann - dokumentieren den steilen Aufstieg, hinaus aus den versifften Meidlinger-Beisln, hinauf in die Charts.
Angefangen bei ganz alk (den freud'schen Verschreiber lass ich gleich mal stehen) - "No Sleep Till Meidling", "Der Musikantenstadl brennt", "Autobus" und "Motorradlfohrn" - zog sich das Programm der leiwanden Wiener (mit gewichtig nasal-monolateraler Betonung auf das "l" in "leiwand") über das Hitalbum "Blader, fetter, lauder und a bissl mehr" bis hin zur Spätphase der "Kinderjausn" und der "Trivialkbottle", und auch der "Alkochrist" wurde mit "6 Bier" gehuldigt...
Am sechsten Tage, im sechsten Monat, im sechsten Jahr nach dem sechsten Bier ward er wiedergeboren - ALKBOTTLE sind auch Anno 06 noch eine Band, die selbst ein komatöses Altersheim zum feucht-fröhlichen Rudlbums anheizen könnte - gerade der urige Humor, der goschate Charme einer Kettensäge, der Schmähtandler Gregory nach wie vor anhaftet macht das Quintett zu einer der stärksten Livepartien, die einem Kabarett gleich ein Bahöö sondersgleichen zu vollbringen wissen.
Fraglich ist nur, ob sich Gregory mit dem BH-Werfer schlussendlich doch in a Separetscherl gschlichn hat und sich an ghoeden Baua hat owereissn lassn. Muss jo net imma a Biggsn sein - und angetan war der Gute ja scho von den Tuttaln ;)


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Beitrag vom 17.06.2006
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