KALTENBACH OPEN AIR 2006 – TAG 1  
14.07.2006 @ Spital am Semmering

Was ist schon Weihnachten, Ostern oder der Staatsfeiertag? Für die österreichischen Metaller kann es nur eines geben: Das KALTENBACH OPEN AIR. Gibt’s das denn, dass es schon wieder vorbei ist? Wochen und Monate zuvor haben wir gefiebert und uns gefreut wie die kleinen Kinder; jetzt bleiben nur noch Erinnerungen, Schädelbrummen, Ohrensausen und die Hoffnung auf das nächste Jahr, wenn das KOA schon ganze fünf Jahre alt wird.

Ist es die Höhenluft, die so sentimental macht, oder nur die Katerstimmung? Jedenfalls war das diesjährige KALTENBACH etwas ganz besonderes, wir haben uns amüsiert wie die Könige. Bier, Wald und schwarze Musik – eine betörende Mischung, wieder einmal vorzüglich abgeschmeckt von den allzeit zuverlässigen Chefköchen vom KVK.

Natürlich ganz wichtig bei Freiluftveranstaltungen: Das Wetter. Und das meinte es gut mit uns: Von einem kurzen Schauer am Freitag abgesehen geradezu paradiesisch und zumindest nach den letzten Seufzern der gelb glühenden Todeskugel, der wir alle so zwiespältig gegenüberstehen, ideal, um 38 Bands zu bewundern.

Nur die Zusammenstellung der Kapellen stellte nicht jeden restlos zufrieden; der Schwerpunkt bei den höher rangierenden Bands lag doch etwas einseitig im Lager des Old-School-Death (DISMEMBER, UNLEASHED) und Pagan-Black (MOONSORROW, SKYFORGER, ENSIFERUM); brutaler Death und Black kamen etwas kurz. Dennoch stellten sich gerade genannte Bands als Live-Phänomene heraus, und zumindest in den Untiefen des nachmittäglichen Treibens kam eine jede stilistische Facette des harten Genres zu ihrem Recht. Am besten jedoch: Die überaus fetten Headliner, CARPATHIAN FOREST und natürlich SODOM, die auf dem KALTENBACH 25. Geburtstag feierten. (Wobei - und das muss man schon sagen - CARPATHIAN FOREST waren wirklich ordentlich "fette" Headliner... ;-) Anm. Macabre)

Ja ja, hart ist das Leben als Underground-Band: Seitens lokaler Gruppen hatte im Vorfeld immenser Andrang geherrscht. Jeder wollte das harte Holz der kaltenbachschen Bühne unter den Füßen haben, die Glücklichen, denen es vergönnt war, mussten sich aber mit relativ laschem Publikumsaufkommen begnügen, was bei Startzeiten ab 10:00 und besagter bösartiger Sonne auch nicht großartig verwundern kann. Als zusätzliches Problem ergab sich, dass die Soundtechniker dieses Jahr leider nicht die besten waren und dem Ruf des KOA als wohlklingender Feierlichkeit somit ein paar Kratzer verpassten. Egal, wenigsten hier mögen sie, die Bands des Freitag Nachmittag, nochmals zu Ruhm und Ehre kommen: DUSK RITUAL, MIDGARD.UPGRADED, LUNACY, MOLOKH, DARK DECEPTION, MORBID BREED, PLENTY SUFFERING, DEVANIC, SCARECROW, HELLSAW, TESSTIMONY und DARKSIDE. Besonders auf die Qualitäten der mit bester Frickel-Death-Erfahrung senkrecht gestarteten MOLOKH (denen für die dämliche Kuhglocke am Zeltplatz aber ein paar Zähne Tribut abgefordert werden sollten), der Modern-Thrasher DEVANIC und der Nachwuchs-IMMORTAL-Truppe HELLSAW möchte ich hier noch mal ausdrücklich verweisen. Vielleicht nächstes Jahr IMMORTAL selbst?

Mit dem kühlenden Kuss der Dämmerung machte sich endlich das wahre Aufgebot der angeheiterten Metal-Milizionäre bemerkbar: Ab SEVERE TORTURE stieg die Menschenzahl beträchtlich (obwohl besagte Truppe zwar solide, aber letzlich erfolglos ihren Debüt-Glanztaten von „Feasting on Blood“ nachhechelnd, unter dem Strich eher enttäuschte), bei SKYFORGER steppte dann der Bär zu metallischen Vertonungen lettischen Liedguts, stilecht im Wams und mit Zithern, Sackpfeife und Flöten dargebracht. Ein wahres Fest, nur der totale Sound-Crash und der Abbruch der letzten Nummer taten ein bisschen weh. KOLDBRANN traten als Vertreter der ganz gemeinen Underground-Schwarzholzgewerkschaft an, konnten aber die dämonische Bosheit ihrer Aufnahmen (die ich wirklich geil finde) nur unvollständig replizieren. Vielleicht immer noch zu hell...

Mit ENSIFERUM war dann wieder Ahnen-Pathos angesagt – aber kein Vergleich zu SKYFORGER, sorry – ,und HATESPHERE unterhielten, als Hardcore-lastiger Kontrapunkt, mit spielfreudigem Neo-Thrash, zwar passagenweise fürchterlich gefladert von den Göttern PANTERA, aber jedenfalls spaßig. Schon Zeit für den Co-Headliner DISMEMBER? Wo ist die Zeit bloß hin? Wenn man so viele Leute trifft wie am KOA, beantwortet sich diese Frage von selbst. DISMEMBER jedenfalls, sonst eigentlich ganz und gar nicht mein Fall, fetzten fein und entfachten Feuer in den Herzen der Legionen. Ja! (Auch ich muss zufügen: Während DISMEMBER für mich bisher eine reine Clubband waren, alleine deshalb, da sie trotz Mattis Kessel auf einer großen Bühne in meinen Augen bisher immer etwas untergingen, und auch, da kleine Bühnen in niederen Hallen eher die Atmosphäre umzusetzen wissen, die DISMEMBER mit ihrem bewusst altehrwürdigen Sound herauf zu beschwören wissen - doch am KOA überzeugten sie mich vom Gegenteil: Auch in den weiten Tiefen des Semmerings - vielleicht auch gerade ob der Location perfekt für die Schweden - hatten sie die mittlerweile ansehliche Masse fest in ihren Händen, eine donnernde Wucht, die ihres Gleichen sucht, brach quasi über die Zuhörer ein... - Anm. Macabre)

Als Nattefrost noch weit vor Einbruch der Dunkelheit von der Security getadelt werden musste, weil er von unsichtbaren Kräften gegen Autos geschleudert wurde, war schon klar: CARPATHIAN FOREST wird eine waache Partie. Inzwischen dürfte ja bekannt sein, dass der kleine, gemeine Fronter vor einem halben Jahr nur knapp dem Untergang durch Überdosis entgangen ist, allzu vernünftig hat ihn die Nahtod-Erfahrung aber offenbar nicht gemacht. Und so betrat ein sehr klassisch aufgemachter (nicht mehr die FrostTheChineseVampire meets Alf Poier in Kill Eulenspiegel-Optik vom Monastery-Gig ein paar Monate zuvor), aber auch sehr derangiert wirkender Mann die Headliner-Bretter, anfangs noch etwas krampfhaft an die Wasserflasche, später aber an den Doppler geklammert. Die Instrumentalisten unter der Regie des rechtschaffenen Herrn Tchort sägten aber ein dermaßen derbes Brett brachialster Dreck-Roll-Black-Hymnen in die Massen, dass es eine helle Freude war. Sogar die Abwesenheit der carpathian Dancers (beleibte Frauen; unterstützen die misanthropische Atmosphäre) wurde uns vergolten, als einer der vermutlich ungebetenen Bühnengäste Nattefrost rektal zu beglücken begann – was dieser nicht wirklich gemerkt haben dürfte.


FOTOS + E-CARDS
kaltenbach-openair.at

marian
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Beitrag vom 28.07.2006
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