KALTENBACH OPEN AIR 2006 – TAG 2  
15.07.2006 @ Spital am Semmering

Müde? Nichts gibt’s - auf zum Endspurt! CONVERGENCE, DISMAL, PROFOUND, LEGIONS DESCEND, EMPYRE, INZEST, PARENTAL ADVISORY, CASKETGARDEN, OUTRAGE, ASMODEUS, SCORNAGE und DAVIDIAN gossen fleißig Öl in die teilweise nur schwer zu reanimierende Glut der schon halb ausgebrannten Partygäste. Mit EMPYRE hat es der vielbeschäftigte Gitarren-Zampano EMP geschafft, alle vier Jahre des KOA nacheinander die Bühne in Besitz zu nehmen; In Gestalt der erschrecklichen PARENTAL ADVISORY knüppelte uns die Hula-Crew um die Mittagszeit (na ja, 14:00, also eher Frühstücks-Zeit) eine mächtige Portion Brutal Death um die Lauschlappen (Ekelhaft! ;-) - Anm. Macabre). CASKET GARDEN waren auch alles andere als schlecht, feinster Death! Ansonsten ein eher fauler Nachmittag – wen wundert’s...

WASTEFORM lieferten die Grindcore-lastigste Perfomance des KOA 06 und punkteten mit gar nicht so stumpfer Gewalt, DISASTROUS MURMUR waren aber besser: So simpel gestrickt, so effektiv das Rumpel-Death-Geholze der alteingesessenen Kärntner, die auch beim Splattern nicht den Sinn für guten Geschmack verlieren und würzige Marinade für das Fleisch fordern. Was war da noch mal mit „Fecal Overdose“ und „Daily Toilet Torturing“?

MOONSORROW räumten dann grosso modo ab; ein Wald von Hörnern huldigte den Pagan-Recken und ihren ab und an schwülstigen, nichtsdestotrotz aber energischen Kompositionen. Auch zwei ganz und gar unmetallische (und auch etwa ältere) Spitaler hat’s zu dieser Zeit aufs Gelände verschlagen; zumindest dem weiblichen Teil des Duos scheinen MOONSORROW tatsächlich gefallen zu haben. Oder war es „nur“ die geballte Energie von live gespieltem, klare Bergluft atmendem, ehrlichem Metal, dem sich niemand mit Herz entziehen kann und die sich selten so manifestierte, wie in diesen Minuten?

GOD DETHRONED haben Wien im letzten Jahr doch etwas öfter beehrt als nötig, aber dies sollte ihnen an diesem Samstagabend nicht schaden: Der melodische Genickschuss saß wieder einmal perfekt, von „Villa Vampiria“ bis „The Warkult“, „Soulsweeper“ und „The Lair of the white Worm“, von süßlich bis bitterböse und knallhart: ein Erfolg! LORD BELIAL gingen es dann etwas gemächlicher und schwarzwurzliger an, meines Erachtens eher Konserven-Musik (dort aber schon gut).

Die von mir ansonsten verschmähte alte Schwedentod-Schule schaffte es anschließend noch einmal mehr, mich zu begeistern, und zwar in Gestalt von UNLEASHED. Lieder wie Menhire, Trinkhorn-Romantik und straightes Gebolze, alright. Nur der legendäre Headliner war noch um einiges wichtiger, ganz klar: SODOM. Ich und ein guter Kollege meinten im Jahr zuvor angesichts der damaligen Rausschmeißer DESTRUCTION noch: „Gut, aber es sollte halt wenn schon, dann SODOM sein“, jetzt war es wirklich so weit: Zeit für die letzte Ölung von Onkel Tom und Co. Unwirkliche Momente, Headbang-Apokalypse, fast schon kitschige Zelebrierung des Metaller-Gemeinschaftsgefühls auf der Bühne – oder hoffte der "gute Onkel" doch nur auf entblößtes weibliches Fleisch? Nicht zuletzt eine Band, die sie alle vereint und in dieser Nacht auch tatsächlich vereinte, Thrasher, Blacker, Deather – kein Wunder, so richtungsweisend sie gewesen ist. Und auch wenn an SODOM Anno 2006 ein klein bisschen Staub klebt (aber nicht sehr viel, siehe den fetten neuen Release „Sodom“!) – einen besseren Headliner hätte der KVK nicht finden können.

Was ist bloß los? Keine zwei Stunden später ist der Platz wie ausgestorben, keine zwei handvoll Menschen bzw. das, was von ihnen noch übrig ist, hängt am Ausschank der Mobil-Bars. Höhenluft macht vielleicht wirklich müde, zwei Batterien Metal-Vollbedienung ohne Zweifel. Dennoch keine Entschuldigung. Der leer gefegte Platz, auf dem vor wenigen Stunden noch die Haare fliegen, die Schreie dröhnen, Fäuste in den schwarzen Nachthimmel stoßen und die Herzen zum Takt schlagen, spricht im fahlen Licht der Morgendämmerung: Es ist vorbei.
(Und nur als kleine Anmerkung am Rande: Vorbei ist's, und auch die Natur kann wieder aufatmen, ist sie es doch nicht gewohnt, dass einige minderwärtige Sauproleten mitten in ihrem Herzen Benzinfeuer erfachen und sich durch Mark und Bein hacken, keinen Respekt der wunderbaren Landschaft gegenüber haben - ich will hier nicht den Gutmenschen raushängen lassen und auch nicht der Wiener Art, jederzeit etwas zum Bemängeln zu finden, zwanghaft nachkommen, jedoch: Eine gewisse Wertschätzung für ein derart idyllisches Umfeld sollte schon da sein, wenn auch nur deshalb, dass das KOA auch weiterhin stattfinden kann, denn ich glaube kaum, dass Brände und Randale für eine wohlgesonnene Gemeinde sorgen, das Devil Days dokumentierte dies bereits im laufenden Jahre... - Anm. Macbare)


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kaltenbach-openair.at

marian
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Beitrag vom 28.07.2006
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