SUFFOCATION   OBSCURA   WASTEFORM   DAYS OF LOSS    DARK DECEPTION   
21.08.2006 @ Planet Music

Ein Name wie SUFFOCATION wirkt zweifelsohne als Publikumsmagnet, Faktoren wie Supportbands, Wochentag und beinahe sogar Location lassen sich hierbei selbst in Wien ausklammern - ist eine 13-jährige Liveabstinenz einer derartigen Szeneikone etwa mit dem Druck gleichzusetzen, den - beispielsweise - ein Rocco Siffredi in einem zwanghaften und abstinenten Klosteraufenthalt verspüren würde.

Aber nun mal Schritt für Schritt - der Abend wurde von DARK DECEPTION eröffnet, eine heimische Band, die man nun mal kennt, ich aber ausfallen ließ. Über DAYS OF LOSS im zweiten Slot freute ich mich allerdings immens, war immerhin auch hier die Abstinenz nicht gerade von kurzer Dauer. Mit neuem/alten - und bereits durchaus gefestigtem - Line Up stapfte man ordentlich in den Fußabdrücken der heimischen Ikonen wie älteren DISASTROUS MURMUR und ebenso frühen DISHARMONIC ORCHESTRA und wusste wie in seligen Arena-Zeiten (Metalfest Vienna 03), den Heimbonus gekonnt auszuspielen. Benny präsentierte sich als spaßiger und agiler Fronter, der gekonnt das magischen "M" jonglieren ließ, spieltechnisch bodenständig wie anno dazumal kann man unseren Jungens vielleicht keine herausragende Eigenständigkeit attestieren, aber sie versetzen auch noch im neuen Jahrtausend den Zuseher und -hörer gekonnt in die gute, alte Zeit zurück, als gerade der österreichische Todmetall noch roh und knackig und mit Inbrunst zelebriert wurde.
Für WASTEFORM hieß es bereits zum zweiten Mal in so kurzer Zeit nach dem diesjährigen Kaltenbach Open Air "Hallo, Österreich" - Sympathiepunkte hatte man somit bereits gesammelt, die man auch gekonnt auszuspielen wusste. Stimmlich gewaltig - kein Wunder bei dem Volumen - und Abends ebenso spielfreudig wie in den frühen Morgenstunden am Brutal Assault oder Nachmittags am Kaltenbach: Den New Yorkern merkt man auf den ersten Moment ihre unverbrauchte, frische Ader an, die sich in einem gewaltigen Orkangemisch aus Slam Death mit typischen NY-Hardcore-Einflüssen entlädt. Obwohl raumfüllend dank Fronter Greg, herrschte auch mehr Agilität auf der Bühne vor als bei so manch anderer dünner bestückten Band, was wiederum das heimische Publikum im Bewegung zu versetzen wusste - die Bezeichnung "Moshpit" erlaube ich mir hier sogar zur Abwechslung zu nennen, auch wenn verglichen mit anderorts trotz zahlreicher Blessuren zwar nicht von einem Kindergeburtstag, aber doch einem gemütlichen "Round Table" zu sprechen wäre.
Die nachfolgenden - und durchaus ebenso sympathischen - Deutschen von OBSCURA konnten ebenso bereits am Brutal Assault aufhören lassen, mussten jedoch in Wien mit einem leichten Stimmungsabfall leben lernen. Keine Schande aber: Nach WASTEFORM kann man nur mehr schwer gewinnen - und dafür ist die Musik unserer Nachbarn einfach einen Tick zu sperrig, zu vertrackt, zu technisch möchte man fast sagen, sodass die geradlinige Zielstrebigkeit der Amis schlichtweg noch nachhallte. Man agierte jedoch professionell genug und gab einen soliden Gig zum Besten, der durchaus auf eine starke Zukunft hoffen lässt.

Den Abschluss des Abends durfte man dann so richtig auskosten - die "Monsters of Death" schlechthin endlich wieder auf heimischen Brettern, und die Befürchtungen ob des altbekannten Planet-Soundproblems wurden an jenem Abend bereits von Anfang an erfolgreich ausgeklammert; SUFFOCATION zelebrierten - zwar lädiert und nur teilkomplett - gekonnt ihren Auftritt, der schlichtweg als gewaltig bezeichnet werden darf. Mit einer Setlist, die bewusst verstärkt auf die alten Tage schielte und einem manischen Fronter wie Frank Mullen war ein Siegeszug vorprogrammiert, da braucht man über fehlende Soli aufgrund der Abstinenz von Terrance Hobbs nicht diskutieren und sich über die zwangsbedingte geringe Bühnenpräsenz von Derek Boyer nicht mokieren. Selbst derart eingeschränkt sind die Attribute von "Macht" auf ein neues Level gehoben worden - ein derart gekonntes Verschmelzen von erarbeiteter, erlernter Eingespieltheit, tightem Teamwork und beinahe jugendlicher Frische riss wohl die gesamte (übrigens angenehm gefüllte) Halle mit und ließ wohl kaum jemanden unzufrieden den Heimweg antreten. SUFFOCATION waren Entertainment pur, gepaart mit einer derart starken Setlist, dass "Catatonia" nur mehr das Tüpfelchen auf dem i darstellte. Aber wozu hier großartig Worte verlieren - wer bei dem Abend nicht dabei war, der sollte sich ohnehin umgehend in den Allerwertesten beißen ;-)

Danke Dominik!


FOTOS + E-CARDS
www.dark-matter.tk

macabre
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Beitrag vom 26.09.2006
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