ILOSAARIROCK 2006 - THE DARKNESS   KATATONIA   UVM.  
16.07.2006 @ Lake Pyhäselkä, Joensuu

Das Ilosaari Rock gehört zu den ältesten und auch beliebtesten Festivals in Finnland, welches auch immer ausverkauft ist; und dies nicht zuletzt wegen dem immer hochkarätigen Lineups. Dieses Jahr wurde großes Jubiläum gefeiert, da sich die Festivalpforten bereits zum 30ten mal öffneten. Grund genug um auch dieses finnische Festival in Joensuu einmal zu besuchen.

An drei Tagen (14.07. bis 16.07.2006) konnten sowohl einheimische als auch internationale Größen begrüßt werden, wobei Tag Nummer eins eher als Einstimmung gesehen werden konnte, da die musikalischen Leckerbissen erst am späten Nachmittag begannen und auch nicht das gesamte Festivalareal einschlossen. Vielmehr wurde dieser Tag von den meisten Leuten genutzt um erst mal anzukommen, sein Zelt aufzubauen und sich ordentlich auf das Festival einzustimmen, was beim Großteil der Leute mit einer gehörigen Menge Alkohol verbunden war. Nichtsdestotrotz blieb alles in einem freundschaftlichen Rahmen und konnte als große Party unter Gleichgesinnten gesehen werden. Und gerade wegen dieser Atmosphäre; nicht nur wegen der auftretenden Bands, sondern auch wegen dem ganzen Rundherum zählt das Ilsosaari Rock zu den Happenings des „Finnischen Sommers“. Und so pilgern jährlich auch tausende nach Joensuu um „nur“ am Campingplatz den Sommer und die Stimmung zu genießen.

Nach erfolgreicher Anreise und Zeltplatzsuche konnte einmal mit dem Zeltaufbau begonnen werden…

Am nächsten Tag durfte dann das Festivalgelände erkundet werden, welches als beeindruckend bezeichnet werden konnte. Nicht weniger als fünf Bühnen und Unmengen an Leuten verstärkten den Eindruck der Beliebtheit des Festivals. Nun genug des Geschwafels und zu den Bands…

Zu beginn war 51KOODIA an der Reihe, die man stilmäßig der Kategorie finnischer Rock zuordnen konnte, und dies, wie meist bei finnischen Bands der Fall, auch qualitativ hochwertig. Mir war die Band von ihrer musikalischen Seite her bisher unbekannt, und umso mehr war ich von ihren Songs und den Livequalitäten angetan. Die Truppe versteht definitiv ihr Handwerk und heizte dem, auch um diese frühe Zeit massig vorhandenem Publikum, gehörig ein.
SCAR SYMMETRY aus Schweden gehörten sicherlich zu den härteren Highlights des Wochenendes und wussten das Publikum an sich zu ziehen. Die Songs von „Symmetric in Design“ und besonders dem neuen Output „Bitch Black Progress“ knallten durch die Boxen, und auch Stageacting-technisch ließ man nichts anbrennen. Der Auftritt konnte getrost als Erfolg auf ganzer Linie betrachtet werden und hinterließ für mich, nach ihrem diesjährigen Auftritt im Zuge des Neckbreakersball, bereits den zweiten positiven Eindruck.
Weiter ging es anschließend mit einer weitern finnischen Band, an deren Bühnenqualitäten man nur sehr schwer herankommen kann, nämlich MOKOMA. Die Band schafft es immer wieder, mich mit ihrer Mischung aus heftigen Thrashattacken und melodischen, mit in finnischer Sprache vorgetragenen cleanen Vocals versehenen Parts in ihren Bann zu ziehen. Aufgrund dieser, nicht nur bei mir zutreffenden Tatsache gehört/e die Truppe um Frontmann Marko Annala zu einem der Publikumslieblinge, welche immer wieder gerne gesehnen werden. Der Mann am Mikro ist einfach ein Erscheinungsbild für sich, und mit ihren humoristischen Einlagen verstehen sie es stets Stimmung zu machen. Hierzu passte auch das witzige Zirkusintro, das die Band selbst sehr zu amüsieren schien.
Weiter mit Heimvorteil ging es mit STAM1NA, ebenfalls mehrfachen FME Gewinnern. Auch hier gab es finnischsprachigem Metall, diesmal allerdings etwas gemäßigter. Mit ihrer Show zeigten sie, dass sie nicht ohne Grund zu den aufstrebenden Acts gehören, wobei sie für mich nicht soviel Einzigartigkeit wie MOKOMA versprühten. Es wurde langsam Abend, es blieb hell und es wurde ruhiger…

KATATONIA betraten die Bühne und schlossen die Menge in ihre musikalische Umarmung. Klingt irgendwie geschwollen, traf aber im Fall der Schweden zu, da sie es schafften mit ihrer Melancholie und Schwermut, aber auch mit ihren positiven Funken das Publikum an sich zu binden. Dabei tat die in dunkles Rot und Blau getauchte Bühne ihr übriges, um einen unvergesslichen Auftritt zu schaffen. Wie nicht anders zu erwarten wurden Klassiker der letzen Alben inklusive Hits wie „My Twin“ oder „Teargas“ gespielt, wobei ich, als Fan der alten Tage, auf Songs dieser Ära leider vergebens warten musste. Abgesehen von diesem Manko ein grandioser Auftritt, der die Vorreiterrolle dieser Band in diesem Genre einmal mehr untermauerte.
Den Abschluss und Headliner Act des Tages bestritten die Briten von THE DARKNESS, und dies mit einem Maximum an Glamour, inklusive Feuerwerk. Man kann sich viel über dies Band denken, eines jedoch ist unbestreitbar: Dass sie sich innerhalb kürzester Zeit eine riesige Fanschar erspielt haben und die Massen anziehen wie ein Magnet. So wurde man auch an diesem Abend der Headliner-Rolle gerecht und rockte was das Zeug hielt. Dabei durften natürlich Hits wie „One Way Ticket“ oder „I Believe In A Thing Called Love“ nicht fehlen, ebenso wie die fast schon obligatorische Pyrotechnik. Insgesamt wurde dieser ausklingende Abend in ein besonderes Licht getaucht, nicht nur durch das Feuerwerk, sondern auch durch das zur Feier des Jubiläums aufgestellte Kerzenmeer an den Seiten der Hauptbühne. Die Erzählungen über das Ilosaari hatten also nicht zu viel versprochen, und so ist das Ilosaari wohl eines der Festivals in Finnland, die man einmal besucht haben muss.
Zum letzten Ausklang des Abends ging es dann noch zur Aftershowparty in die Eishalle, wo es hochkarätig weiterging, denn es spielten keine geringeren als INSOMNIUM, TAROT und DIABLO!


Nach überstandener Nacht inmitten der durchgehenden Partystimmung am Campingplatz konnte der schon letzte Festivaltag beginnen. Den Anfang machten die in Finnland sehr beliebten VIIKATE, welche mit ihrer Art von Rockmusik inklusive Akkordeon-Einlagen einen richtig stimmungsvollen Tagesbeginn (um ein Uhr Nachmittags) boten. Weitaus lauter, lustiger und flüssiger ging es dann in einem Vodka-Humppa-Bad weiter, das die auch in Österreich sehr beliebten ELÄKELÄISET über die Menge in Joensuu brachten. Diese Band muss man einfach einmale Live gesehen haben um mitzuerleben, welche Größe und Beliebtheit sie mittlerweile erreicht hat; das hatten sich selbst „die Rentner“ zu Beginn dieser Formation nicht gedacht.

Einer der Höhepunkte war für mich mitunter sicherlich das Wiedersehen mit den Urgesteinen des Schwedentods – ENTOMBED. Und es tat richtig gut L.G. Petrov wieder auf der Bühne zu sehn. An Energie hat die Band in all den Jahren nichts eingebüsst und so wurde einmal durch die Bandgeschichte und wieder zurück gewildert. Highlight war das immer wieder kultige „Night Of The Vampire“, da erinnert man sich gerne mal einige Jährchen zurück, als damals das Video auf MTV über den Bildschirm flackerte.
Nach diesem Ausflug auf die andere Seite Skandinaviens war es dann wieder Zeit für finnischen Rock der Marke "finnischer Hitgarant", und zwar in Form von APULANTA, NEGATIVE und POETS OF THE FALL. Alle drei Bands sind einerseits die Idole der jungen Generation, schaffen es aber andererseits auch in den älteren Schichten ihre Anhänger zu finden und begeisterten somit von Jung bis Alt. Den Anfang machten APULANTA, irgendwo zwischen Melancholie, Rock und punkigen Elementen. Sie sind einfach die Publikumslieblinge auf jedem Festival und so verwundert es nicht, dass es so ziemlich jede Veröffentlichung der Band zu Gold- oder Platinstatus geschafft hatte. Für ihre Bühnenshows lässt sich die Band auch immer etwas einfallen, so kann man auch immer auf jeden neuen Gig der Band gespannt sein, da man bei dieser Band nie zweimal dasselbe sieht.

Numero Zwei machten NEGATIVE, die besonders von den finnischen Girls gehuldigt wurden. Für uns hierzulande muten die Jungs sicher etwas sonderbar an, doch hier in Finnland sind Tatsachen wie rosa Jeans oder Gitarren etwas ganz normales. Hier wird übertriebener Glamour, ausgefallenes Outfit und mehr oder weniger Kitsch einfach anders aufgefasst und toleriert als in unseren Regionen. Mit „Planet Of The Sun“ spielte man dann auch einen Vorboten vom mittlerweile veröffentlichten dritten Album „Anorectic“; dieses zeigte, dass die Band ihrem Stil treu bleibt. Wer sich einmal selbst ein Bild von der Band und deren Musik – und vielleicht nicht nur dem Hüftschwung von Sänger Jonne – machen will, kann dies im November bei einem der drei Österreichabstecher erledigen.
Bei den Poeten des Herbstes würde es mich schwer wundern, wenn sie nicht auch den Durchbruch im restlichen Europa schaffen würden. Mit „Carnival Of Rust“ hat man in der ersten Hälfte dieses Jahres ein grandioses zweites Album abgeliefert, welches mit dem Titelsong, „Sorry Go’ Round“ und „All The Way / 4U“ richtige Hits beinhaltet, um nur einige zu nennen. Vom Debüt schaffte es unter Anderem „Late Goodbye“ in die Setlist, welche durchwegs auf hohem Niveau war. Besonders Sänger Mark zeigte sich als Persönlichkeit die es sichtlich genoss im Rampenlicht zu stehen, aber auch der Rest der Band gab alles und bot eine unterhaltsame Darbietung, wobei sich das Posing immer in einem sympathischen und nicht selbstverliebten Rahmen hielt und die Truppe einfach als Band zeigte, die sich auf der Bühne mehr als wohl fühlte.

Den krönenden Festivalabschluss bildeten, vor meiner Abreise, die Doomgötter SWALLOW THE SUN. Und Joensuu wurde in unendliche Schwere gehüllt. Über dem Sound der Truppe glänzten einmal mehr die genialen Vocals des sympathischen Sängers Mikko Kontamäki. Sowohl auf den Alben als auch Live eine Freude, diese Bandbreite des Gesangs zu erleben. Von den Untiefen seiner Growls bis zu den fragilen cleanen Vocals wird jedes Spektrum bravourös abgedeckt und man selbst durch ein Wechselbad der Emotionen geleitet. Leider war mit dem Ende des Sets auch mein Abschied von Joensuu und dem 30ten Ilosaari Rock gekommen, dies war aber sicher nicht mein letzter Zwischenstopp in Joensuu…


FOTOS + E-CARDS
www.ilosaarirock.fi

Harald
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Beitrag vom 15.11.2006
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