GRAVE   DISMEMBER   ENTOMBED   UNLEASHED   EXTERMINATOR  
14.11.2006 @ Planet Music

„Never before, never again – Masters of Death“ – es geht doch nichts über vollmundige Ankündigungen. Gerade dann, wenn diese auch eingehalten werden. Aber was kann mehr self fulfilling prophecy sein, als ein Anwärter auf den Titel „Konzert des Jahres“, der mit der Vereinigung gleich aller vier Könige des Schweden-Deaths aufwartet? Eben. GRAVE, DISMEMBER, ENTOMBED und UNLEASHED auf einem Haufen, besser geht’s wohl kaum. Was kann da noch schief gehen? [Macabre: In der Theorie wohl wenig - wohl selbst, wenn man den Fehler begangen hätte, die Nordlichter nach den Shows mit sämtlichen Alkoholvorräten unbeaufsichtigt zu lassen. Doch bekanntlich macht einem die Praxis oft einen Strich durch die Rechnung, bereits hieb- und stichfeste Quasi-Naturgesetze werden aus den Angeln gehoben - und das Planet Music stellte bisher durchaus ein Faktor dar, der die (Un)macht hierzu hatte. Dennoch: Die zahlreich Erschienen wurden nicht enttäuscht, Theorie und Praxis beutelten die Mähne in Einklang, so viel darf man bereits vorausschicken.]

Die Reihenfolge: „All band rotating headline position“ ist an und für sich eine nette und in diesem Fall auch angemessene Idee - aber musste gleich das passieren, was ich befürchtet hatte, nämlich meine beiden Favoriten zuerst?

UNLEASHED jedenfalls waren beim Publikum ganz klar die Headliner – und das, obwohl alle Kapellen begeistert bis frenetisch abgefeiert wurden. Das will schon was heißen (und dass das Planet an einem Dienstag Abend randvoll war nicht weniger)! Johnny Hedlund & Co. räumten wahrhaft mächtig ab, die Band kochte, die Menge tobte, „Midvinterblot“ zündete Ende nie – kurzum, „scream for me - Death Metal Victory!!!“. Ein Horn auf den wohl weltweit wildesten Consulting-Fuzzi (Hedlund, wirklich!) und seine Meute. [Macabre: Dessen kann man sich nur anschließen - UNLEASHED sind wohl jene Fraktion, welche den tonnenschweren Groove für den Death Metal gepachtet zu haben scheint - was CROWBAR in seinen Klassen auszeichnet, ist den Mannen um Hedlund ebenso auf den Leibe geschneidert wie die Spandex einem Tommy Lee. Während eine gewisse, seit doch einigen Jahren frenetisch abgefeierte Gruppe mit dem Doppel-"A" im direkten Vergleich wohl kläglichst scheitern würde, war der Querzug durch die Schaffensperiode UNLEASHEDs nicht nur Auftakt und Anheizer (um das doppelte "A" fortzuführen), sondern zweifelsohne Siegeszug, Krönung und Regentschaft in einem, eine Tatsache, welche schwächere Veröffentlichungen aus dem Hause durchaus verziehen macht.]

Ach ja, nur langsam mit den jungen Pferden - da war ja noch wer zuvor: EXTERMINATOR hatten eröffnet. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, das fünfte Rad am Wagen nur flüchtig zu begutachten, waren die munteren Anheiz-Knaben gar nicht schlecht; roh und simpel, aber mit nicht zu verachtendem Kellerloch-Proberaum-Charme!

Aber wenden wir uns ENTOMBED zu, den dreckigsten dieses unvergesslichen Abends - denjenigen, die von allen Vieren den Authentizitäts-Kodex am meisten gebrochen hatten und doch in gewisser Weise die archaischsten waren. Nekrotisch zerfressener Atom-Rock, erhaben rumpelnd, zermürbend kaputt und formvollendetst vorgetragen. Frontbirne L. G. Petrov schüttelte die dünnen öligen Zotteln im Takt und lieferte eine ansteckend wütende Show. Long live the left hand path! [Macabre: Auch hier nimmst du mir die Worte aus dem Mund - ENTOMBED sind wohl jene Vorreiter der "Szene", die auch am schnellsten zu ihren "Verrätern" wurden - doch ist zumindest mit der kürzlich eingetretenen Kehrtwendung, welche mit "When In Sodom" gehörig dokumentiert wurde, ein Dokument des Moders unterzeichnet worden, die Maschinerie der Verwesung - staubbedeckt und rostig - erneut angeworfen worden: ENTOMBED als dreckiger Dust N Roll, erdig und erhaben als Synonym für die "good old days" schlechthin. Kein Balast, geradliniger, bröckeliger Rotz - ähnlich wie der ehrwürdige Gerstensaft, das so gern konsumierte Bier, welches nach wie vor puristisch ohne Zotter-Geschmacksverwirrung und demnach ohne Senf-Erdbeer-Zucchini-Liebäugelung am besten funktioniert.]

Wie erwähnt, mein Hauptinteresse war damit gesättigt. Dennoch machten DISMEMBER als Party-Band mächtig Spaß! Nicht zuletzt das Seite an Seite-Gitarrenposing ließ viel klischeehaftes Metal-Flair aufkommen, und die Hörner reckten sich dem fast schon tänzerisch herumwirbelnden Matti Kärki entgegen – die verlängerte Warterei durch die späte Spielposition ;) ?
[Macabre: DISMEMBER sind zweifelsohne in ihrer Position als die IRON MAIDEN der Death Metal-Szene erneut gefestigt worden - nicht nur im Solobereich zollt man explizit nach eigenem Ermessen Tribut, auch das Posen geht fast schon so gut wie bei den Vorbildern und wirkt zum Glück nicht derart homoerotisch wie bei vergleichsweise "MAN-OH!-WAR". Kein Wunder somit, dass El Gore - neben Kronos national gesehen wohl der begnadetste Posergockel - zurecht einen Altar zu Ehren der Schweden links und rechts neben dem Bette stehen hat (sämt Kärki-Vibrator in der Schublade für seinen Hintereingang).
DISMEMBER sind zwar in meinen Augen eher eine Band, welche den Vibe eines kleinen, muffigen Kellerlochs versprühen und somit wiederum eher ins Movimento denn ins Planet gepasst hätten, allerdings waren die Boxen, welche den guten Elch lautstark röhren ließen ein gutes Argument für die sich im soundtechnischen Aufwind befindliche Nobellocation.]

GRAVE gefielen mir im Endeffekt doch ein Stückchen besser, da verbissener – man bewundere das Mienenspiel des Herrn Lindgren. Ach, was soll man hierzu noch groß sagen... der Abend war ein Über-Hit, Spielpositionen hin oder her. Und weil’s so schön war, noch ein letztes mal: „ my warriors scream for me...“ – und jetzt alle!
[Macabre: "Death Metal Victory!" --- GRAVE haben mit "You will never see...heaven" eines der wenigen Alben auf den Markt geworfen, welche vom ersten bis zum letzten Ton an - so und nicht anders gespielt - Perfektion und Genie in sich vereinigt haben, auf der anderen Seite aber auch (und dies muss man ebenso zugeben) im Gegensatz zu DISMEMBER, UNLEASHED und auch ENTOMBED die Hits eindeutig in den alten Tagen, nur vereinzelt in den neueren finden lassen. Dennoch: GRAVE waren bereits zu Jahresbeginn mit ABORTED und CRYPTOPSY im Gepäck ein stilechter Gassenhauer, der Dienstag im Planet kann durchaus als logische Fortsetzung gesehen werden.
Punkt und Ende, mit jenen "Fanta4 der schwedischen Szene", oder auch dem sogenannten "Trium [plus unum] Virat des Imperium Skandinavium" ist den Kaltenbachlern ein Paukenschlag gelungen, der Haydn wohl im Grabe zu einer letzten Erektion verhelfen sollte.]



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marian & macabre
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Beitrag vom 23.11.2006
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