11. WACKEN OPEN AIR   U.A. SODOM   MOTÖRHEAD   DIE APOKALYPTISCHEN REITER   CRYPTOPSY   FINTROLL   CREMATORY  
03.08.2001 @ -

Eigentlich begann fuer die meisten der ueber 30.000 Metalfans das Festival bereits am Mittwoch Abend, denn zu diesem Zeitpunkt waren die grossen Zeltplaetze schon gut gefuellt. Und wer konnte, der gab sich an diesem Abend ganz den Klaengen seiner Lieblingsmusik in der grossen Metaldisco hin, oder aber auch dem Bier, oder beidem..

Im Laufe des Donnerstags rueckte dann fast der gesamte Rest der Besucher an, um gegen Abend nach Kaempfen um Zeltplatz und Einlassbaendchen schliesslich sich voller Vorfreude im heillos ueberlasteten Eingangsbereich wiederzufinden. Aber letzendlich gelang jeder auf das Festivalgelaende, wo eine tuerkische Powermetalband (KNIGHT ERRANT?) ihren ersten Deutschlandauftritt absolvierte. Leider zog das gleichzeitig stattfindende obligatorische Fussballspiel wesentlich mehr Besucher in seinen Bann, so dass der doch ganz passable Auftritt dieser Band etwas unterging. FINTROLL jedoch hatten die ungeteilte Aufmerksamkeit der partywuetigen Gemeinde und brachten mit ihrem genialen Mix aus Black Metal und finnischer Polka die Stimmung auf ein Level, bei dem niemand mehr stillstehen konnte und bangte bzw. huepfte. Im Anschluss sollten eigentlich CREMATORY die heiligen Bretter betreten, doch standen diese angeblich mit einer Autopanne im Stau und konnten so erst am Samstag Abend auftreten. Und wer jetzt etwas enttaeuscht dreinblickte, der wurde nach einer kurzen Umbaupause zumindest optisch durch den Anblick nackter, weiblicher, sich lassziv zu der Musik von THE IMPOTENT SEASNAKES bewegender Koerper entschaedigt. Diese amerikanische Band, bei der die Musiker groesstenteils an Dragqueens erinnerten, ueberzeugte mit ihrem punkigen Rock'n'Roll sicherlich nicht jeden, doch lassen sich auch Lorbeeren ernten mit einer auffallenden Buehnenshow. Der Hoehepunkt des Abends war jedoch WASP, die ihrem Publikum das boten, was es erwartete, wenn nicht sogar mehr.

Wer Freitag morgen um 10.00 Uhr noch nicht in der Lage war, im aufrechten Gang zu laufen, der verpasste unter anderem DECEASED, NIGHTFALL oder STIGMA IV. Gegen mittag jedoch hatte sich bereits eine grosse Schar wieder auf dem Gelaende eigefunden, sodass LACUNA COIL sich nicht ueber mangeldes Interesse beschweren konnten. Immerhin ist es jedesmal ein Genuss, die duestere maennliche Stimme im Kontrast zu der klaren, ausdrucksstarken weiblichen zu hoeren, verbunden mit guter Musik. Die alten Zeiten liessen HOLY MOSES anschliessend wieder aufleben, denn nach der Rueckkehr von SABRINA CLASSEN ist die Band einfach wieder komplett und spielte alte wie auch neue Songs in bester Death Metal Manier. Eine weitere Pflichtband fuer den Freund des Brachialen, Rasenden war NAPALM DEATH, die zwischen ihren einzelnen Stuecken unter anderem auch zum Kampf gegen den in letzter Zeit immer mehr zunehmenden Rechtradikalismus aufriefen. Selbstverstaendlich wurde dies wohlwollend vom Publikum kommentiert. Waehrend den Auftritten von PRIMAL FEAR, PAUL DiANNO oder KAMELOT konnte jeder, dessen Herz nicht gerade fuer den Power Metal schlug, sich an den zahlreichen Getraenkestaenden laben oder seinen Geldbeutel an den vielen Klammotten-, CD- oder Schmuckstaenden erleichtern. Eine Prise duesterer wurden dann NEVERMORE, die vor OVERKILL das Publikum akustisch vollends zufriedenstellten. Zeitgleich wurde es auf der Partystage musikalisch auch immer haerten und boeser, wie SONATA ARTICA oder EXHUMED bewiesen. Wer jedoch persoenliche Gegenstaende am Meet&Greet Stand von seinem Favourit signieren lassen wollte, der benoetigte schon eine gehoerige Portion Glueck, dies auch in die Tat umzusetzen. Denn wer sich beispielsweise bereits eineinhalb Stunden fuer DIMMU BORGIR angestellt hatte, der konnte nur enttaeuscht zusehen, wie diese nach nur 25 Minuten von dannen zogen. Vielleicht sollte dafuer eine andere Loesung gefunden werden. Doch bei dem Auftritt von THERION konnte dieses Manko schnell wieder vergessen werden, denn diese Band ist einfach unschlagbar genial und sucht bis jetzt seines gleichen. Mit dem letzten Songs erinnerten sie sogar noch an ihre Anfangsyeiten im Death und Black Bereich und zollten IRON MAIDEN mit einem Cover von "Relavations" Tribut. Paralell zu DEASTER, die in gewohnt boeser, brachialer Manier ihre Musik darboten und sich fuer die Treue ihrer Fans, ohne die sich nicht das waeren, was sich heute sind, bedankten, stellte HELLOWEEN erneut klar, dass sie einfach eine Kultband sind, die eine riessige Fangemeinde um sich schart. Diesem Status gerecht wurden auch SAXON, die HELLOWEEN an Groesse der Fangemeinde und Koennen nichts nachstanden. Den kroenenden Abschluss des Freitags bildeten DIMMU BORGIR, die viel von ihrer aktuellen Scheibe spielten und jeden zum Ausleben seiner schwaerzesten Seite brachten. Dadurch verloren EXUMER und RAWHEAD REX sicherlich einiges an Publikum, doch auch diesen Bands wurde gebuehrend Applaus entgegengebracht.

Wer bereits Freitg Morgen seine Probleme mit dem Aufstehen hatte, der tat sich Samstag noch viel schwerer und liess so Gruppen wie CRYPTOPSY oder DESTROEYER 666 sausen. Wer es gegen Mittag auf das Gelaende geschafft hatte, der konnte sich bei VINTERSORG, DARK TRANQUILLITY und KRISIUN austoben. Auch ANNIHILATOR oder TAD MOROSE lockten immer mehr Partywueitge auf das Areal, oder CREMATORY, die nun eine ihrer Abschiedsshows zelebrierten, bis letztlich gegen 18.00 Uhr eine gewisse Schmerzgrenze erreicht war und SUBWAY TO SALLY vor einem begierigen Publikum mit ihrer Show starteten. Selbstverstaendlich wurde jeder Song von Anfang an mitgesungen oder mitgesprungen, so dass der mitunter schlechte Sound der Stimmung keinen Abbruch tat. Anschliessend konnte dann jeder waehlen, ob er GRAVE DIGGER, die einige Livemitschnitte machten, huldigte, oder bei TANKARD weiter Party feierte und lautstark deren Forderung nach Freibier unterstuetzte. Nachdem NAGLFAR, die wegen CREMATORY auf eine kleinere Buehne ausweichen mussten und musikalisch keinen Stein mehr auf dem anderen liessen, und GRAVE DIGGER mit eindurcksvollem Gehabe ihre Fangemeinde befriedigt hatte, konnten IN FLAMES sich mit ihrem eher duester wirkenden Power Metal feiern lassen. NIGHTWISH mit seiner unverwechselbaren Frontfrau hielt anschliessend so ziemlich alle in seinem Bann. Auch wenn die Saengerin schon oefters betont hat, dass sie mit ihrer klassischen Operngesangsausbildung mit Metal nichts am Hut hat, laesst sich dies musikalisch nicht bestaetigen. Der erste Riesenhoehepunkt des Abends war ohne Frage HAMMERFALL. Die schwedische PowerMetal Band ist, wie auch GRAVE DIGGER, nicht mehr aus dem CD-Archiv eines Metalfans wegzudenken und wurde selbstverstaendlich angemessen gehuldigt. Darunter hatten aber OPETH zu leiden, die trotz guter musikalischer Leistung komplett im Sound von HAMMERFALL untergingen. Genauso erging es den restlichen Bands des Abends auf der Partystage. DEATH SS, die wie manch andere Band auf optische, sprich nackte, weibliche Reize gemischt mit Gothic Horror Rock, setzen, oder DIE APOKALYPTISCHEN REITER mit ihrer eigenen Definition von Metal, hatten gegen den Run auf MOTOERHEAD und SODOM kaum noch eine Chance. Dies war auch kaum verwunderlich, standen doch mit diesen beiden Spitzenacts die Hauptheadliner des Festivals nacheinander auf den Buehnen.Und dazu gibt es eigentlich nichts mehr zu schreiben, denn jeder weiss, auf welchem Level dabei gespielt wird.

Somit ist den Veranstaltern wieder einmal ein geniales Festival gelungen, dass nicht umsonst als das groesste MetalFestival der Welt bezeichnet wird. Und wenn naechstes Jahr einfach ein paar mehr Dusch- und Toilettencontainer aufgestellt werden, fuer deren Benutzung zwar eine Gebuehr faellig wurde, die jedoch dem Luxus wie Sauberkeit oder Wasserspuelung angemessen war, wird das naechste Festival nur noch im Bezug auf das Einlass\Andrang Problem zu beanstanden sein.


Anja

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Beitrag vom 21.08.2001
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