NECROPHAGIST   MISERY INDEX   ORIGIN   BLEEDING SKIES  
20.02.2007 @ Arena

Es schaut so aus, als hätte sich der beschwerliche Weg langsam bezahlt gemacht: NECROPHAGIST, bereits 1992 aus der Taufe gehoben, galten lange Zeit, auch nach dem Erscheinen des bahnbrechenden 99er Debuts „Onset of Putrefaction“ als absoluter Underground-Geheimtipp. Doch jetzt, nach einigen Amerika-Touren in illustrer Death-Gesellschaft, scheint das deutsch-türkische Tech-Death-Gespann um Chef-Perfektionisten Muhammed Suicmez endgültig den berechtigten Status erreicht zu haben: Eine Headliner-Tour durch Europa beweist’s.

Doch halt, da war noch wer: ORIGIN haben es das erste Mal über den großen Teich geschafft – was für so manchen noch wesentlich wichtiger war! Wie auch immer, der Andrang an diesem Dienstagabend war äußerst bemerkenswert, und das Lamentieren über den eben vergangenen sowie den kommenden Werktag vermischte sich mit einer Stimmung massenhafter Euphorie.

In dieser durften sich zunächst BURNING SKIES suhlen, die alles in allem einen gelungenen Einstand lieferten. Tief im Hardcore verwurzelt, ballern die Briten aber auch einige ziemlich derbe Death-Teile dazwischen und sorgen so für Laune. Ein bisschen zu Metalcore-ig für meinen Geschmack, aber professionell in Szene gesetzt.

ORIGINS Nahen machte dann kribbelig: Wird die Band in ihrer neuen Besetzung ihre „Informis Infinitas Inhumanitas“-Glanztat noch so gut spielen können? Wird der Sound dem unmenschlichen Geballer gewachsen sein? Natürlich kam es wie es kommen musste, und der Sound batzte anfangs überlastet und matschig. Das zu leise Schlagzeug besserte sich, die einzelne Gitarre blieb jedoch stets zu leise (Denn ja, eine unablässig unmenschlich ratternde und wirbelnde Snare deckt tatsächlich zu). Aber: Trotzdem gelang es ORIGIN, ihre manischen Wutausbrüche mit maximaler Brutalität, aber auch sehr sauber und wiedererkennbar zu zocken und – bezugnehmend auf Frage eins – ja, die alten Stücke mit deren unvergleichlich brachialen Feeling herunterzurattern. Aber auch Titel des Debuts und der aktuellen „Echoes of Decimation“ knallten ganz vorzüglich, stets getragen von der dämonischen Kakophonie des dreistimmigen Vocal-Ansturms. Ein Fest – wir waren verzückt!

Der „Elendsindex“ wurde vom Ökonom Arthur Okun erdacht und errechnet sich aus Arbeitslosenquote und Inflation – For the American death metal band, see Misery Index (band). Diese gelten ja inzwischen als so was wie die besseren DYING FETUS, deren beinahe-Konkursmasse in Form zweier Ex-Members bei MISERY INDEX mitzockt. Und mit fanatischem Highspeed-Death mit einer gerüttelten Dosis Hardcore-Mitgehern scheinen sie die ehemaligen Könige tatsächlich überflügelt zu haben, dümpelte deren „Stop at nothing“ doch leider in der Mittelmäßigkeit (Kollege Mike will euch allerdings bald beweisen, dass die neue "War of Attrition" doch wieder killt!). MISERY INDEX bewiesen sich jedenfalls als würdige Co-Headliner, auch wenn ich mich einer gewissen Sentimentalität für die alten DYING FETUS nicht erwehren konnte.

Auf zum Sechssaiter-Showdown! Suicmez & Co. Nehmen Stellung, zielen kurz, feuern scharf und nehmen den Laden im Sturm. Fast alle Hits von „Onset of Putrefaction“ und „Epitaph“ werden zum Besten gegeben, in wieder einmal fast beängstigender Präzision und auch vom Sound her ziemlich gut, auch wenn Muhammeds Gitarre leiser ist als die des neuen Kollegen Sami Raatikainen, welcher so manches Solo übernehmen darf und dem posenden Jung-Gott kaum nachsteht. Musikstudenten dürfen ungläubig mitlesen, denn am Merch gibt’s das „Epitaph“-Notenbuch für die Eifersüchtigen. Doch obwohl das Gitarrenmonster keine Sekunde vergehen lassen will, ohne sie mit den komplexesten technischen Kabinettstückchen zu überladen, bleibt das Material hammerharter, aggressiver und mörderischer Brutalo-Death – andere Gitarristen seines Kalibers wären wohl längst in Jazz- oder Prog-Gefilde abgewandert – Suicmez aber stellt seine Laserfinger treu in den Dienst des rasenden Todes. So soll es sein!


FOTOS + E-CARDS
www.necrophagist.de

marian
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Beitrag vom 23.02.2007
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